Lorenz Jücker: Der Reservist, der sich beim FC Nordkirchen plötzlich in den Mittelpunkt spielt

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Eigentlich galt Lorenz Jücker beim FCN nur als Ersatzmann, doch am Sonntag gegen Merfeld durfte er zum ersten Mal von Beginn an ran, mit Erfolg. Doch daran hatte ein Spieler besonderen Anteil.

von Nico Ebmeier

Nordkirchen

, 02.03.2020, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es lief die 28. Spielminute beim Bezirksliga-Topspiel zwischen dem FC Norkirchen und den Sportfreunden Merfeld. Beim Stand von 2:0 für den FCN holt Jungspund Lorenz Jücker einen Merfelder regelwidrig im eigenen Strafraum von den Beinen. Doch dies sollte nicht die letzte auffällige Aktion des Rechtsverteidigers sein.

„Der Elfmeter“, dann zögert Lorenz Jücker kurz. „Der war wohl einer“, gibt er zu, während von seinen Mannschaftskollegen Gelächter kommt. „Da muss ich wohl lernen, noch ein bisschen ruhiger zu werden.“ Doch der 21-Jährige wendete noch in den verbliebenen 60 Minuten das Blatt und bekam sogar Applaus, als er das Spielfeld verließ.

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Generell war es schon eine große Überraschung, dass Jücker am Sonntag gegen Merfeld von Beginn an auf dem Spielfeld stand, hatte er doch zuvor nicht einmal in der Startelf gestanden. Aber Trainer Issam Jaber überraschte mit ihm als Rechtsverteidigung und mit Kapitän Florian Fricke im rechten Mittelfeld. „Das gab es noch nicht so häufig, aber wenn es nach mir geht, könnte es gerne so bleiben“, sagt Jücker und auch Fricke scheint mit der taktischen Entscheidung äußerst zufrieden zu sein: „Es hat richtig Spaß gemacht. Nicht nur, etwas offensiver zu spielen, sondern auch einen guten Spieler hinter sich zu haben.“

Lorenz Jücker spielte als Rechtsverteidiger.

Lorenz Jücker spielte als Rechtsverteidiger. © Nico Ebmeier

Und spätestens in der zweiten Halbzeit spielte sich der 21-Jährige dann auch ins Blickfeld. Während er vor dem Pausentee - abgesehen vom Elfmeter - weitestgehend unbemerkt sein Spiel machte, lief er in Halbzeit zwei richtig heiß. Während das Spiel immer kämpferischer wurde und die Gelbe Karten nur so hagelten, nahm auch Lorenz Jücker gerne daran teil: „Ich bin schon so ein kleiner Heißsporn. Es war eigentlich ein richtiges Spiel für mich.“

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So holte er sich kurz nach dem Wiederanpfiff direkt eine Gelbe Karte ab, weil er nach einem vermeintlichen Foulspiel zu laut lamentierte. „Ich weiß ja, dass man das nicht macht. Aber ich treffe ihn nicht und er fällt trotzdem um und dann pfiff der Schiedsrichter auch noch. Da bin ich etwas durchgebrannt“, analysiert der Mannschaftsjüngste die Situation.

Auch bei dieser Diskussion war Lorenz Jücker (l.) wieder mitten drin.

Auch bei dieser Diskussion war Lorenz Jücker (l.) wieder mitten drin. © Nico Ebmeier

Der Rechtsverteidiger blieb seinem körperlichen Spiel treu, auch wenn er noch oft die Bezirksliga-Härte zu spüren bekam. Ein Beispiel: In der 73. Minute sprintete Jücker Schulter an Schulter mit einem Merfelder Kontrahenten zum Ball und wurde von diesem mit dem Kopf zuerst in die Bande am Spielfeldrand gedrückt. Während die Nordkirchener Anhänger sogar laut eine Rote Karte fordern, stand Jücker leicht benebelt wieder auf und leitet Sekunden später das 4:1 durch Robin Schwick ein. „Da habe ich dann kurz die Bande kennengelernt, aber so ist es nun mal im Fußball“, sagt der Nordkirchener nach dem Spiel.

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Nach dem Spielende konnte der 21-Jährige auf ein gelungenes Startelf-Debut zurückblicken, den Ballsack musste er als Jüngster Spieler dennoch zurück in die Kabine tragen. „Wenn ich dafür spiele“, scherzt er. „Ist es mir wert.“ Geht es nach den Nordkirchener Anhängern, könnt er am nächsten Wochenende gerne wieder spielen, denn bei ihnen schien der Jungspund ordentlich Eindruck hinterlassen zu haben.

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