Ab nächster Saison können Mannschaften von der Kreisliga C bis zur Oberliga scouten lassen

dzAmateurscout

Die Bedeutung des Scoutings wird immer größer - ganz egal in welcher Liga. Ab kommender Saison soll von der Kreisliga C bis zur Oberliga jedes Team einen Scout buchen können.

Lünen

, 08.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Eindringlicher Blick nach vorne. Hannes Wolfs Augen gehen genau in Richtung Kamera. „Es hat einfach unglaubliche Vorteile“, erzählt der ehemalige Bundesliga-Trainer. „Wenn du ein bisschen was über den Gegner weißt, weil es dir natürlich hilft für das Spiel.“

Wolfs Bild ist weg, bricht abrupt ab. Der Trainer des belgischen Erstligisten KRC Genk ist nicht mehr zu sehen, verschwindet in einem grünen Bild. In der Mitte prangt in Weiß der Satz „Next Season – 2020“.

Es ist die Werbekampagne des Projekts „Amateurscout.de“, einer Scouting-Plattform für den Amateurfußball. Von der Kreisliga C bis zur Oberliga.

Video
Hannes Wolf zum Gegnerscouting

Gegründet hat dieses Projekt vor rund zwei Jahren der Dortmunder Mark Elbracht.

Elbracht ist jemand, der Fußball lebt. Als Spieler, als Trainer, als Analyst.

Der 46-Jährige spielte unter anderem für die Reserve von Borussia Dortmund, Westfalia Rhynern und den TuS Iserlohn. Auch an der Seitenlinie stand er bereits, coachte den BSV Menden und den ASC 09 Dortmund. Mittlerweile ist er aber vor allem als Zuschauer und Analyst hinter der Bande oder auf der Tribüne auf den Fußballplätzen in Nordrhein-Westfalen zu finden.

Eine Plattform für alle Ligen

Elbracht scoutet, schaut sich also Spiele von Vereinen an und analysiert diese. Eine tiefgründige Leidenschaft für den Fußball. Diese brachte ihn vor knapp zwei Jahren dazu, das Projekt Amateurscout ins Leben zu rufen.

Eine Plattform, auf der sich Kreisligisten von der untersten Fußballliga bis zur höchsten Amateurliga an Scouts und Analysen bedienen können. Von der Kreisliga C bis zur Oberliga also.

„Wir sind im Landesverband Westfalen von der Kreisliga C bis zur Oberliga vertreten“, erzählt Elbracht, „Vereine können einfach über die Website einen Scout buchen oder sich einen Gegner raussuchen.“ Lediglich in der Kreisliga B hat bislang noch kein Verein zugeschlagen.

So sehen die Notizen von Elbracht von einem Spiel aus.

So sehen die Notizen von Elbracht von einem Spiel aus. © Stephan Schuetze

Dafür aber sogar ein Regionalligist. In der vergangenen Saison, die wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wurde, kontaktierte der SV Lippstadt Elbracht, weil für zwei Spiele ein Scout benötigt wurde.

„Das kam zustande, weil wir Kapazitätsprobleme hatten, um uns Gegner anzugucken“, erklärt Lippstadts Co-Trainer Marc Woller, der Elbracht bereits zuvor kannte. Der Kontakt war schnell hergestellt, das Arrangement abgemacht. „Das hat alles super geklappt, wir sind sehr zufrieden“, sagt Woller, „sobald uns da die Kapazitäten fehlen, würden wir ihn jederzeit wieder buchen.“

Marc Woller ist Co-Trainer des Regionalligisten SV Lippstadt. Woller schätzt die Arbeit von Mark Elbracht als Scout.

Marc Woller ist Co-Trainer des Regionalligisten SV Lippstadt. Woller schätzt die Arbeit von Mark Elbracht als Scout. © Timo Janisch

Es ist für Elbracht die direkteste Form des Scoutings: „Gerade bei den Spielen, wo sich die Vereine nicht auf Video-Aufzeichnungen verlassen können.“ Tools wie Sporttotal oder Soccerwatch, die viele Kameras auf Sportplätzen bedienen, sorgen zwar für Entlastung, leiden aber für die Analyse vor allem unter Qualitätsproblemen. Ein Scout vor Ort ist da die optimale Lösung.

Auf dem Durchmarsch bis in die Oberliga hat sich das auch der RSV Meinerzhagen zunutze gemacht. Der Klub, unterstützt von Bundesliga-Profi Nuri Sahin, hat sich in den vergangenen Jahren bis in die fünfthöchste deutsche Spielklasse von Aufstieg zu Aufstieg gearbeitet.

Elbracht hat seinen Anteil am Aufstieg

Auch Mark Elbracht hatte daran seinen Anteil. Als der Klub aus dem westlichen Sauerland in der Westfalenliga spielte, scoutete Amateurscout jeden Gegner für den Sahin-Klub.

