Jeffrey Malcherek im Interview: „Ich habe immer ein Auge auf den Lüner SV“

dzWestfalia Rhynern

Seit Sommer kickt Jeffrey Malcherek in der Oberliga für Westfalia Rhynern. Dort hat sich der Verteidiger gut eingelebt. Wir haben den 23-jährigen Ex-LSVer interviewt.

Lünen

, 13.11.2019, 16:11 Uhr / Lesedauer: 4 min

Jeffrey Malcherek ist angekommen. Hat der 23-jährige Verteidiger in der vergangenen Saison noch beim Lüner SV in der Westfalenliga seine Schuhe geschnürt, kickt er mittlerweile Westfalia Rhynern in der Oberliga - und das mit Erfolg. Wir haben mit dem Innenverteidiger über seine neue Rolle, über Zukunftspläne und über seinen Ex-Klub - den Lüner SV - gesprochen.


Herr Malcherek, im Sommer sind Sie vom Lüner SV in die Oberliga zu Westfalia Rhynern gewechselt und schnuppern wieder Oberliga-Luft. Wie haben Sie sich in Rhynern eingelebt?

Ich hatte bei der Eingewöhnung gar keine Probleme. Der Verein ist sehr familiär gestrickt und es war leicht für alle Neuzugänge, sich zu integrieren. Dafür, dass ich sofort spiele, habe ich natürlich alles gegeben. Der Trainer hat das dann belohnt. Ein bisschen Glück kam dann aber auch dazu. Vor dem ersten Meisterschaftsspiel habe ich im Pokal eine Gelb-Rote Karte bekommen, da dachte ich erst einmal, dass ich ein paar Wochen auf der Bank sitzen kann. Aber wie das im Fußball so ist: Das Leid des Einen freut den anderen. Da hat sich Innenverteidiger Tim Neumann aus meiner Truppe leider verletzt, das war im Gegenzug mein Glück. Da konnte ich im zweiten Meisterschaftsspiel direkt in die Startelf nachrücken. Ich habe aber auch nie daran gezweifelt und bin sehr selbstbewusst daran gegangen.

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Mit Yasin Acar und Talha Temur sind ebenfalls zwei Ex-Lüner nach Rhynern gewechselt. Wie wichtig waren diese Wechsel auch für Sie persönlich?

Vom Verlauf her war es so, dass Yasin und ich schon früh vom Klub angesprochen wurden und uns sehr früh damit auseinandergesetzt haben. Uns war es echt wichtig, dass wir das zusammen machen. Dass Talha dann noch dazu kam, hat mich sehr gefreut. Von der Vorbereitung war es sehr gut. Es hat mir auch den Start erleichtert.

Sie spielen nun eine Liga höher als in der vergangenen Saison, sind dennoch unangefochtener Stammspieler. Worin liegen für Sie denn die Unterschiede zwischen der Westfalenliga und der Oberliga?

In der Oberliga gibt es insgesamt ein anderes Grundniveau. Die Spieler haben andere Erfahrungswerte. Spieler, die mit 33 in der Westfalenliga kicken, haben vorher mehr in der Ober- oder Regionalliga gespielt. Spieler, die mit 33, 34 ihre Karriere in der Oberliga ausklingen lassen, haben dafür in der zweiten oder dritten Liga gekickt. Ich finde auch, dass der größte Unterschied die Stadien sind.

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Erklären Sie mal...

In der Westfalenliga findet man noch oft normale Sportplätze vor. In der Oberliga sieht das anders aus, wenn ich da an Stadien von den Sportfreunden Siegen, von Wiedenbrück, RW Ahlen oder vom FC Gütersloh denke. Das sind schon schöne Spiele, die man dann spielt. Außerdem muss man sich in dieser Liga vor jeder Mannschaft in Acht nehmen. Jede Mannschaft ist mit mindestens einem Hochkaräter gespickt, der das Spiel entscheiden kann. Selbst Mannschaften von unten - die Hammer Spielvereinigung - holt einen Punkt in Wiedenbrück, das ist Wahnsinn. Oder Kaan-Marienborn klatscht Meinerzhagen 4:0 weg. Das sind eigentlich Mannschaften, die sich schon brutal abgesetzt haben. Kein Spieltag ist vorhersehbar. Jede Mannschaft hat auch mit einer geringen Punkteausbeute genug Qualität im Kader, um den oberen Mannschaften das Leben schwerzumachen.

