Cemil Arman ist mit 43 Jahren nicht zu alt für eine „ganz beschissene“ Situation

dzTuS Niederaden

Cemil Arman entwickelte sich zu einer Stütze während der Aufholjagd des TuS Niederaden - mit 43 Jahren. Jung gefühlt habe er sich trotzdem. Seinen Trainer hat er einst selbst gecoacht.

Niederaden

, 03.06.2019, 14:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hätte ihm vor zehn Jahren jemand gesagt, dass er einmal Cemil Arman trainieren würde, hätte Amel Mesic demjenigen geantwortet: „Das geht ja gar nicht.“ Sonntag musste er dann einsehen, dass es doch ging. „Der Fußball schreibt immer seine eigenen Geschichten“, sagt der Trainer des TuS Niederaden.

Das Besondere an der Konstellation Mesic-Arman: Arman hat Mesic selbst trainiert, als dieser in der B-Jugend bei Teutonia Lanstrop gekickt hatte. Beim A-Ligisten haben die beiden die Rollen getauscht, Verteidiger Arman empfängt die Kommandos von seinem Ex-Schützling Mesic.

Cemil Arman ist mit 43 Jahren nicht zu alt für eine „ganz beschissene“ Situation

Amel Mesic war einst Spieler vom Trainer Cemil Arman. © Timo Janisch

Der Innenverteidiger, der am Relegations-Sonntag seinen 43. Geburtstag feierte, stieß in der Winterpause durch einen großen Zufall zu den Niederadenern. Zur Erinnerung: Der TuS stand damals mit nur vier Zählern aus der Hinrunde schon mit einem Bein in der Kreisliga B.

Genau zu diesem Zeitpunkt traf Arman, der gegenüber der alten Bäckerei Hilgert in Niederaden wohnt, den TuS-Spieler Mark Hilgert. Nach ein bisschen Smalltalk fragte Arman seinen Bekannten, wie es denn derzeit an der Kreisstraße aussehe. Hilgerts Antwort: „Ganz beschissen.“

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Arman wollte sich nun selbst ein Bild machen vom Zustand der TuS-Truppe. Und spätestens, als er erfuhr, dass ein gewisser Amel Mesic dort Trainer ist, war sein Ehrgeiz geweckt. Ende Februar bestritt er gegen Westfalia Wethmar II sein erstes Spiel für Niederaden. „Dann durfte ich nicht mehr weg“, sagt Arman. Er holte sich das Okay von seiner Frau ab, den TuS bis zum Saisonende unterstützen zu dürfen. „Seitdem war er in der Innenverteidigung gesetzt“, sagt Mitspieler Thies Adam.

Cemil Arman war schon vor 20 Jahren beim TuS Niederaden

Arman habe durch seine Erfahrung ganz viel Ruhe reingebracht“, lobt Mesic. Erfahrung, die er unter anderem beim TuS Niederaden gesammelt hatte. Schon vor knapp 20 Jahren trug Arman nämlich das TuS-Dress, als an der Kreisstraße erfolgreicher Bezirksliga-Fußball gespielt wurde. Dafür wechselte Arman einst extra von Landesligist Phoenix Eving nach Niederaden.

Dort endete seine Karriere nun, das Relegationsspiel am Sonntag war das letzte seiner Laufbahn. „Jetzt ist definitiv Schluss“, sagt Arman. Mesic hat ihm nun Angeboten, sein Co-Trainer zu werden - eine Konstellation in der Beziehung Mesic-Arman, die es noch nicht gab. Arman hat allerdings um Bedenkzeit gebeten. Er braucht das erneute O.K. von seiner Frau und seinem kleinen Sohn Amaro.

Die Erfahrung in der unerfahrenen Niederadener Mannschaft möchte Arman nicht missen. „Ich kam mir richtig jung vor, habe Capital Bra in der Kabine gehört“, so Arman. Berührungsängste mit dem Musikgeschmack der Teamkollegen, die größtenteils rund 20 Jahre jünger als er sind, hatte Arman also keine.

Dass er ausgerechnet am Sonntag seinen 43. Geburtstag hatte, verkündete Arman übrigens erst nach dem Spiel. Vorher sollte die Konzentration dem Gegner gelten.

„Mehr der Zerstörer“

Den schlug Niederaden vor allem durch den Willen. „Als wir nach und nach die Spiele gewonnen haben, haben wir an uns geglaubt“, sagt Arman, der die Aufholjagd des TuS durch seine Zusage mit initiierte. Auf dem Platz sei er „mehr der Zerstörer“, so der Innenverteidiger.

Für Arman und den TuS ist die Spielzeit 2018/2019 nun allerdings beendet. Jetzt hoffen sie auf den SVE Heessen, der den benötigten Startplatz in der Kreisliga A Unna-Hamm durch seinen Aufstieg freimachen könnte. „Ich glaube, Hessen wird gewinnen. Die haben eine sehr starke Truppe. Beim Rückspiel werden wir sie unterstützen“, sagt Arman.

Mesic motiviert seine Elf mit einem Trick

Nach dem Rückspiel Heessens hat der TuS eine Grillparty geplant, die natürlich im Garten von Arman-Vermittler Mark Hilgert steigt. „Vielleicht wird das dann ja eine Nichtabstiegsparty“, so Arman.

Dass es der TuS überhaupt soweit geschafft hat, daran hat auch ein Kniff von Trainer Mesic seinen Anteil. Vor dem abschließenden Meisterschaftsspiel gegen GS Cappenberg sagte er seiner Elf, dass er nicht mehr an sie glaube. „Aber ich glaube, dass war ein Trick von ihm“, vermutet Arman. Durch den anschließenden Erfolg und die Niederlage des PSV Bork schaffte es Niederaden noch in die Relegation, die die Mannschaft am Sonntag erfolgreich bestritten.

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