BV Brambauer bewegt sich nach Rassismus-Vorwürfen zwischen Einsicht und Unverständnis

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Der Amateurfußballverein BV Brambauer ist bemüht, sein Bild zu wahren. Zwar räumt der Altherrenvorstand ein Fehlverhalten zweier Spieler ein. Viele Vorwürfe weist der Vorstand aber zurück.

Brambauer

, 10.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Anschuldigungen eines Ex-Spielers waren schwerwiegend. Jahrelang soll ein rassistisches Klima beim BV Brambauer geherrscht haben - so hat es der Ex-Spieler jedenfalls wahrgenommen. Der Altherrenvorstand hat reagiert und einen Hauptunruhestifter vorläufig suspendiert und sich auch klar von der rechten Szene distanziert. Aber die erhobenen Vorwürfe, dass sich im Team rechtes Gedankengut entfaltet habe, seien völlig übertrieben, wehren sich die Mitglieder des Altherrenvorstandes.

Burkhard Trompeter war anzumerken, wie ihn der Eklat in seinem Verein mitnahm. Der 77-Jährige, der im Zweiten Weltkrieg geboren wurde und seinen Vater nie kennenlernte, war sauer: „Der Kerl verherrlicht sinngemäß den Geburtstag mit einem witzigen Ende. Das geht überhaupt nicht. Ich bin entsetzt, dass solche Kommentare in Äußerungen in der Whatsapp-Gruppe vorgekommen sind.“ Aufgrund der eigenen Familiengeschichte „hasse ich sowas“, sagte Trompeter.

Den suspendierten Spieler der Altherrenmannschaft kenne er persönlich nicht, sei aber durch den Altherrenvorstand informiert worden, dass er schon einmal aufgefallen sei. „Solche Dinge gehören nicht in unseren Fußballverein“, stellte Trompeter klar. Dass eine Whatsapp-Gruppe unter den Altherrenspielern existiert habe, sei ihm auch nicht bekannt gewesen.

BV Brambauer: „Wir sind nicht rechts!“

Werner Smuda, Obmann der Altherren, hatte auch eine klare Botschaft: „Wir sind nicht rechts!“ Der BV Brambauer sei ein offener Verein, der Fußballern vieler Nationalitäten eine sportliche Heimat biete. Auch Altherrenvorstand Dariusz Jöres spricht von einem Verein mit vielen Nationalitäten. Er selbst betreue beruflich in der Pflege türkische Mitbürger mit dem gleichen Respekt wie jeden anderen auch.

„Die Tragweite ist uns bewusst“, sagte Smuda. Die rechten und zweideutigen Kommentare als Scherz abzutun, rechtfertige nichts. Und verharmlosen werde man auch nichts, versprach der Obmann. „Die Meinung zu dem Beitrag ist berechtigt. Wir distanzieren uns davon aufs Schärfste. Das ist nicht unsere Überzeugung“, sagte Smuda zum Auslöser der heftigen Kritik.

Viele Jahre schon arbeitet Smuda beim BV Brambauer. Vom Posten des Sportlichen Leiters für die erste Mannschaft hat er sich vor Jahren zurückgezogen. Doch der Verein ist ihm wichtig. Deswegen spricht Smuda auch offen über die Geschehnisse und verspricht Aufklärung.

Doppeldeutiger Geburtstagsgruß war nicht der erste dieser Art

Unstrittig ist, dass es rechte Posts in einer Whatsapp-Gruppe gegeben hat. Der doppeldeutige Geburtstagsgruß am 20. April, dem Geburtsdatum von Adolf Hitler, der das Fass zum Überlaufen brachte, war nicht der erste politisch rechte Beitrag in der Gruppe. „Ich habe das vorher schon moniert. Der Altherrenvorstand hat daraufhin mehrfach geschrieben, dass es zu unterlassen ist. Aber zufrieden waren wir auch danach nicht“, gestand Smuda.