Ihre Mannschaft hat gerade einmal zehn Gegentore kassiert - so wenig wie kein anderes Team. Ist das als Innenverteidiger vor allem auch Ihr Verdienst?

Ach, nein. So möchte ich gar nicht anfangen. Wir verteidigen als Mannschaft richtig gut. Die Viererkette im Verbund mit den Sechsern ist schwer zu bezwingen. Wir kloppen uns überall rein. Dass wir die beste Defensive haben, ist für einen Verteidiger das Schönste. Das kannte ich nicht immer von meinen vorherigen Stationen. Da ist man dann auch ein Stück weit stolz.

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Rhynern steht auf Rang vier, spielt eine gute Rolle, liegt allerdings schon neun Punkte hinter einem Aufstiegsplatz. Was ist noch drin für Ihr Team?

Wir gucken von Spiel zu Spiel und wollen - so früh es geht - nichts mehr mit einem möglichen Abstieg zutun haben. Dafür wollen wir uns all die nötigen Punkte krallen. Alles, was nach oben gehen kann, nehmen wir mit. Wir hoffen jetzt auch, dass wir mal auswärts dreifach punkten können. Das ist uns bisher noch nicht gelungen. Das kompensieren wir mit unserer Heimstärke. Was die weiteren Ziele angeht, halte ich mich noch bedeckt. Mit einer Serie kann es schnell nach oben aber auch nach unten gehen. Da muss man immer vorsichtig sein.

Nicht ganz so gut läuft es derzeit für Ihren Ex-Verein - den Lüner SV. Haben Sie noch Kontakte zum Klub und verfolgen Sie die Situation?

Ja, ich habe immer ein Auge auf den Lüner SV. Der Verein hat eine turbulente Phase hinter sich. Ich hoffe, dass sich der Lüner SV mit dem Sieg gegen Sodingen wieder gefasst hat und nun auf das Fußballspielen konzentrieren kann. Es wäre gut, wenn die Lüner jetzt nachlegen und vielleicht mal nach den negativen Spielen jetzt eine positive Serie starten. Ich habe auch noch zu ein paar Leuten im Verein Kontakt und ein paar Freunde gewonnen. Das wird auch nicht abreißen.

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Sie sind gerade mal 23 Jahre alt, Ihre Karriere dürfte noch ein paar Jahre dauern. Welche Ziele haben Sie?

Kurzfristig gesehen möchte ich auf jeden Fall in der Oberliga weiter Stammspieler bei mir im Klub bleiben und ein gestandener Oberligaspieler werden. Da werde ich dann schauen, dass ich meinen Stammplatz weiter behaupten kann. Der Rest ergibt sich mit der Zeit. Ich habe mir da keine großartig hohen Ziele gesteckt. Ich will immer 100 Prozent geben und dann mal schauen, wo die Reise hinführt.

Könnte die Regionalliga für Sie ein Thema werden?

Die Regionalliga ist eine lukrative Liga. Man muss mal schauen, was die Zukunft bringt. In meinem zweiten Seniorenjahr durfte ich ja schon mal ein bisschen hineinschnuppern. Ich habe das aber nicht selbst in der Hand. Ich versuche, weiterhin meine Leistung zu bringen.

Sie haben vor ein paar Jahren die Trainer-B-Lizenz gemacht - wie geht es in dem Bereich für Sie weiter?

Ich habe soweit alles für die Elite-Jugend-Lizenz vorbereitet. Die würde ich im nächsten Jahr gerne machen. Aus der Erfahrung vieler Trainer, die neben dem Berufsleben nicht mehr als die B-Lizenz geschafft haben, versuche ich alles, bevor ich richtig ins Berufsleben einsteige. Ich würde gerne alles abarbeiten, was möglich ist. Der Hauptfokus liegt aktuell aber noch auf der aktiven Laufbahn.

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