„Es war sehr hilfreich. Es war ein Tool, womit wir im Trainerteam gut arbeiten und den Spielern etwas mitgeben konnten“, lobt Meinerzhagen-Coach Mutlu Demir. Anteil an dem sportlichen Anstieg hatte auch Elbracht mit seinen Analysen: „Ich will seine Leistung nicht reduzieren, da gehört die Zusammenarbeit definitiv dazu.“

Worte, über die sich Elbracht freut. Die ihm zeigen, dass sein Projekt erste Früchte trägt. Ein Landesligist, der mit Amateurscout zusammenarbeitete, schaffte in der vergangenen Spielzeit den Aufstieg.

„Wir würden uns aber auch freuen, wenn uns der Kreisliga-C-Trainer weiterempfiehlt.“
Mark Elbracht, Gründer der Plattform Amateurscout.de

„Gerade für Vereine, die nach oben streben, die sich noch nicht den Luxus leisten können, einen eigenen Menschen dafür einzustellen“, sei das Projekt da, so Elbracht. „Wir würden uns aber auch freuen, wenn uns der Kreisliga-C-Trainer weiterempfiehlt.“

Elbracht geht es um den Fußball, dieser liegt ihm am Herzen. Doch Amateurscout war bislang etwas, was Elbracht nebenbei machte. Neben seinem Beruf, seiner Familie, seinen Hobbys. Dies soll sich zur kommenden Saison ändern. „Wir haben gemerkt, was da für eine Dynamik drin steckt und was für ein Potenzial. Das gibt es in dieser Form nicht in Deutschland. Wir erhoffen uns natürlich, dass aus diesem kleinen Baby eine große Nummer wird“, sagt Elbracht.

Das Portal „Amateurscout.de“ wird aktuell komplett erneuert und soll rund vier bis fünf Wochen vor Start der Amateur-Spielzeit online gehen. Von da an können Analysen hochgeladen werden oder Vereine können sich auf die Suche nach Scouts für Spiele der Konkurrenz begeben.

Die Analyse wird dann in einem simplen Online-Tool angefertigt. Dort können alle Infos zu der Partie eingetragen werden, bei der ein Scout war. Aufstellung, Formation, Taktik, Spielsituationen, Infos zu Spielern.

Genauso können Vereine aber die Suchanfrage für ein bestimmtes Spiel stellen und erhalten dann Angebote von Scouts, die verfügbar sind. So sähe es im Optimalfall aus.

Elbracht hat nun „Druck auf dem Kessel“

Bislang arbeitete Elbracht mit einem Team von rund 15 Scouts zusammen. „Es ist übersichtlich, nicht die große Menge an Scouts. Ich hatte schon sehr viele Anfragen. Damals war ich noch nicht bereit, dieses Material fremden Leuten zu geben“, erklärt Elbracht. Mit dem Portal, was Mitte August online gehen soll, sieht das anders aus.

Scouts können sich anbieten, Vereine können Scouts suchen. In erster Linie möchte Elbracht mit seinem Projekt Leute erreichen, die ohnehin am Sportplatz wären und sich das Spiel angucken würden. „Du musst jetzt nicht unbedingt gebucht werden, sondern kannst passiv Geld verdienen.“

„Du musst jetzt nicht unbedingt gebucht werden, sondern kannst passiv Geld verdienen.“
MARK ELBRACHT, GRÜNDER DER PLATTFORM AMATEURSCOUT.DE

Eine Spielanalyse kann dann auf der Plattform angeboten und von interessierten Vereinen erworben werden. Die Scouts sollen die Preise dafür selbst festlegen. Über ein Bewertungssystem können die Scouts dann eingeordnet und bewertet werden von den Vereinen.

Elbracht sagt nun, er habe „Druck auf dem Kessel“, da die Plattform im August online gehen soll, sollte die Saison kurz danach beginnen. Wenn die Teams intensiver in die Vorbereitung gehen, die ersten Testspiele Gradmesser für den Saisonstart sind und die Teams wissen wollen, wie weit die ersten Gegner sind, will Elbracht mit seiner Plattform für die Informationen sorgen.

Werbeoffensive über die sozialen Medien

Gerne weit verbreitet in Nordrhein-Westfalen, vielleicht auch bald deutschlandweit? Elbracht träumt davon, das Potenzial sieht er.

Dafür macht er Werbung und geht nun in die Offensive. Vor allem über die sozialen Medien möchte er die Fußballverrückten erreichen, ist auf Facebook, aber vor allem auf Instagram aktiv.

Dort, wo Hannes Wolf in die Kamera spricht, um die Vorteile des Scoutings zu erklären. „Ich kenne Hannes wirklich sehr, sehr lange“, klärt Elbracht auf. Die beiden spielten und wohnten sogar zusammen. „Das war eine Sache, die sich aus dem Gespräch angeboten hat“, sagt Elbracht und findet es „überragend“, dass der Champions-League-Trainer sich dafür hat begeistern lassen.

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