Nach dem 20. April habe sich auch der Altherrenvorstand zum Handeln gezwungen gesehen. Alle „Appelle an den vernünftigen Menschenverstand“, wie Smuda die zurückliegenden Aufforderungen an die betreffenden Personen nannte, seien gescheitert.

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Sieben Mitglieder des Vorstandes seien deswegen an der Tribüne im Brambaueraner Sportpark kurzfristig zu einer Krisensitzung mit ausreichend Corona-Sicherheitsabstand zusammengekommen. Der Vorstand fällte den Beschluss, den Mann zu suspendieren.

Betroffener soll die Möglichkeit bekommen, eine Stellungnahme abzugeben

Zunächst gilt das vorläufig. Denn nach der Corona-Krise soll es eine Anhörung geben. „Nach wie vor sind wir ein Verein. Und wir wollen demjenigen die Möglichkeit geben, Stellung zu beziehen“, erklärt Smuda - und zwar „Face-to-Face“. Smuda bekräftigte, dass der Altherrenvorstand derartige Fälle nicht mehr dulden werde.

Eine glaubwürdige Entschuldigung sei aus seiner Sicht der einzige Weg für den Betroffenen, weiter in der Altherrenmannschaft zu bleiben. Die Ausrede, dass es nur ein Witz gewesen ist, sei unentschuldbar wie auch ein Bekenntnis zu Rechts. „Ich möchte niemandem vorgreifen, gehe persönlich aber davon aus, dass wir ihn nicht mehr in unserer Fußballgemeinschaft haben möchten“, sagte Smuda.

BV Brambauer räumt Aussagen einer zweiten Person ein

David Astor, der mit den Vorfällen in die Öffentlichkeit gegangen ist, zeichnete ein wesentlich drastischeres Bild, das der BV Brambauer so nicht stehen lassen möchte. Smuda gibt zwar zu, dass es eine weitere Person gegeben habe, die sich „nicht an die Spielregeln“ im Internet gehalten habe, sich nach einer Ermahnung aber nichts mehr zu schulden habe kommen lassen.

Eine rechte Gruppierung, die fünf bis sechs Personen umfasse, könne er nicht ausmachen. „Wir möchten nicht, dass die Altherrengruppe so dargestellt wird“, sagt Smuda. „Wenn im Dortmunder Stadion unter 80.000 Zuschauern 200 Bekloppte sind, fällt es leider auch auf alle zurück“, so Smuda.

Anschuldigungen seien völlig übertrieben

Dem schließt sich auch Dariusz Jöres an. Einem rechten Trend beim BVB widerspricht er klar. Einen Dauerzustand mit rechten Tendenzen habe es nicht gegeben. Die Altherren hätten in den vergangenen Jahren unter anderem das Konzentrationslager Ausschwitz besichtigt und sich mit Geschichte auseinandergesetzt. Integration habe es beim BV Brambauer immer gegeben.

Die Vorwürfe von Ex-Spieler David Astor seien „hochübertrieben“. Jöres hätte sich von David Astor eindringliche Hinweise gewünscht, wenn dieser rassistisch motivierte Beobachtungen macht. „Warum hat er mit der Person, mit der er ein Problem hat, nicht direkt gesprochen? Er hätte auch auf mich zugehen können. Er hat dieses Gespräch nicht gesucht. Das ist nicht schön, wie es gelaufen ist.“

Gesamtvorstand tagt - Ausschluss weiter unklar

Am Mittwoch, 6. Mai, tagte auch der Vorstand der BV Brambauer mit Geschäftsführer Rainer Manns und den Vorständen Trompeter und Helmut Stolzenhoff. Letzterer erklärte auch das Ergebnis der einberufenen Konferenz: „Da die Altherren ein Verein im Verein sind, haben wir die Entscheidung über einen Ausschluss an die Alten Herren zurückgegeben.“

Stolzenhoffs persönliche Meinung: „Die Sache ist - entschuldigen Sie den Ausdruck - scheiße. Das ist abscheulich! Für mich ist so jemand nicht tragbar - für keinen Verein, für kein Unternehmen, für niemanden.“

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