Corona-Krise: SV Lünen ist „als kleiner Verein in einer anderen Situation“

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Die Wasserballer des SV Lünen 08 sind als Zweitligist die klassenhöchste Sportmannschaft der Lippestadt. Doch aufgrund des Coronavirus ruht auch hier der Sport. Wie geht es weiter?

Lünen

, 27.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist die Saison in der 2. Bundesliga für die Wasserballer des SV Lünen 08 beendet. Wie und wann es weitergehen kann, ist für Verein und Sportler trotz der aktuellen Debatte um die Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens völlig unklar. Doch wie kann es in Zeiten von Corona weitergehen für den klassenhöchsten Sportverein der Lippestadt?

Die aktuelle Situation sei natürlich extrem außergewöhnlich, erklärt der Vereinsvorsitzende Franz-Josef Richter. „Weil unser Metier im Wasser ist und nicht auf oder neben dem Wasser. Der Kern unseres Sportvereins, ob Schwimmen oder Wasserball, findet im Wasser statt - das ist gänzlich auf Null“, sagt Richter. Und auch die Perspektiven auf eine baldige Normalisierung seien „extrem bescheiden“.

Franz-Josef Richter (M.), Vorsitzender des SV Lünen 08

Franz-Josef Richter (M.), Vorsitzender des SV Lünen 08 © Goldstein

„Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine Freibad-Saison haben werden“, meint er. Und wann die Hallenbädern wieder öffnen können, ist ohnehin nicht absehbar.

Wasserball-Derbys des SV Lünen gegen Iserlohn und Hamm entfallen

Immerhin ist durch die Saisonabbruch-Regelung sicher, dass der SV Lünen auch in der nächsten Saison wieder in der 2. Bundesliga antreten kann. Lieber hätte der Verein das aber sportlich geregelt. „Das ist bedauerlich, wir waren auf einem guten Weg. Die Mannschaft hatte sich gefangen und gute Leistungen gezeigt“, berichtet Richter, der sich auf die Rückspiel-Derbys gegen Hamm und Iserlohn gefreut hatte.

„Ein weiteres Jahr 2. Liga, das ist natürlich schön, aber ich hatte mir das doch deutlich anders vorgestellt, und unsere Jungs erst recht“, sagt der 63-Jährige. Auch für die Trainer des Vereins um den Coach der ersten Mannschaft, Olaf Bispinghoff, ist die Lage alles andere als angenehm. Die Zahlungen an Trainer und Übungsleiter hatte der Verein Mitte März eingestellt.

„Auch wenn die sich nur etwas dazu verdienen, das sind hochqualifizierte Leute, das ist mir wichtig“, erklärt Franz-Josef Richter. „Nicht nur beim Wasserball, auch beim Schwimmen gibt es viele, die sich da ein zusätzliches Taschengeld dazuverdienen.“

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Das hätte der Vorsitzende sich anders gewünscht, aber: „Es ist eine Situation wie in allen anderen Bereichen auch. Am Ende muss man sagen, der Sport, insbesondere der Amateursport, ist die schönste Nebensache der Welt“, so Richter. Um den Fortbestand des Vereins aufgrund finanzieller Engpässe müssen sich die Lüner nicht sorgen. „Wir sind, obwohl wir hier ligahöchster Verein in der 2. Liga sind, komplett im Amateurbereich. Bei uns gibt es kein Geld für die Spieler, weder für das Training noch für Punkte, von daher hat das da keine Auswirkungen bei uns. Das unterscheidet uns von den sogenannten Amateurfußballern, wo auch schon mal ein paar Euro über den Tisch gehen.“ Lediglich die Trainer werden für gewöhnlich entlohnt.

Vor- und Nachteile unterschiedlicher finanzieller Möglichkeiten

Neidisch ist er ob der finanziellen Möglichkeiten im Fußball aber nicht. „Das ist so, in einer sogenannten Randsportart sieht die Welt halt anderes aus, das kenne ich seit 50 Jahren“, erklärt Richter, der 1964 zum SV Lünen stieß und sich dort schnell den Wasserballern anschloss. „Aber deshalb tut es an dieser Stelle nicht so weh im Vergleich mit Profi-Sportlern oder Fußballern. Da ist man als kleiner Verein in einer anderen Situation.“

Auch wenn schon absehbar ist, dass die Lüner in näherer Zukunft nicht wieder ins Wasser können - eine Hoffnung hat Richter auf baldigen Sport, angepasst an die aktuellen Bedingungen der Corona-Pandemie.

„Dass wir zumindest im Vereinsheim unsere Angebote mit Einschränkungen nutzen können“, hofft der Vorsitzende des SV Lünen, der mit dem SC Cannstatt bei der Masters WM 2014 in Montreal die Bronzemedaille gewann. „Wir haben einen vollausgestatteten Fitnessraum, vielleicht kann man da ja bald in Kleingruppen wieder rein, und auch Cycling-Räder, die könnten wir in den Garten oder auf die Terrasse stellen mit drei, vier Metern Abstand.“

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