Ohne Gehör, aber mit viel Ehrgeiz: Wie sich ein Lüner nach langer Verletzung zurückkämpft

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Florian Kralani passt so gut wie kaum ein anderer zum Fußball-Bezirksligisten Lüner SV II. Doch zwei Dinge unterscheiden ihn vom Rest des Teams: Er ist gehörlos und war zwei Jahre verletzt.

Lünen

, 23.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Dieser Neuzugang passt so gut wie kaum ein anderer in das Team des Fußball-Bezirksligisten Lüner SV II. Florian Kralani ist Mittelfeldspieler und steht kurz vor seinem 24. Geburtstag. Der „Lüner Junge“, wie er sich selbst bezeichnet, hat bereits Landesliga-Erfahrung gesammelt. Nun kehrt er zu seinem Stammverein zurück und will die Elf von Kadir Kaya in der neuen Spielzeit verstärken. Zwei Dinge unterscheiden ihn jedoch vom Rest des Lüner Aufgebots.

Zum einen hat der 23-Jährige eine lange Verletzungsgeschichte. Mehr als zwei Jahre konnte Kralani nicht Fußball spielen. Zum anderen ist der Lüner gehörlos. Ein Problem ist jedoch vor allem ersteres. Mit seiner Gehörlosigkeit kommt Kralani nämlich gut zurecht. „Ohne Gehör zu spielen ist nicht einfach, aber ich bin daran gewöhnt. Ich habe damit keine Probleme“, so Kralani.

Florian Kralani: „Kommunikation ist kein Problem.“

Im Vergleich zu seinen Mannschaftskollegen müsse er verstärkt mit den Augen arbeiten, schreibt der LSV-Neuzugang im WhatsApp-Interview. Das Visuelle spielt auch eine große Rolle bei der Kommunikation mit den Mitspielern auf dem Platz. „Kommunikation ist kein Problem“, so Kralani und schreibt mit Blick auf seine Mitspieler: „Sie verstehen mich. Und wenn sie reden, achte ich ohne Gehör auf deren Mundbild. Augenkontakt macht auch Sinn.“

Ohne Gehör, aber mit viel Ehrgeiz: Wie sich ein Lüner nach langer Verletzung zurückkämpft

Im Spiel der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft spielte Florian Kralani (r.) 2015 unter anderem gegen Schweden. © Deutscher Gehörlosen-Sportverband

Lange Zeit spielte Kralani überaus erfolgreich Fußball in Gehörlosen-Mannschaften. Mit dem Gehörlosen-Sportverein (GSV) Düsseldorf wurde er Deutscher Meister. Als er das erste Mal für die Deutsche Nationalmannschaft auflaufen sollte, stoppte ihn ein Kreuzbandriss. Wieder fit, holte er bei der Europameisterschaft unter 16 Nationen den fünften Platz. 2016 gab es bei der Weltmeisterschaft gegen Titelverteidiger Türkei im Finale eine knappe 1:2-Niederlage.

Und das alles geschah parallel zu seinen Einsätzen in regulären Fußballteams! „Diese Doppelbelastung möchte ich in Zukunft definitiv nicht mehr haben. Ich möchte nur noch für einen Verein spielen. Im Gehörlosen-Fußball spiele ich nicht mehr“, so Kralani. Er spielte lange beim Lüner SV in der Jugend. „Ich habe dort praktisch meine ganze Jugend verbracht und war auch mit der ersten Mannschaft damals in der Landesliga aktiv“, erzählt der Mittelfeldspieler.

Auch beim BV Brambauer spielte er bereits. Von da aus wechselte er zum VfL Kemminghausen, wo er zwischen 2015 und 2017 in der Landesliga am Ball war - bis er sich verletzte. Es folge eine schier unendliche Verletzungsgeschichte.

Verletzungsmisere begann mit Kreuzband- und Meniskusriss

„Meine erste Verletzung war ein Kreuzband- und Meniskusriss“, schildert der Lüner. „Ich wurde dann falsch behandelt und operiert. Die Operation ist schief gelaufen. So entstanden Probleme in meinem Knie. Ich habe über zwei Jahre kein Fußball mehr gespielt. Zuletzt gespielt und trainiert habe ich im November 2016.“ Nun wagt Kralani den Neuanfang.

„Es ist sehr schwer. Noch schwerer, als ich mir es vorgestellt habe“, beschreibt Kralani seinen Wiedereinstieg. Seit einem Monat befindet er sich wieder im Training. Karalani: „Ich bin zurzeit in der Aufbauphase, wo ich meine Ausdauer erstmal aufholen muss und vor allem Ballgefühl gewinnen muss.“

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Ist ihm das gelungen, dann ist der Lüner im Mittelfeld überall einsetzbar. „Es ist mir völlig egal ob zentral oder über außen!“, sagt Kralani. Und ein festes Ziel hat er mit seinem Bezirksliga-Team auch vor Augen: „Auf jeden Fall wollen wir den Klassenerhalt. Der Rest kommt von alleine.“

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