In einem intensiven Halden-Derby bezwingt der Fußball-A-Ligist VfB Lünen die SG Gahmen mit 2:1. Es gab Emotionen, Elfmeter, Platzverweise und eine lange Nachspielzeit.

Lünen-Süd, Lünen

, 18.08.2019, 20:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Emotionen, Elfmeter, Platzverweise, zehn Minuten Nachspielzeit – das erste „Halden-Derby“ zwischen dem VfB Lünen und der SG Gahmen hatte am Sonntagnachmittag einige Spannung zu bieten. Am Ende eines packenden und hart geführten Lokalduells gewann Gastgeber VfB Lünen mit 2:1 (1:1). Das waren die sieben Schlüsselmomente der Begegnung auf dem Kunstrasen an der Dammwiese.

1. Die Startaufstellung: Schon die Anfangsformationen der beiden Mannschaften hatten einige Überraschungen parat. Der VfB 08 ging im Vergleich zum schwachen Saisonstart beim SV Preußen (1:1) mit vier Veränderungen in der Startelf ins Derby. Die jungen Leon Broda und Marcel Salmen rückten auf die offensiven Außenbahnen. Dietrich Grass und Oliver Hilkenbach verstärkten die Defensive. Bei den Gahmenern gab es überraschenderweise nur eine Änderung: Tolga Dedeagili spielte statt Muhammed Vurucu von Beginn an. Der eigentlich Verletzte Kadir Koc biss auf die Zähne und startete ebenfalls. Nach 35 Minuten machte er jedoch Platz für Dawid Surmiak.

2. Die VfB-Führung: 23 Minuten sind gespielt, als VfB-Stürmer Tim Gehrmann plötzlich durch ist. Dem Gahmener Abwehrmann Abdullah Ergün bleibt keine andere Möglichkeit, als Foul zu spielen. Den fälligen Strafstoß schießt Gehrmann selbst – souverän zum 1:0 für die Lünen-Süder.

Kontrovers: Ergün war letzter Mann, sein Foul eine Notbremse. Dennoch sah der Gahmener nur Gelb. Möglich macht das eine Regelung, die dem Schiedsrichter erlaubt, von einer Mehrfachbestrafung abzusehen. „Eine klare Notbremse, wo es die Rote Karte geben muss“, meint dagegen VfB-Coach Mark Bördeling.

3. Der Ausgleich: An der Strafraumgrenze klärt VfB-Keeper Lucas Koch einen Angriff, spielt dabei aber den Ball außerhalb des Sechszehners mit der Hand und sieht die Gelbe Karte. Nach dem folgenden Freistoß kommt Kadir Koc zum Kopfball, den Furkan Kiymaz zum 1:1 ins Netz schießt (28.). Nur vier Minuten hielt die Führung der Gastgeber.

4. Der Elfmeterkiller: Tormann Koch klärt in letzter Instanz gegen Furkan Kiymaz mit einem Foul. Wieder zeigt der Unparteiische auf den Punkt, diesmal für die SG Gahmen. Zusätzlich gibt es nun aber auch einen Platzverweis. Koch darf nach seiner zweiten Gelben Karte nicht weiterspielen. Nun schlägt die Stunde des Sebastian Vorwick – zuvor schon 90 Minuten für die B-Liga-Zweite im Einsatz. Für Philipp Scheuren kommt der Lünen-Süder aufs Feld und pariert direkt den Elfer von Gahmens Hakan Uzun.

5. Die ungenutzten Chancen: Nach der Pause macht Gahmen das Spiel. Der VfB steht in Unterzahl gut und bleibt gefährlich. Eine Doppelchance der Süder – Marcel Salmen trifft den Pfosten und Gehrmann schießt freistehend aus kurzer Distanz vorbei (60.) – wird zum Hallo-Wach-Moment für die SG Gahmen. Die blau-gelbe Offensive macht nun Druck, produziert Chancen am Fließband. Hakan Uzun, Furkan Kiymaz, Halil Elitok und Co scheitern jedoch immer wieder aufs Neue. Gahmens Trainer Semistan Tikici gibt zu: „Uns fehlt wirklich ein Stürmer, der die Dinger da vorne wegmacht. Sechs oder sieben Stück – nur einen hätten wir machen müssen und der VfB wäre fertig gewesen.“

6. Der Siegtreffer: Matti Bartsch schickt Tim Gehrmann. Der setzt sich im Strafraum gegen Burak Tikici durch und netzt zum 2:1 ein. Plötzlich ist ein Sieg der unter Druck stehenden VfBer zum Greifen nah.

Kurz zuvor hatte Bördeling seine Spieler immer wieder angepeitscht: „Kommt Jungs, wir wissen, dass es schwer wird“, rief er. An den Sieg glaubte er trotz Unterzahl fest, wie der Trainer nach Abpfiff verriet: „Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir uns taktisch vernünftig anstellen, in unserem System bleiben und so weiter, dann gewinnen wir das Spiel. Das hat die Truppe super umgesetzt.“

7. Die Nachspielzeit: Herzschlagfinale an der Dammwiese – Aufopferungsvoll kämpfende Lünen-Süder verteidigen mit aller Macht die Führung. Der Gahmener Offensive fehlt es weiter an Präzision. Mehr als zehn Minuten lässt der Unparteiische nachspielen. Der Unmut bei VfB-Verantwortlichen und Anhängern wird stetig größer, bis der Abpfiff die Lünen-Süder schließlich zum Derbysieger krönt.

Unterbrechungen gab es zwar einige. Doch waren die zehn Minuten gerechtfertigt? „Ich weiß ehrlich nicht, was sich der Schiedsrichter dabei gedacht hat. Es gab aber einige seltsame Entscheidungen auf beiden Seiten“, so Gahmens Trainer Tikici.

Auch Bördeling war nicht so gut auf den Schiedsrichter zu sprechen und fand deutliche Worte: „Wir haben heute nicht nur gegen elf Mann gespielt. Es gab viele klare Abseitspositionen und mehr. Die Nachspielzeit war dann der absolute Höhepunkt. Die angezeigten sieben Minuten gehen schon gar nicht und dann lässt er sogar mehr als zehn Minuten nachspielen.“

VfB Lünen: Koch – Grass, Broda (64. Eisenbach), Gehrmann, Bartsch, Serges, Scheuren (42. Scheuren), Hilkenbach (72. Weis), Kowalski, Seifert, Salmen (87. Wagner)

SG Gahmen: Ekici – Ergün, Tikici, Cirak (83. Cakir), Özkan, R. Kiymaz, F. Kiymaz, Dedeagili (46. Elitok, Karaduman (67. Vurucu), Uzun, Koc (35. Surmiak)

Tore: 1:0 Gehrmann (24./Foulelfmeter), 1:1 F. Kiymaz (28.), 2:1 Gehrmann (75.)

Gelb-Rote Karte: Gegen Koch (VfB) wegen Foulspiels (42.), Gegen F. Kiymaz (SGG) wegen Meckerns (90.+4)

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