Corona: Droht den Amateurvereinen der Finanzkollaps? Der BV Lünen gewährt einen tiefen Einblick

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Das Coronavirus wirkt sich nicht nur auf den Spielbetrieb der Lüner Sportler aus, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit der Vereine. Dem BV Lünen könnte in einem Szenario der Kollaps drohen.

Lünen

, 22.03.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Coronavirus wütet weiter ungebrochen durch die Bundesrepublik. Die Sportwelt steht still, Trainings- und Spielbetrieb ruhen auch für die Sportler aus der Lippestadt. Doch nicht nur sportlich schauen die Lüner Vereine derzeit in die Röhre. Die Trainings- und Spielpause, die mindestens bis zum 19. April andauern wird, hat auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Vereine. Der Eintritt fällt momentan weg, zudem fehlen aktuell Gelder aus dem Verkauf von Speisen und Getränken. Ein Zustand, der Vereine in ihrer Existenz nachwirkend bedrohen könnte. Der BV Lünen schlägt Alarm.

Florian Dellbrügge, Geschäftsführer beim BV Lünen, macht sich momentan Sorgen. Wegen des Coronavirus, aber vor allem auch wegen der Auswirkungen der Pandemie auf die Lüner Sportvereine. Er fürchtet um die Existenz der Klubs. Auch der BV05 sei in einem entsprechenden Szenario bedroht.

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„Wirtschaftlich ist es momentan echt schwierig“, sagt Dellbrügge. Beim Geschäftsführer der Geister schrillten bereits die Alarmglocken, als der Kreis Dortmund Mitte März zunächst verkündete, dass die Amateurfußballspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen. Der BV05 verfasste eine Mitteilung an den Kreis Dortmund, bat darum, den Spielbetrieb vorerst komplett einzustellen.

BV05-Geschäftsführer Florian Dellbrügge schlägt Alarm.

BV05-Geschäftsführer Florian Dellbrügge schlägt Alarm. © Foto: Goldstein

Dellbrügge verwies darauf, dass der Verein auch bei „Geisterspielen“ die Schiedsrichter bezahlen muss. Für die drei Herren-Seniorenteams sowie das Damenteam seien dann pro Heimspieltag rund vier Mal 30 bis 45 Euro fällig. „Die Gelder aus unserem Eintritt haben wir immer für die Schiedsrichter benutzt“, sagt Dellbrügge.

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Wenig später stellte der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) den Spielbetrieb ein - bis zum 19. April. Mindestens. Den Geistern fehlen damit - so oder so - notwendige Einnahmen aus dem Eintritt und dem Verkauf von Speisen und Getränken. „Da gehen dir ein paar hundert Euro flöten“, rechnet Dellbrügge vor. Geld, dass der Verein auch benötigt, um laufende Kosten zu bezahlen.

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Dazu zählen monatliche Abschläge wie Zahlungen an die Stadtwerke oder Versicherungen. Hinzu kommen die Trainergehälter. Jeder Trainer der BV05-Senioren bekomme eine kleine Aufwandsentschädigung, die gestaffelt laufe. So kassiert der Trainer der ersten Mannschaft mehr als jener der dritten Mannschaft.

Dellbrügge sucht Gespräch

Der Geschäftsführer hat mit seinen Trainern kürzlich das Gespräch gesucht. Zur Erleichterung Dellbrügges erklärten sich alle Trainer bereit, auf das Gehalt momentan zu verzichten. „Das ist ein ganzer Batzen Geld. Wenn die Trainer nicht verzichtet hätten, wäre es sehr früh, sehr dunkel in der Geist geworden“, sagt Dellbrügge. Zudem habe eine 450-Euro-Kraft, die der Verein beschäftigt, sich ebenfalls bereiterklärt, vorerst auf das Gehalt zu verzichten.

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Erst vor wenigen Tagen habe sich der Geschäftsführer mit einigen Vereinsmitgliedern zusammengesetzt und gerechnet. Der BV05 verfüge über zwei Konten - eins für die Senioren und eins für die Junioren. „Wir haben keine Millionen auf den Konten liegen, haben auch keine Rücklagen für ein ganzes Jahr“, sagt Dellbrügge, der davon ausgeht, dass am 19. April noch kein Spielbetrieb stattfindet.

Vielmehr rechnet er damit, dass es eine Zwangspause bis tief in den Mai gibt. Damit würden weiterhin Einnahmen vorläufig wegbrechen.

Ein Zustand, der in der Geist nicht lange andauern dürfe, will der Verein unbeschadet daraus kommen.

„Wenn nicht Unerwartetes kommt, dann kommen wir bis zum Juni oder Juli. Danach ist das Geld auf dem Konto weg. Wir sind also komplett auf den Spielbetrieb angewiesen. Wir finanzieren uns über Heimspieleinnahmen. Für unsere Verhältnisse sind die Spiele auch immer gut besucht“, so Dellbrügge, der darauf verweist, dass es beim BV Lünen keinen Sponsor gebe, der laufend etwas zahle. Ebenso gebe es keine Fanartikel. „Wir haben keinen Investor und keine Privatleute, die zahlen. Das wollen wir auch nicht“, so Dellbrügge.

Neue Gelder kassiere der Verein am 1. Juli. Dann sind nämlich die Mitgliedsbeiträge fällig. Doch auch hier sieht Dellbrügge Probleme: „Was passiert, wenn wir den Mitgliedern nicht alles bieten können? Die Sportanlagen können die Mitglieder aktuell nicht nutzen, die Duschen ebenso wenig“, macht der Geschäftsführer klar, der noch einmal darauf hinweist, dass eine ausgedehnte Pause existenzbedrohend sei.

Knackige Zeit

„Die Zeit wird knackig. Es könnte wirklich sein, dass es in Lünen demnächst nicht mehr zehn Fußballvereine gibt“, so Dellbrügge, der sich eine Art finanziellen „Notfallschirm“ erhofft, indem der Kreis Dortmund, der FLVW oder sogar die Stadt Lünen in Einzelfällen eine finanzielle Übergangshilfe leisten, damit die Vereine überleben können.

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