Jörg Lemke hat wegen seiner guten Leistungen einen neuen Spitznamen: „Krake“. Im Sommer bekam der Torhüter des BV Brambauer eine Anfrage aus der Westfalenliga. Die hat er bewusst abgelehnt.

Brambauer, Lünen

, 20.08.2019, 21:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Krake“ - so nennt man neuerdings Jörg Lemke, Torhüter des Fußball-Bezirksligisten BV Brambauer. Diese Redaktion hatte den Keeper nach seinen neuerlichen guten Leistungen im Derby gegen den Lüner SV II am Wochenende so getauft. Im Interview spricht der Torhüter über seine Qualitäten und verrät, wieso er aktuell „nur“ in der Bezirksliga spielt.

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Wenn man den Namen Jörg Lemke in den Raum wirft, dann sind die Reaktionen immer eindeutig: Sie werden als bester Torwart Lünens und bester Torwart der Bezirksliga bezeichnet. Inwieweit schmeichelt Ihnen so ein Lob?
Wenn man so ein Lob hört oder auch positive Artikel über sich liest, dann freut das einen natürlich und macht einen auch stolz. Grundsätzlich bin ich aber eher der Typ, der sich für sich freut. Ich trage meine Freude nicht so sehr nach außen. Ich nehme es zur Kenntnis. So ein Lob ist aber eine schöne Sache und motiviert noch einmal mehr.

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Jörg Lemke spielt aktuell seine zweite Saison für den BV Brambauer. © Jörg Lemke

Sie haben lange für den VfB Lünen gespielt, absolvieren jetzt Ihre zweite Saison für den BV Brambauer. Oberhalb der Bezirksliga haben Sie im Seniorenbereich bislang aber nie gespielt. Warum nicht?

Nach der A-Jugend und nach der Berufsschule bin ich direkt zur Bundeswehr gegangen. Da gab es die Problematik, dass ich nur einmal die Woche zu Hause war. Daher war es schwierig, sich im Seniorenbereich zu integrieren. Durch Kontakte zum VfB über meinen Cousin Michael Schlein habe ich dann bei den Senioren mittrainiert. Ich konnte zwar nur einmal die Woche trainieren, aber das hat sich gut gehalten und hat gut funktioniert. Ich hatte zwar auch Kontakt zu anderen Vereinen, die haben aber sofort abgewunken, weil sie es nicht verkaufen konnten, dass ein Torwart spielt, der nur einmal trainiert.

Sieht die berufliche Lage aktuell auch noch so aus?

Nein, aktuell nicht mehr. Seit letztem Jahr bin ich in Ahlen, sodass ich regelmäßig drei Mal die Woche beim Training sein kann. Da merke ich für mich auch, dass ich viel fitter bin und einen näheren Kontakt zur Mannschaft habe. Man sieht sich häufiger, das ist auch für einen selbst sehr wichtig.

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Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Lüner SV Sie im Sommer verpflichten wollte: Stimmt das?

Das stimmt. Ich habe aber dahingehend, dass es schon ziemlich spät war - ich meine Anfang April - gesagt, dass ich dem BV Brambauer schon zugesagt habe. Ich hatte das mit dem Trainer schon im Dezember fix gemacht. Ich stehe zu meinem Wort. Wenn ich aber unbedingt gewollt hätte, dann hätten sie gesagt: „Ok“. Grundsätzlich stehe ich aber zu meinem Wort. Ich bin niemand, der sagt, dass er bleibt und dann kurzfristig doch noch geht. Ich finde das persönlich nicht so gut. Man plant ja auch. Das ist auch eine Position, wo man auch nicht schnell guten Ersatz findet.

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Wie sieht das denn in Zukunft aus? Wie lange bleiben Sie noch in Brambauer?

Das weiß ich jetzt noch nicht. Darüber habe ich auch noch nicht nachgedacht. Ich bin voll in der Saison, wir haben unsere Ziele als Mannschaft. Ich habe keine Ambitionen zu wechseln und lasse alles auf mich zukommen. Ich versuche, meine Leistung zu bringen. Wenn dann mal jemand kommt und Interesse hat, dann kann man sich ja zusammensetzen.

Sie haben am Sonntag gegen den Lüner SV II wieder stark gehalten. Bei Ihnen sieht das im Tor immer alles so einfach aus. Ist die Bezirksliga zu leicht für Sie?

Nein, auf gar keinen Fall. Wenn man die Position durchleuchtet, dann gehören viele Trainingsinhalte dazu, die verinnerlicht sind. Wenn man sich das selber beibehält und versucht die Dinge umzusetzen, dann hat man einen gewissen Vorteil.

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Jörg Lemke fühlt sich beim BV Brambauer wohl. © Patrick Schröer

Wer bringt Ihnen das hier bei? Andreas Roch, der neu ist?

Letzte Saison war es schwieriger. Da haben Jascha Keller, Dennis Köse und Mario Kranich sich um uns gekümmert. Jetzt aktuell ist es glücklicherweise auch Andi Roch geworden. Ich kenne ihn noch aus Bochumer und VfB-Zeiten. Das ist in der Position das Beste, was uns passieren konnte. Dadurch, dass man sich gut kennt, sind gewisse Feedbacks da.

Sie haben viele Stärken - sehen Sie bei sich trotzdem auch Verbesserungspotenzial?

Das ist eine schwierige Sache. Ich bin schwach da drin, sich selbst zu beurteilen. Ich bin aber auch keiner der sagt, dass er keine Schwächen hat. Es ist schwierig, man versucht im Training daran zu arbeiten. Zum Beispiel, wenn man bei einem hohen Ball zu lange zögert. Ich versuche einfach durchzuziehen und vertraue meiner eigenen Stärke.

Sie haben Andreas Roch angesprochen. Wer ist denn für Sie in Ihrer Laufbahn ein Mentor geworden? Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Im Seniorenbereich ist es auf jeden Fall Andi Roch, was die Torwartposition angeht. Von ihm habe ich viel gelernt. Ich bin auch stolz darauf, ihn an meiner Seite zu haben. Er pusht und da kommt auch nicht nur positives Feedback. Da wird auch mal auf den Putz gehauen, das hilft ungemein. Dank ihm hat es im Seniorenbereich beim VfB auch so gut angefangen.

Mit Blick auf den Profibereich: Wer ist ein Vorbild für Sie?

Schwierig. Ich finde momentan das, abgesehen davon, dass ich Dortmund-Fan bin, was Roman Bürki leistet, ist extrem stark. Er ist fußballerisch gut und auch auf der Linie. International ist ter Stegen auch ein Name, der allgemein präsent ist.

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