Unwirkliche Realität in Alstedde: Wie hat das Hygienekonzept funktioniert?

dzFußball

In Alstedde fand am Samstag das Derby zwischen BWA und Westfalia Wethmar statt - vor etwas mehr als 400 Zuschauern. Ein Tag später ist im Kreis Unna sportlich gesehen nichts mehr möglich.

Alstedde

, 12.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein intensiv geführtes Fußballspiel, leidenschaftliche Fans hinter den Banden, Frust, Jubel, Pöbeleien und ein sportlich anspruchsvoller Wettkampf auf Amateurniveau.

Vor einem Jahr noch normal, mittlerweile ist daran noch kaum zu denken. In Alstedde war das am Samstagnachmittag der Fall, als BW Alstedde und der TuS Westfalia Wethmar zum ersten Mal seit acht Jahren in einem Derby aufeinandertrafen.

Verantwortliche zeigen sich zufrieden

Dabei wirkten das Spiel und das Drumherum wie eine Normalität, die unwirklich erschien, die nicht in den Zeitgeist inmitten der Corona-Pandemie passte. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass seit Sonntag im Kreis Unna jeglicher Spiel- und Trainingsbetrieb untersagt ist.

Jetzt lesen

Sechseinhalb Stunden lagen zwischen Anpfiff des Derbys und dem Beginn der Allgemeinverfügung des Kreises Unna. Und ganz Lünen blickte gespannt nach Alstedde, wo sich die Verantwortlichen einen Tag nach dem Spiel zufrieden zeigten. „Ein kräftiges Lob an alle Helfer, sei es Ordner oder die Corona-Beauftragten. Das kann man denen in der heutigen Zeit nicht hoch genug anrechnen“, sagte Alsteddes zweiter Vorsitzender Hans-Jürgen Kahl. 25 ehrenamtliche Helfer waren am Heikenberg im Einsatz.

Auch Alsteddes erster Vorsitzender, Manfred Ungethüm, resümierte: „Wir haben gestern noch ganz viel telefoniert innerhalb des Teams und das Fazit war positiv. Ich bin den Helfern wirklich dankbar für den Einsatz.“

Doch klappte das Hygienekonzept wirklich einwandfrei? Im Eingangsbereich stellten sich alle Zuschauer mit einem Mund- und Nasenschutz an, es gab kein Gedränge. Um den Platz verteilte sich ein Gros des Publikums, doch Abstände wurden nicht überall eingehalten. Viele Gruppen standen teils relativ nah beieinander - trotz mehrfacher Hinweise auf die Regeln des Hygienekonzepts der Alstedder Verantwortlichen über das Stadion-Mikrofon.

Viele Zuschauer sahen sich das Derby zwischen Alstedde und Wethmar mah beieinander an.

Viele Zuschauer sahen sich das Derby zwischen Alstedde und Wethmar mah beieinander an. © Goldstein

„Bei jedem Konzept gibt es ein paar Ausreißer“, musste Ungethüm zugeben, sagte aber auch: „Uns sind keine Vorfälle bekannt, wo wir einschreiten mussten. Wir sind mit dem, was wir gemacht haben, zufrieden.“

Unruhig wurde es rund um den Platz, als knapp 15 Minuten gespielt waren. Hagel und Regenschauer setzten für mehrere Minuten ein, viele Zuschauer verzogen sich unter das Vordach des Vereinshauses, standen eng zusammen. Einige unter den Bäumen auf Seiten der Trainerbänke. Teils mit Mund- und Nasenschutz, teils ohne. Und wie beinah überall seitdem die Maske in unser aller Leben getreten ist, auch mit den Menschen, die den Schutz unter der Nase oder unter dem Kinn trugen.

Viele Zuschauer stellten sich unter das Vordach des Vereinsheims als der Regen anfing.

Viele Zuschauer stellten sich unter das Vordach des Vereinsheims als der Regen anfing. © Timo Janisch

„Das war ja unser Horror“, erzählt Ungethüm zum Einsetzen des Regens. „Wir hatten vielen vorher Bescheid gegeben, dass sie sich darauf vorbereiten sollen.“ Viele taten das auch, indem sie Regenschirme dabei hatten. Aber nicht alle, wie Ungethüm erfahren musste: „Du wirst nie verhindern, dass die Leute unter das Dach gehen, wenn es regnet.“

Spielabsage stand nicht zur Debatte

Das Konzept, welches für bis zu 500 Leute ausgelegt war und für die etwas mehr als 400 Zuschauer genutzt wurde, war von der Stadt Lünen und dem Kreis Unna nach mehreren Gesprächen in den vergangenen Wochen genehmigt worden.

Eine Spielabsage stand für BW Alstedde nicht zur Debatte - trotz der steigenden Corona-Zahlen und der anstehenden Allgemeinverfügung. „Die Idee einer Spielabsage kam nicht von unserer Seite“, sagt Manfred Ungethüm. Alstedde hätte sich im Vorfeld auch mit dem Staffelleiter der Bezirksliga 8, Lothar König, ausgetauscht und diesem das Vorgehen erklärt.

Jetzt lesen

„Wir haben immer gesagt, wir wollen spielen. Wir haben so einen Aufwand betrieben, das wäre eine Katastrophe gewesen.“

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Lüner Sport-Adventskalender
Lüner Fußballer ist eigentlich viel zu gut für seine Liga und versteckt sich hinter Türchen Nr. 3