Coronavirus: Das Restrisiko bleibt - Hintergründe zur Absage des Halbmarathons in Nordkirchen

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2020 ist das Jahr der Absagen. Turniere, Spieltage, Wettkämpfe - die Liste der wegen des Coronavirus ausgefallenen Sportveranstaltungen wurde vergangene Woche um einen Volkslauf länger: Es traf den Halbmarathon des FC Nordkirchen.

Nordkirchen

, 15.07.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der FC Nordkirchen hat vergangene Woche seinen Halbmarathon abgesagt. Das Bedauern ist groß, denn nach dem Schloss- und Dorflauf sowie dem Stadionsportfest ist auch die dritte Veranstaltung der Leichtathleten coronabedingt ausgefallen. Die Entscheidung traf der Verein wohl sehr emotional. Die Verunsicherung war groß. Die Meinungen im Vorstand gingen auseinander.

„Wir hatten ein erstes Konzept mit einer etwas anderen Strecke entwickelt. Wir waren uns aber nicht ganz sicher, ob es uns gelingt, alle Regeln einzuhalten“, sagte Bernd Bechtloff, Vorstandssprecher der Leichtathletikabteilung des FC Nordkirchen, unter der Woche. Schließlich müsste der FC Nordkirchen für einige hundert Sportler die Verantwortung tragen.

Das Konzept sah zunächst vor, den Startbereich von der Freitreppe im Schlosspark in das Stadion zu verlegen. „Im Stadion gibt es eine bessere Kontrolle zum Einlass“, erklärte Pressesprecherin Birgit Pohlmann. Im nicht umzäunten Schlosspark wären Zuschauer und Läufer dagegen aus mehreren Richtungen zum Start geströmt. Die zu kanalisieren, wäre schwierig geworden. Im Stadion wäre - Stand der Ausarbeitungen - bei 100 Schluss gewesen. Die anderen Zuschauer hätten sich entlang der Strecke aufreihen müssen.

Die Startlinie sollte ins Stadion verlegt werden, um die Zuschauer- und Teilnehmerströme steuern zu können.

Die Startlinie sollte ins Stadion verlegt werden, um die Zuschauer- und Teilnehmerströme steuern zu können. © Reith

Die 21,0975 Kilometer lange Streckenführung hätte sich durch die Verlegung der Startlinie etwas verändert und hätte auch neu vermessen werden müssen. Positiver Nebeneffekt: Schleifen im Schlosspark, mögliche Begegnungspunkte und Kontaktstellen auf der Runde, wären weggefallen.

Einen Massenstart - wie sonst üblich - hätte es auch nicht geben sollen. Stattdessen hätte der FC Nordkirchen Gruppen gebildet und die Sportler in Blöcken mit 30 bis 50 Teilnehmern auf den Kurs geschickt. Birgit Pohlmann verriet auch, dass der Verein die Teilnehmerzahl gedeckelt hätte. Definiert war die Zahl noch nicht.

Konzept war durchdacht - vieles sah machbar aus

Möglicherweise hätte der Verein je nach Andrang reagiert, denn es ist schwierig einzuschätzen, ob viele Läufer froh sind, dass sie endlich wieder laufen dürfen, und deshalb in Scharen gekommen wären, oder ob sie Volksläufe gemieden hätten. Die Anmeldung und Bezahlung wäre ausschließlich vorab und online erfolgt. Auch das Aushändigen der Startunterlagen hätte man mit einer Wäscheleine, an der die Startnummern aufgehängt sind, kontaktlos organisieren können. Die Verpflegung an der Strecke wäre durch Fläschchen möglich gewesen.

Durch die Felder über den Obsen wäre die Strecke gleich geblieben.

Durch die Felder über den Obsen wäre die Strecke gleich geblieben. © Sebastian Reith

Gute Signale seien bei Anfragen von vielen Helfern gekommen. All das bestärkte den FC Nordkirchen, dass es gehen könnte. Pohlmann: „Es hat bei vielen im Vorstand das Denken eingesetzt: Ja, wir könnten es durchziehen!“

Verunsicherung im Vorstand war sehr groß

Letztlich sagte der FC Nordkirchen trotzdem einen Monat vor dem Veranstaltungsdatum ab. Auch Bechtloff hatte erhebliche Einwände: Ihm zufolge gab es im Vorstandsteam sowohl Stimmen, die es versuchen wollten, als auch die, die dagegen waren - und noch eine dritte Gruppe von Mitgliedern, die in dem Konzept einen guten Ansatz sahen, sich aber nicht ganz wohl fühlten. Die Verunsicherung ist nach wie vor da.

Ein Punkt, der Bechtloff von der Zustimmung abhielt, seien mögliche Ansammlungen nach dem Zieleinlauf gewesen. „Läufer und Zuschauer vergessen schnell, mit welchen Bedingungen wir es zu tun haben“, so Bechtloff. „Die Zeit dafür ist möglicherweise noch nicht reif dafür. Wenn es schief geht, haben wir unseren Ruf ruiniert“, sagte Bernd Bechtloff.

Birgit Pohlmann sprach davon, dass die Entscheidung eine starke emotionale Komponente gehabt habe. Die Organisatoren hingen zwischen der Lust auf Laufsport und Bedenken durch ein Restrisiko. Pohlmann, die noch auf einen Halbmarathon 2020 gehofft hatte, fragte: „Ist es ein falsches Zeichen, das wir setzen?“

Einnahmeausfall trifft den FC Nordkirchen nicht sehr hart

Finanzielle Gesichtspunkt hätten bei der Absage keine Rolle gespielt. „Natürlich entgehen uns Einnahmen“, sagte Pohlmann. Die Leichtathletikabteilung speise sich aber größtenteils durch Mitgliederbeiträge.

Aktuell klingt es eher nicht danach, im Herbst noch einmal einen Lauf nachzuholen. „Im Moment verfolgen wir das nicht, aber es wird in der nächsten Vorstandssitzung sicherlich noch einmal auf den Tisch kommen“, sagte Bechtloff.

Kein Thema sei außerdem eine Austragung ausgefallener Fünf- und Zehn-Kilometer-Distanzen vom Schloss- und Dorflauf Ende April im Rahmen des Halbmarathons gewesen. Auch eine virtuelle Variante sei nicht konkret in Planung.

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