Fußball: Drei Süder im Trikot des BVB 09

LÜNEN Vor 50 Jahren standen Rolf "Rölle" Thiemann (69) und Horst "Mete" Steinkuhl (68) zusammen auf dem Platz. Immerhin wurden sie 1958 Vize-Industriemeister - 1:2 vor 18000 Zuschauern in der ehemaligen Glückauf-Kampfbahn gegen den Schalker Nachwuchs.

von Von Wolfgang Tautz

, 21.07.2008, 10:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Talentsucher Max Merkel bemerkte schnell, dass diese Akteure für den Neuaufbau bei Borussia Dortmund passen würden. Nachdem Friedhelm "Stina" Konietzka als erster den Sprung in die damalige Oberliga West wagte, folgten kurze Zeit später auch Thiemann und Steinkuhl an den Borsigplatz.

Plötzlich im Kreis ihrer Jugendzeit-Idole Kelbassa, Kwiatkowski, Michalek, Bracht, Peters, Burgsmüller, Schlebrowski und Niepiklo war es gar nicht einfach für die Lüner, sich zurecht zu finden. Sollen oder müssen wir sie "siezen" oder "duzen", war eine der ersten Fragen."Zuckerbrot und Peitsche" Doch der von beiden jungen Kickern gelobte Merkel, der als erster Coach den Begriff "Zuckerbrot und Peitsche" prägte, fand für alle Probleme schnell eine Lösung. "Wir sind Sportler, da sagt man "du" zu einander. Für die "alten Kämpen" und die "Neuen" gab es natürlich getrennte Umkleideanlagen, das monatliche Grundgehalt betrug 160 DM bei wenigstens zwei Spielen in der ersten Mannschaft, maximal 400 DM. Man mag es kaum glauben bei Zuschauerzahlen von 45000 in der "Roten Erde".

Sportlicher Höhepunkt war das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1961 in Hannover. Nach dem sensationellen 7:3-Erfolg gegen den Hamburger SV war der BVB der große Favorit gegen den 1. FC Nürnberg vor 50000 Zuschauern, man verlor jedoch überraschend klar 0:3 durch Tore von Strehl (2) und Morlock. 15000 Dortmunder Schlachtenbummler Einen berechtigten Treffer von Jürgen "Charly" Schütz zum 1:0 versagte der Hamburger Schiedsrichter Mahlmann den Borussen unverständlich. 15000 Dortmunder Schlachtenbummler, unter ihnen auch der Chronist, machten sich enttäuscht auf die Heimreise. Thiemann ist noch heute stolz, dass er bei allen Gruppenspielen um die DM dabei war. Im Endspiel saß Steinkuhl zusammen mit Torhüter Bernhard Wessel auf der Bank. Damals gab es die Einwechsel-Regelung noch nicht.

Steinkuhl erinnert sich noch an einen Kontakt mit dem Weltstar Ferenc Puskas, der ihm nach dem Turnierendspiel gegen Real Madrid (0:2) ein hohes Maß an Lob zollte. "Mach weiter so, dann wird noch etwas aus Dir!" Bei den Madrilenen standen damals unter anderem Gento, Alfredo di Stefano und Garrincha in der Elf gegen den BVB.Als erster Ausländer "Fußballer des Jahres"

Nach vierjähriger BVB-Zeit wechselte Thiemann 1962 zu GoAhead Deventer und wurde dort als erster Ausländer "Fußballer des Jahres 1963" in Holland. Von 1967 bis 1969 spielte er noch zwei Saisonzeiten beim damaligen Regionalligisten Lüner SV unter Trainer Werner Nagerski.

Abrupt endete 1963 die BVB-Karriere von Steinkuhl, nachdem er dem Ruf Merkels zu München 1860 nicht folgte und Hermann Eppenhoff das Traineramt beim BVB übernommen hatte. Der Allroundspieler, dem namhafte Fußballkenner noch eine große Karriere prophezeit hatten, wollte sich nur noch seiner beruflichen Ausbildung als Steigerschüler im Bergbau widmen und kehrte zu seinem Stammverein VfB 08 Lünen zurück. Hier war er noch bis 1970 aktiv.

 

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