Ex-Coach Stephan Kriesinger: „Ich habe Südkirchen tief ins Herz geschlossen!“

dzFußball

Nach drei Jahren - mit einer kurzen Unterbrechnung - verlässt Trainer Stephan Kriesinger den SV Südkirchen. Ein Abschiedsspiel war dem Coach wegen Corona nicht vergönnt.

Südkirchen

, 17.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Abschied kam plötzlich und traf den Coach selbst unvorbereitet: Die Corona-Pandemie beendete das Engagement von Trainer Stephan Kriesinger beim Fußball-B-Ligisten SV Südkirchen im März abrupt. Dass der 39-Jährige gemeinsam mit seinem Trainerkollegen Jens Fritsche aufhören wird, hatte der Klub erst wenige Tage vorher publik gemacht. Dann brach die Krise herein, der Fußball legte eine Zwangspause ein. Und Kriesinger und Fritsche erlebten einen Abschied ohne Abschiedsspiel.

Herr Kriesinger, was haben Sie in den vergangenen drei Monaten mit der vielen freien Zeit angestellt?

Da sonst ja nicht viel möglich war, gar nicht so viel. Ich lebe mit zwei gefährdeten Personen in einem Haushalt. Deswegen habe ich mich auch selbst eingeschränkt. Ich möchte sie nicht anstecken. Ich habe auch viel mit meiner Schäferhündin Tara unternommen. Die ist jetzt ein Jahr und drei Monate alt und unsere Hundeschule hat viele Online-Kurse unternommen. Seitdem hört sie viel besser.

Sie tauschen den SV Südkirchen gegen einen Hund ein?

Auf keinen Fall. Das kann man so nicht sagen! Den Hund hatte ich ja schon vorher und bin weiter Trainer geblieben - ob für den Hund oder von einer ganzen Mannschaft.

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Kann man denn etwas aus einer Hundeschule ins Trainergeschäft beim Fußball mitnehmen?

Wenn es nicht läuft, dass man auch mal laut werden darf. (lacht)

Warum haben Sie als Trainer des SV Südkirchen aufgehört?

Ich bin jetzt seit 19 Jahren in Trainerämtern tätig - fast durchgehend mit wenigen Pausen. Für meine Frau und mich ist es jetzt mal schön, die freie Zeit am Dienstag, Donnerstag und Sonntag zu genießen. Ich habe mich immer zurückgehalten an den Samstagabenden, weil ich nicht mit einer Fahne eine Ansprache halten wollte. Mein Kegelklub sagte schon: Jetzt zieh endlich auch mal mit! Beruflich habe ich aber auch viel zu tun. Jens und ich haben dann festgestellt, dass wir Südkirchen einfach nicht mehr gerecht werden würden. Deswegen haben wir leider Gottes aufgehört.

Das haben Sie vor zwei Jahren bei Ihrem ersten Abschied auch schon einmal gesagt und waren schnell wieder zurück.

Ja, aber es ist uns ernst. Südkirchen hat jetzt einen wirklich guten Nachfolger gefunden. Michael Luppus war ja mehrere Jahre im Vorstand aktiv. Ich halte das gesamte Trainerteam für richtig. Vor zwei Jahren hatte ich den ganzen Sommer frei und als ich das Amt an Klaus Ruhoff übergab, hatte ich ein gutes Gefühl. Danach zeigte sich, dass es doch nicht passte. Als ich wieder zurück war, hat die Rückrunde, die wir gespielt haben, dann extrem viel Bock gemacht. Eins habe ich Südkirchen in den drei Jahren gemerkt: Auch wenn ich Ottmarsbocholter bin, habe ich Südkirchen tief ins Herz geschlossen.

Stephan Kriesinger macht Schluss in Südkirchen und bedankte sich für die tollen Jahre am Böckenbusch.

Stephan Kriesinger macht Schluss in Südkirchen und bedankte sich für die tollen Jahre am Böckenbusch. © Sebastian Reith

Wie haben Sie den Weg zum SV gefunden?

Christian Kallwey war damals Sportlicher Leiter. Wir kannten uns aus der gemeinsamen Zeit in Capelle, wo ich mal ein halbes Jahr gespielt habe. Ich hatte Ottmarsbocholt damals verlassen, weil mir es in dem Verein zu bunt wurde. Die hatten den Trainer rausgeschmissen, womit ich nicht einverstanden war. Als Christian Kallwey und ich dann irgendwann gegeneinander gespielt haben, haben wir miteinander gesprochen. Und da er wusste, dass ich kein Trainer mehr in Ottmarsbocholt sein würde, hat er mich gefragt.

In Ihrem Trainerkollegen Jens Fritsche haben Sie auch einen guten Freund gewonnen, oder?

Ja. Da hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt, auch außerhalb des Platzes. Das sollten wir auf keinen Fall wegwerfen oder ruhen lassen. Mit unseren Familien werden wir uns häufiger besuchen. Und wir haben auch gesagt, dass wir im Fußball auf jeden Fall etwas zusammen machen wollen, vielleicht ja irgendwann die heimischen Mini-Bomber.

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Wollen Sie selbst nochmal kicken?

Ich habe ja all die Jahre bei den Alten Herren in Ottibotti gezockt. Und ich würde da auch wieder vorbeisehen, wenn Corona wieder vorbei ist.

Wann steigt der SV Südkirchen in die Kreisliga A auf?

Ich halte es so, wie Michael Luppus es gesagt hat: Da sind drei Mannschaften aus der B-Liga raus. Deswegen traue ich der Mannschaft zu, sofern sie den Fokus darauf legt, schon in der nächsten Saison aufzusteigen und dann übernächste Saison wieder Kreisliga A zu spielen. Das Miteinander in dem Verein ist einfach grandios. Als Auswärtiger fühlt man sich beim SV Südkirchen sofort heimisch.

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