Lüner Fußballer Sandro Plechaty: „Die Bundesliga ist weiterhin mein Ziel“

Fußball

Sandro Plechaty hat es weit geschafft. Er hat in der Jugend in der Bundesliga-West und bei den Senioren in der Regionalliga gekickt. Aktuell ist der Lüner beim FC Schalke 04 unter Vertrag. Doch das könnte sich bald ändern.

Lünen

von Von Patrick Schröer

, 15.02.2018, 19:05 Uhr / Lesedauer: 4 min
Lüner Fußballer Sandro Plechaty: „Die Bundesliga ist weiterhin mein Ziel“

„Wenn wir aufsteigen, dann wird der Vertrag verlängert“, sagt Sandro Plechaty (l.), hier im Gespräch mit Sportredakteur Patrick Schröer. Nach einer enttäuschenden Hinrunde will Sandro Plechaty in der zweiten Halbserie wieder voll angreifen und am Ende mit dem FC Schalke 04 den Wiederaufstieg in die Regionalliga perfekt machen. © Foto: Jürgen Weitzel

Eigentlich will er nur eines: spielen. Und zwar Fußball. So oft und so lange wie möglich. Sandro Plechaty ist fußballverrückt. Schon seit seiner Kindheit. Das mag auch an seinem Vater liegen: Mario Plechaty, der bekanntlich den Fußball-Westfalenligisten Lüner SV trainiert. „Sandro ist mit dem Fußball groß geworden“, sagt Mario Plechaty über seinen Sohn. „Fußball steht für mich unter meiner Familie an zweiter Stelle“, sagt Sandro Plechaty.

Doch aktuell muss sich Sandro, der beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht, noch ein wenig gedulden. Bis Sonntag muss der 20-Jährige noch mindestens warten. Dann soll endlich nach einigen Spielabsagen in der Oberliga wieder Fußball gespielt werden. Sandro steht mit der U23-Mannschaft der Schalker, für die er aufläuft, vor einem wichtigen Auswärtsspiel. Die Schalker reisen zum SV Lippstadt 08. Der Verein steht übrigens vor den Schalkern in der Tabelle. Das soll sich laut Sandro aber schon bald ändern.

Noch steht Schalke auf Rang sieben der Tabelle. Eigentlich will der Verein aber unter die besten zwei Teams der Liga. Die berechtigen nämlich zum Aufstieg in die Regionalliga. Aus der ist Schalkes U23 im Vorjahr abgestiegen.

Projekt stand auf der Kippe



Sandro wirkt geknickt und nachdenklich, als er sich an den Abstiegskampf aus dem Vorjahr zurückerinnert. „Wir wollten unbedingt in der Regionalliga bleiben, haben alles dafür getan. Der Abstieg ist sicher nicht Schalkes Anspruch“, sagt Sandro Plechaty. In der Sommerpause stand das Projekt U23 bei den Knappen nach dem sicheren Abstieg auf der Kippe. Sogar von einer Auflösung des Teams war die Rede.

Doch der Schalker Sportvorstand um Christian Heidel und U23-Manager Gerald Asamoah entschloss sich, das Team dennoch für die Oberliga zu melden – mit einem klaren Ziel: direkter Wiederaufstieg. Von diesem Ziel sind die Schalker, auch wenn der Tabellenstand anderes vermuten lässt, gar nicht so weit entfernt, denn: Schalke muss noch zwei Nachholspiele bestreiten. Gewinnt der S04 beide, mischt er plötzlich wieder oben mit.

Vertragsverlängerung



Der Aufstieg ist auch das klare Ziel von Sandro Plechaty. Daran gekoppelt ist nämlich sein Vertrag. „Wenn wir aufsteigen, dann wird der Vertrag verlängert“, sagt er. Ansonsten läuft dieser Mitte des Jahres aus. Mit diesem Szenario will sich Sandro aber nicht beschäftigen. Er will kämpfen. Im Training. Und endlich wieder auf dem Fußballplatz in Meisterschaftsspielen. Die Hinrunde lief nämlich alles andere als zufriedenstellend für den ehrgeizigen Lüner, der mittlerweile in Cappenberg wohnt.

13 Pflichtspiele absolvierte der S04 bislang. Sandro Plechaty kam dabei nur in sechs Partien zum Einsatz. „Natürlich habe ich mir mehr Spielzeit erhofft. In der Rückrunde will ich wieder angreifen. Die Vorbereitung lief gut“, sagt Sandro Plechaty. Die fehlenden Einsatzzeiten sind gesundheitlichen Problemen geschuldet, mit den Sandro zu kämpfen hatte. „Meine Entzündungswerte waren wieder hoch. Ich musste pausieren. Deswegen war es auch schwierig, wieder in die Mannschaft reinzukommen“, sagt der 20-Jährige. Sandro Plechaty wollte auf Nummer sicher gehen. In seinen Jugendjahren hatte er nämlich vermehrt Probleme mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber, das ihn immer wieder zu Pausen zwang. „Sandro gibt nie auf, er ist ein Kämpfer“, sagt Mario Plechaty über seinen Sohn. Das zeigte sich auch schon in der Kindheit.

