16 Spiele Sperre für einen Lüner Fußballer - wegen eines Remplers

dzFußball

Ein Lüner Fußballer hat nun eine sehr lange Strafe bekommen - wegen eines Remplers. Die Strafe könnte aber noch mal deutlich länger ausfallen.

Lünen

, 04.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das letzte Senioren-Fußballspiel in Lünen fand am 10. Oktober statt. Seitdem tat sich nichts mehr. Erst wegen der Allgemeinverfügung des Kreis Unna, nun wegen des bundesweiten Lockdowns.

Ob noch mal in diesem Jahr gespielt wird - ungewiss. Als vor gut einem Monat BW Alstedde und der TuS Westfalia Wethmar das letzte Senioren-Spiel auf Lüner Boden bestritten, ging Wethmar als klarer und verdienter Sieger mit 3:1 aus der Partie.

Das war unbestritten und gaben auch alle Alstedder so zu. Doch Alstedde musste nicht nur die Niederlage hinnehmen, sondern auch den Verlust von Dennis Gerleve (Gelb-Rote Karte), Dominik Hennes (Rote Karte/drei Spiele Sperre) und Jannik Audehm (Rote Karte). Alle Platzverweise gab es in der turbulenten Schlussphase der Partie beziehungsweise nach Abpfiff.

Einseitige Sitzung am Bezirkssportgericht?

Lediglich beim eingewechselten Audehm gab es eine Bezirks-Sportgerichtverhandlung, die am 27. Oktober stattfand. Auf dieser wurde entschieden, dass Audehm für 16 Spiele gesperrt wird für seine Rote Karte. Da ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden kann, erhielt Audehm zehn Spiele Sperre und eine anschließende Bewährungszeit von 32 Wochen. Das entschied Dierk Dunschen, der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts Nummer fünf.

Dieser erklärt den Grund für die Strafe: „Es gab laut dem Schiedsrichterassistenten eine Rudelbildung mit sechs, sieben Spielern. Der Assistent wäre dann auch auf den Platz gelaufen, hätte einen Abstand von vier, fünf Metern zur Traube gehalten. Er hat einen Rempler im Rücken verspürt und dann den Spieler gesehen.“

Dies wurde als tätlicher Angriff auf den Schiedsrichter gewertet.

Jannik Audehm beim Spiel gegen den TuS Westfalia Wethmar, als er noch auf der Bank war.

Jannik Audehm beim Spiel gegen den TuS Westfalia Wethmar, als er noch auf der Bank war. © Timo Janisch

Alsteddes Jannik Audehm beschreibt die Szene aus seiner Sicht. Er wollte Alsteddes Spielertrainer Tim Hermes vom Schiedsrichtergespann wegziehen, damit dieser sich keine Karte einhandle, sei deshalb in Richtung der Menge an Spielern. „Ich wollte Tim wegziehen, damit da nichts passiert, weil Tim für uns wichtig ist. Ich bin am Linienrichter vorbei, er hat einen Kontakt wahrgenommen am Rücken“, erzählt Audehm seine Sicht auf die Dinge.

Die Spruchkammersitzung vor dem Bezirkssportgericht verlief für ihn dann einseitig. „Vor der Kammer hast du keine Chance, eine mildere Strafe zu bekommen. Ich habe Beweise vorgelegt und gehe trotzdem mit zehn Spielen raus. Das ist nicht in Ordnung“, empfand Audehm.

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Denn nicht nur er selbst hatte ausgesagt. Eine schriftliche Zeugenaussage hatte er mitgebracht. Kai Schinck, Spieler des TuS Westfalia Wethmar, hatte die Szene gesehen.

Kai Schinck sagt für Audehm aus

„Ich hatte das mitbekommen und bei uns im Verein wurde nachgefragt, ob da jemand was gesehen hätte. Ich hatte mich mit Stefan Polplatz (Vorstand TuS Westfalia Wethmar, Anm. d. Red.) hingesetzt, mit dem habe ich die schriftliche Aussage gemacht“, erzählt Schinck. Der Wethmar-Spieler sagt, dass Audehm lediglich Hermes aus der Masse herausziehen wollte und tätigte dies auch so in einer schriftlichen Zeugenaussage, da er am Sitzungstag nicht persönlich erscheinen konnte. Schinck sagt selber: „Hätte er was gemacht, hätte ich es auch zugegeben.“

Kai Schinck hat eine schriftliche Zeugenaussage getätigt.

Kai Schinck hat eine schriftliche Zeugenaussage getätigt. © Timo Janisch

Doch laut Audehm soll diese entlastende Aussage Schincks überhaupt nicht in das Urteil eingeflossen sein. „Mir wurde vorgeworfen, ich hätte mich mit Kai Schinck abgesprochen, was überhaupt nicht stimmt“, erzählt Audehm. Beweise wurden dafür keine vorgelegt, so der Alstedder. Der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts, Dierk Dunschen, sagt dazu: „Ein Spieler von Wethmar hat eine schriftliche Aussage gemacht. Die sollte dem Spieler helfen. Diese Aussage hatte sich aber widersprochen.“

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Dennoch wäre, so Dunschen, die Aussage mit in das abschließende Urteil eingeflossen. Dieses wäre so hoch ausgefallen, da es sich um einen tätlichen Angriff auf einen Schiedsrichter handelte und dieser laut der Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes mindestens mit einer Sperre von einem Jahr verurteilt werden müsse.

Fuchsig über den ganzen Prozess war Alsteddes zweiter Vorsitzender Hans-Jürgen Kahl, der gemeinsam mit Wethmars Vorsitzenden Werner Krause dabei war. „Ich ärgere mich, dass ich meine Schicht getauscht habe. Da möchte ich nicht mehr hinfahren. Man hat überhaupt keine Chance“, sagt er. „So eine Strafe auszusprechen, ist für mich lächerlich.“

Wohl kein Einspruch gegen das Urteil

Was für Kahl an den unterschiedlichen Aussagen der Schiedsrichter liegt sowie an der Tatsache, dass sich Audehm zuvor noch nie etwas hat zu Schulden kommen lassen auf dem Fußballplatz.

Audehm und Alstedde könnten noch bis zum Wochenende Einspruch gegen das Urteil einlegen, werden davon aber wohl absehen, da es aus ihrer Sicht „nichts bringt“.

„Für mich war das völlig konfus. Wenn es ganz beschissen läuft, spielt er bis Juni oder Juli nicht mehr“, sagt Kahl.

Eine Prognose, die sich bewahrheiten könnte. Denn durch die Corona-Pandemie wird es nicht abzusehen sein, wann wieder vernünftig Fußball gespielt werden kann und Audehm so die lange Sperre absitzt.

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