Der gebürtige Werner und Ex-Lüner Felix Backszat wechselte vor der Saison von Viktoria Köln zum SV Rödinghausen. Vierte statt dritte Liga. Backszat hatte in Köln etwas Wichtiges gefehlt.

von Nico Ebmeier

Lünen, Rödinghausen

, 25.09.2019, 14:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

So wirklich gewollt war sein Wechsel von Viktoria Köln zum SV Rödinghausen nicht. „Man muss leider sagen, dass ich gegangen wurde“, erinnert sich Felix Backszat. Mit der Viktoria war der gebürtige Werner im Vorjahr in die Dritte Liga aufgestiegen. 29 Einsätze verzeichnete der 30-Jährige in der Aufstiegssaison. Insgesamt kam er in drei Jahren auf genau 90 Partien bei den Kölnern. „Ich hatte fest mit der Dritten Liga geplant“, erinnert er sich. „Aber dann gab es einen Trainerwechsel und viele Neuzugänge und plötzlich war kein Platz mehr für mich da.“

Anstatt eines entspannten Urlaubs als Drittliga-Spieler suchte der Achter, der von 2008 bis 2010 beim BV Brambauer spielte, einen neuen Arbeitgeber. „Mein Abgang war dann ganz schnell in den Medien und im Urlaub klingelte mein Handy viel. Das freut dich natürlich auch, aber die Freude war dennoch getrübt, entspannen war da erstmal nicht angesagt“, so Backszat. Unter anderem meldete sich in Person von Trainer Enrico Maaßen der SV Rödinghausen, ein Dorfclub in Ostwestfalen, im Kreis Herford, aus einem nicht mal 2500-Seelen-Ort. „Das war im Vorfeld auch nicht unbedingt mein erster Gedanke“, gibt der 30-Jährige zu.

Die Wertschätzung hat gefehlt

Dennoch gab er dem Team um Maaßen eine Chance und wurde schnell überzeugt: „Enrico Maaßen hat mir das gegeben, was mir in Köln gefehlt hat. Angemessene Wertschätzung.“ Und damit Backszat den Kölner Großstadtflair nicht ganz entsagen musste, zog er in die nächstgrößere Stadt, nach Osnabrück. „Es ist zwar nicht Köln, aber es ist okay“, sagt er lachend.

Generell scheint die niedersächsische Stadt mit 160.000 Einwohnern ein gern gesehener Wohnort beim SVR zu sein. „Ich glaube, dass circa ein Drittel der Mannschaft dort wohnt. Es gibt mindestens zwei Fahrgemeinschaften nach Rödinghausen“, sagt der Mittelfeldspieler, der sich die Fahrt jeweils mit Kapitän Daniel Flottmann, Torwart Niclas Heimann und Flügelflitzer Omar Haktab Traoré teilt. Eine Sache ist allerdings dann doch schöner als bei Viktoria Köln: „Definitiv das Stadion. Die Gänge und die Kabinen sind noch sehr neu und machen schon was her.“

Sportlich läuft es für Felix Backszat und den Dorfclub fast perfekt. Neun Spiele, sieben Siege, nur eine Niederlage bedeuten die Tabellenführung vor dem ehemaligen Bundesligisten Rot-Weiß Essen, der ein Spiel weniger auf dem Konto hat und immer wieder am SVR vorbeizieht. „Wir haben eine richtig starke Mannschaft, in allen Teilen“, lobt der Strippenzieher im Mittelfeld. Und in dieser starken Mannschaft ist Backszat seit Saisonbeginn ein fester Bestandteil.

In allen neun Saisonpartien startete er, nur einmal wechselte sein Trainer ihn zwölf Minuten vor dem Ende aus. Einen Treffer konnte er sogar schon dem Rödinghauser Torekonto hinzufügen. „Wir gehen in jedes Spiel mit einem guten Plan, zeigen viel Engagement und haben im Moment auch ein bisschen das Spielglück auf unserer Seite“, weiß der drittälteste Spieler im SVR-Kader. „Der Trainer, Enrico Maaßen, bringt uns sehr viel bei. Egal, welche Herausforderung uns in einem Spiel erwartet, er tüftelt etwas aus und es funktioniert“, so der gebürtige Werner.

Ex-Lüner Felix Backszat: Ein Großstadtkind sorgt auf dem Dorf für Furore

Es läuft für Felix Backszat und den SV Rödinghausen in der Regionalliga West. © Nico Ebmeier

Nur in zwei Spielen gewann der Regionalliga-Tabellenführer nicht mit zwei Toren Unterschied. Einmal beim 1:1-Remis gegen Verfolger Essen und dann bei der schmerzhaften 2:3-Pleite bei Alemannia Aachen. Für den Fall eines Aufstiegs gibt es bloß nur noch diese eine Frage: Wie sieht das aus mit der Drittliga-Lizenz? Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr stand Rödinghausen um die Jahreswende ebenfalls aussichtsreich auf Platz drei der Regionalliga. Damals allerdings mit neun Punkten Rückstand auf Felix Backszat und Viktoria Köln. Deshalb entschied sich die Geschäftsführung, keine Lizenz für die höhere Liga zu beantragen. Beinahe hätte sich die Entscheidung sogar noch gerächt. Der SVR gewann von Februar bis April fast jedes Spiel, schlug sogar Spitzenreiter Köln und war zwischenzeitlich auf drei Punkte an der Viktoria dran. Am Ende stieg dennoch Köln auf, der SVR wurde Dritter.

Sollte es in diesem Jahr wieder so gut laufen, hat Felix Backszat eine klare Einstellung: „Ich glaube nicht, dass man die Lizenz nicht beantragen würde. Es gab im letzten Jahr schon einen Dämpfer, als der Mannschaft diese Nachricht übermittelt worden ist und ich glaube nicht, dass das noch mal der Fall sein wird.“

Mit Werne nicht mehr viel am Hut

Eine offizielle Stellungnahme des Vereins gibt es noch nicht, lediglich, dass Gespräche laufen würden, gibt der SVR preis. Das wohl größte Problem: Aktuell hat das Häcker-Wiehen-Stadion Platz für 2.800 Fans. In der 3. Liga muss ein Stadion mindestens für 10.000 Anhänger Platz haben. Mit seiner Heimat in Werne hat das Neu-Dorfkind nicht mehr viel am Hut. „Ich bin eben dort geboren. Viel mehr auch nicht. Da habe ich in Lünen noch mehr Kontakte“, sagt Felix Backszat.

Abgesehen davon, dass er zwei Jahre in Brambauer kickte, wohnte er auch in seiner Zeit bei der Hammer SpVg und bei Rot-Weiß Ahlen noch in Lünen. Wirklich verfolgen tut er den Fußball dort allerdings nicht: „Lokalsport interessiert mich ehrlich gesagt, mit wenigen Ausnahmen, kaum. Generell gucke ich neben meinen Trainingseinheiten und Spielen wenig Fußball. Ab und zu die Sportschau. Das war es dann aber auch.“

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Dennoch könnte das Wiedersehen zwischen Backszat und seiner Heimat schneller kommen als gedacht. Sowohl der SV Herbern (gegen die SpVg Steinhagen) als auch Rödinghausen (gegen TuS Haltern) stehen im Achtelfinale des Westfalenpokals. Sollten beide Mannschaften ihre Partien für sich entscheiden, würde der SVR in der nächsten Runde in Herbern zu Gast sein. „Das wäre natürlich schon lustig“, sagt Backszat. „Ich glaube, das letzte Mal habe ich in der D-Jugend in Herbern gespielt.“

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