Can Cicek: So unterscheidet sich das Leben in Spanien von dem in Deutschland

dzBW Alstedde

In Granada absolviert Can Cicek derzeit sein Auslandssemester. Der Alstedder Fußballer stellt große Unterschiede zu Deutschland fest: politische, alltägliche - und natürlich sprachliche.

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, 05.06.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nichts außer Fußspuren.“ Dieses vielleicht nicht sehr bekannte Zitat stammt von einem bedeutenden Indianerhäuptling des 19. Jahrhunderts. „Chief Seattle“ spricht dabei über das Reisen. Ein Lüner Fußballer, der aktuell mit inhaltsleeren Reisezitaten um sich werfen könnte, ist Can Cicek. Die angesprochenen Fußspuren hinterlässt er aktuell auf dem Rasen des spanischen Erstliga-Aufsteigers Granda CF (wir berichteten).

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New York, Marokko, die Türkei, Bali, Hongkong sowie weitere Stationen in Asien und jetzt eben Spanien. Can Cicek reist viel und gerne. Als wir ihn für unser Interview erreichen, hält er sich gerade für eine „Strandwoche“, wie er sagt, in Marbella auf. „Die letzten Tage war ich viel unterwegs“, waren seine ersten Worte.

„Familiärer und christlicher“ als Deutschland

Und wer viel reist, lernt mindestens ebenso viele unterschiedliche Kulturen kennen, wie die Anzahl der Länder, die er bereist. Auch abseits des Sportlichen, das bei Cicek stets eine große Rolle spielt - aber nicht die einzige.

Im andalusischen Granada lernte und lernt der 22 Jahre alte Alstedder eine neue Kultur kennen, die er als „viel, viel familiärer und christlicher“ beschreibt, als jene, die er aus Deutschland kennt. Seit Februar lebt Cicek in der 230.000-Einwohner-Stadt.

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Das äußere sich beispielsweise im Wahlverhalten der Spanier bei der jüngsten Europawahl. Nur gut sechs Prozent der Stimmen entfielen dabei auf die rechtspopulistische Partei „Vox“ - weniger als in vielen anderen europäischen Staaten. Auch die Toleranz etwa gegenüber Homosexuellen sei in Andalusien viel größer, so Cicek. „Der Lifestyle ist viel lockerer“, sagt er. So habe er beispielsweise von seinem Fußballverein Granada CF, wo er derzeit mittrainiert, kostenlose Tickets für die Heimspiele in der zweiten Liga erhalten.

Während der Siesta „ist alles tot“

Gewöhnungsbedürftig dagegen sind Dinge, die das alltägliche Leben - gerade für Fremde - unmittelbarer beeinflussen. Supermärkte schließen mittags beispielsweise für drei bis vier Stunden - die bekannte Siesta. „Da ist alles tot“, sagt Cicek.

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Dafür findet das öffentliche Leben auch unter der Woche bis in die späten Abendstunden statt, berichtet Cicek. Das scheint - auch in Anbetracht der heißen Temperaturen - logisch. „Die stehen alle viel später auf“, so Cicek.

Sprachbarriere schnell überwunden

Eine weitere Herausforderung war für den Architekturstudenten die sprachliche Barriere. Zwar hatte Cicek während seiner Schulzeit auf dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium drei Jahre lang Spanisch, davon schafften es aber nur lückenhafte Überreste mit nach Andalusien. „Alles ist auf spanisch. Nach zwei, drei Wochen hat man sich aber reingefunden“, sage ein scheinbar selbst überraschter Cicek.

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