Coronavirus: Saison im Amateurfußball wackelt - was machen andere europäische Länder?

dzFußball

Die Diskussion über die Fortsetzung des Spielbetriebs ist angesichts der steigenden Corona-Infektionen entbrannt. Doch wie reagieren andere europäische Länder auf teils noch viel höheren Fallzahlen?

Lünen

, 22.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der so oft zitierte 7-Tage-Inzidenzwert je 100.000 Einwohnern klettert im Herbst scheinbar ungebremst von Höchstwert zu Höchstwert. Doch im europäischen Vergleich steht Deutschland noch immer gut da. Wie handhaben andere Staaten das Thema Amateursport vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen?

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Bundesweit liegt der beschriebene Inzidenzwert nach Angaben der zuständigen EU-Behörde bei 55,6 (Stand aller Daten: 22.10.2020). In vielen europäischen Staaten liegt dieser Wert inzwischen im dreistelligen Bereich.

Das gilt auch für die deutschsprachigen Nachbarländer Deutschlands. In Österreich liegt der Inzidenzwert aktuell bei 120,2. Der Spielbetrieb in den österreichischen Amateur-Fußballligen läuft dennoch weiter.

Österreich mit vielen Parallelen zum FLVW

Dabei spielen die Amateur-Kicker teilweise sogar vor hohen dreistelligen Zuschauerzahlen - selbst in Ballungsräumen wie Wien, wo erst am Mittwoch 654 Menschen eine Partie in der Wiener Stadtliga verfolgten.

Die Saison in Österreich verläuft größtenteils analog zur Spielzeit im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. Seit Anfang September läuft der Liga-Betrieb in der Regel wieder, sieben bis neun Spieltage sind seitdem je nach Staffel absolviert worden. Spielabsagen scheinen eher eine Seltenheit.

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Ganz ähnlich scheint die Lage in der Schweiz - trotz eines Inzidenzwertes von 239,2. Erst am Montag gab der Schweizerische Fußballverband ein aktualisiertes Musterschutzkonzept heraus.

Um den Trainings- und Spielbetrieb aufrechterhalten zu können, gilt nun eine Maskenpflicht auch in den Umkleiden. Darüber hinaus sind grundsätzlich bis zu 1000 Zuschauer auf den Plätzen erlaubt.

Bildung von 100er-Sektoren in der Schweiz

Seit dieser Woche müssen aber sogenannte 100er-Sektoren gebildet werden, sobald die Zuschauerzahl 100 Menschen übersteigt. Mithilfe solcher Sektoren soll die Anzahl der Leute, die im Falle einer Infektion kontaktiert werden müssten, auf höchstens 100 begrenzt werden.

Damit setzen die schweizerischen Fußballer neue landesweite Maßnahmen des Bundesrates um. Bislang haben sie ebenfalls in der Regel sieben bis neun Ligaspiele absolviert.

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Besonders populär unter den europäischen Amateurligen sind in Deutschland wohl die sogenannten „Sunday Leagues“ aus dem Vereinigten Königreich (191,5). Regelmäßig machen unterhaltsame Videos aus diesen untersten Ligen die Runde, auf denen Kreisligalegenden zu sehen sind, wie man wohl in Deutschland sagen würde.

Von einem generellen Spielverbot oder ähnlichem scheint auch hier nicht die Rede. Stattdessen wird wie überall auf die gängigen, auch in Deutschland längst bekannten Hygieneregeln hingewiesen: Maske tragen, Hände desinfizieren, aus der eigenen Flasche trinken, keine Handschläge.

Anders gestaltet sich die Lage in Frankreich. Mit einem Inzidenzwert von 260 ist die Corona-Situation beim deutschen Nachbarn noch einmal angespannter. Erst am Dienstag sorgten die Fans von Stade Rennes für Irritationen.

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Größere Teile der 5000 Zuschauer, die das Champions-League-Spiel gegen FK Krasnodar verfolgten, missachteten Abstände und Maskenpflicht. Es entstand der Eindruck eines beinahe normalen Stehplatzbereichs.

Für befremdliche Bilder zu Corona-Zeiten sorgten am Dienstagabend die Anhänger von Stade Rennes.

Für befremdliche Bilder zu Corona-Zeiten sorgten am Dienstagabend die Anhänger von Stade Rennes. © picture alliance/dpa

Deutlich verantwortungsbewusster zeigen sich zumindest Teile der Amateurfußball-Landschaft. Der Bezirk Schelde in der Fédération Française de Football (FFF) - zu vergleichen mit einem Landesverband des DFB - hat sich am Donnerstag als erster „District“ dazu entschieden, alle Wettbewerbe und Trainingseinheiten auszusetzen.

Niederlande pausiert schon komplett

Flächendeckend fällt der Fußball in den Niederlanden (320,8) aus. Schon im Frühjahr wurde die Amateursaison dort sehr schnell für beendet erklärt. Seit dem 14. Oktober ist auch die Spielzeit 2020/2021 wieder komplett unterbrochen - zunächst für vier Wochen, wie es vom Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond (KNVB) heißt.

Damit leistet der KNBV einer Maßnahme des niederländischen Kabinetts Folge. Das Training bleibt mit Mindestabstand in Gruppen von vier Personen erlaubt. Anders ergeht es den Jugendlichen: Sie dürfen weiter trainieren und sogar vereinsinterne Trainingsspiele bestreiten.

In den Niederlanden finden an jedem Wochenende rund 30.000 Amateur-Fußballspiele statt, teilt der KNBV auf seiner Homepage mit. 80 Prozent seien davon bislang ausgetragen worden.

„Mit 1,2 Millionen KNVB-Mitgliedern ist eine Reihe von Infektionen leider unvermeidlich“, teilte der Verband über seine Homepage mit, sieht den Fußball aber nicht als Grund für die steigenden Infektionen in der Gesellschaft: „Der Amateurfußball hat sich jedoch eindeutig nicht als besorgniserregend erwiesen, da die meisten Infektionen zu Hause, bei der Arbeit sowie mit Freunden und der Familie auftreten. Mit Ausnahme des Hallenfußballs werden alle Spiele im Freien gespielt.“

Belgien behandelt die Situation gesondert

Im Nachbarland Belgien wird die Situation von Woche zu Woche bewertet. Dort wurde beispielsweise für das kommende Wochenende (24./25. Oktober) entschieden, dass Spiele nur im Jugendbereich von der U6 bis zur U17 stattfinden. In den Altersklassen darüber wird im Amateurbereich nicht gespielt. Freundschaftsspiele können die Vereine dort auf Anfrage beim Verband abklären. Sollte eine Jugendmannschaft zu ihrem Meisterschaftsspiel nicht antreten wollen - wegen des Coronavirus - kann dieses verlegt werden.

Nächste Woche Mittwoch (28. Oktober) soll eine Vorstandssitzung des Belgischen Fußballverbands Aufschluss darüber bringen, wie es grundsätzlich im Amateurfußball dort weitergeht.

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