„Sandro hat schwierige Phasen hinter sich. Er war spätpubertierend, immer der Kleinste in der Mannschaft“, so Mario Plechaty weiter.

Bei den Minikickern, Sandro startete seine Karriere im zarten Alter von vier Jahren beim BV Brambauer, war das noch kein Problem. Kritischer wurde die Entwicklungsverzögerung im Jugendlichenalter. Bereits mit zehn Jahren wagt Sandro Plechaty den Schritt zu Borussia Dortmund, spielt am Ende insgesamt siebeneinhalb Jahre für den Revierklub. In der Zeit, damals unter Trainer Hannes Wolf in der U17, machten sich Sandros körperliche Defizite bemerkbar. Die Einsatzzeiten wurden immer geringer. Ein Vereinswechsel musste her.

„Mit Hannes Wolf hatte ich aber nie ein Problem. Er ist ein guter Trainer, das Training hat immer Spaß gemacht“, so der 20-Jährige. So ging es für Sandro jedoch nach vielen Jahren BVB schließlich zum VfL Bochum, für den er rund 1,5 Jahre kickte. 2015 erfolgte dann der Wechsel zum FC Schalke 04. Dass er Dortmunder Vergangenheit habe, ist für Sandro trotz der hohen Rivalität der Klubs kein Problem. „Ich sehe da keine Probleme und kann das trennen“, sagt Sandro, der im Derby mittlerweile dem S04 die Daumen drückt und beim 4:4-Derbyschlag im vergangenen Herbst jubelte, als Naldo in der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer gegen Schwarzgelb gelang.

Heimat im Mittelfeld



Beheimatet ist Sandro im Mittelfeld. Der 20-Jährige wirbelt entweder auf den Außenbahnen, kann allerdings auch im defensiven Mittelfeld oder als zweite Sturmspitze agieren. „Ich bin variabel einsetzbar“, sagt Sandro und ergänzt: „Ich würde mich als sehr giftigen Spieler bezeichnen, der immer 100 Prozent auf dem Platz gibt und Offensivqualitäten mit sich bringt. Ich glaube, ich habe einen ganz guten Abschluss“.

Ob die Qualitäten irgendwann wohl auch mal für die Bundesliga reichen? Sandro ist sich sicher, dass er das schaffen kann. „Mein Ziel ist weiterhin die Bundesliga. Ich mache mir aber auch schon Gedanken über einen Plan B“, sagt er.

Der Cappenberger könne sich ein Fernstudium vorstellen, falls es mit dem Fußball nicht mehr klappt. Auch eine Ausbildung zum Fitnesstrainer reizt ihn. Doch noch lebt der Traum vom Fußballprofi und dafür trainiert er hart. Sechs Mal die Woche. „Der Traum ist realistisch, ich habe eine gute Ausbildung genossen“, sagt Sandro und verweist auf Nachwuchstrainer Nobert Elgert, der großen Anteil an der Qualität der Schalker Nachwuchsspieler habe.

Dass man es von der Jugend direkt bis in die Bundesliga schaffen kann, haben ehemalige Mitspieler von Sandro gezeigt. Mit Dzenis Burnic, Felix Passlack und Dominik Reimann, allesamt Bundesliga-Profis hat der 20-Jährige zusammengespielt.

Mario Plechaty ist einer der wichtigsten Ansprechpartner für Sandro. „Mein Vater ist ein großes Vorbild“, sagt er. Das ehrt Mario Plechaty, der mit Lob für seinen Sohn ebenfalls nicht geizt. „Ich bin superstolz auf ihn, was er bisher geleistet hat. Alles Weitere ist nun Zubrot“, sagt Mario Plechaty, der seinem Sohn mit Tipps aushilft: „Ich bin aber nicht der bekloppte Vater, der ihn drillt“, ergänzt er.

Karriereausklang in Lünen?



In Lünen ist Sandro geboren, in Brambauer aufgewachsen, in Cappenberg momentan wohnhaft. Ob es noch einmal eine Rückkehr zu seinen Wurzeln gibt? „Das könnte ich mir als Ausklang meiner Karriere auf jeden Fall vorstellen“, sagt Sandro. Infrage kämen dafür der aktuelle Bezirksligist BV Brambauer oder eben der Lüner SV, den Sandro auf einem sehr guten Weg sieht. „Wenn mein Vater dann noch Trainer ist, können wir ja mal schauen“, sagt Sandro und lacht.

Jetzt allerdings zählt erst einmal nur der FC Schalke. Und mit dem will Sandro von Sieg zu Sieg eilen. Als Spieler auf dem Platz. Um künftig in der Regionalliga mit einem neuen Vertrag in der Tasche wieder auf Tore- und Punktejagd gehen zu können.

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