Zwischen Freude und Tränen: Brüggemann und Carlos sind seit sieben Jahren eine Einheit

dzDas Sportporträt

Für ihre 21 Jahre hat die Halterner Springreiterin Mirja Brüggemann schon viel erlebt. Dazu zählen aber nicht nur Momente der Freude. Auch die ein oder andere Träne hat sie schon vergossen.

Haltern

, 17.10.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die 21-jährige Halterner Springreiterin Mirja Brüggemann hat in diesem Jahr mit ihrem Pferd „Carlos Santos“ bei insgesamt 16 Starts in Ein-Sterne-M-Springen einen Sieg, fünf zweite Plätze und weitere sechs Platzierungen herausgeritten - und damit ihre persönlichen Ziele weit übertroffen. „Das war bisher meine beste Saison“, sagt sie.

Angeregt durch eine Freundin fand sie nach einer Reitpause 2008 wieder Lust am Reiten. „Auf dem Reiterhof Budde hatte ich auf „Jessy“ meine ersten Springstunden“, sagt sie. 2010 bekam sie mit „Shakespeare“ ihr zweites Pony.

Entdeckung durch Zufall

Und das war wegweisend für ihre weitere Entwicklung, denn bei ihrem ersten Start beim Turnier am Halterner „Görtzhof“ lief es für die junge Reiterin richtig gut. Von fünf Starts gewann sie einen Kombinationswettbewerb und zwei Springprüfungen.

2012 fand sie eher durch Zufall „Carlos Santos“. „Von ihm habe ich direkt geschwärmt und gedacht, so ein schönes Sportpferd werde ich wohl nie haben“, sagt sie.

Doch zu ihrer Überraschung erhielt sie wenig später einen Anruf vom Gestüt Ligges in Herbern. Dort stand das Pferd und sie durfte den damals erst 4-jährigen Wallach eine Woche lang Probe reiten. Am Ende war es wohl „Liebe auf den ersten Blick“, denn die Entscheidung für „Carlos“ war schnell gefällt.

2016 begann Brüggemann ihr Medizinstudium in Marburg - und nahm natürlich ihr Pferd mit. Sie fand einen Pensionsstall in der Nähe und stieg später auch in die Studentenreitgruppe Marburg ein.

Druck vor dem Start

Nach ersten Erfolgen bekam sie 2017 die Chance zur Teilnahme an den „Deutschen Hochschulmeisterschaften der Reiter“. Marburg war in diesem Jahr Austragungsort und sie startete im Team der Marburger Reiterequipe.

Im entscheidenden, letzten Sprungwettbewerb lag Brüggemann mit ihrem Team zwar schon in Führung, aber die Verfolger aus Ulm waren dichtauf. Brüggemann startete als letzte Reiterin für Marburg und spürte schon vor dem Start den Druck. „Ich hatte vor Aufregung einen ganz trockenen Mund“, sagt sie.

Zwischen Freude und Tränen: Brüggemann und Carlos sind seit sieben Jahren eine Einheit

Mirja Brüggemann studiert Medizin in Marburg. © Horst Lehr

Doch als die Verfolger patzten, war dem Marburger Team der Titel nicht mehr zu nehmen.

Im Folgejahr kam Brüggemann wegen anstehenden Examensprüfungen kaum zum Reiten, doch in diesem Jahr passte es zeitlich sehr viel besser. Sie bestritt erstmalig eine komplette Saison nur mit M- und Ein-Sterne-M-Springen. Zuerst noch auf dem Gestüt Ligges, startete sie bei Turnieren im Kreis Warendorf und Coesfeld, nahm sie ihr Pferd dann zum Semesterbeginn wieder mit nach Marburg, um dort weiter bei Turnieren zu starten.

Am Ende waren es dann 16 Starts und Brüggemann gelang beim Reitturnier in Marburg Dagobertshausen sogar ein Sieg in dieser Serie.

„Keine echte Glanzleistung“

Mit einem Start bei einem Einzelwettbewerb wagte sich Brüggemann dann später auch an die Meisterschaft der jungen Reiter im Landesverband Hessen. So ging sie in Neu-Anspach an den Start im Einzelspringen. Dabei waren die Anforderungen allerdings deutlich höher, denn es waren drei Starts mit einem M- und zwei nachfolgenden S-Springen angesetzt.

Die erste Prüfung war „keine echte Glanzleistung“, doch für sie war das S-Springen mit einer Sprunghöhe von 1,40 Meter die eigentliche Herausforderung. Hier wollte sie sich beweisen, doch im Parcours fiel eine Stange und sie hatte auch noch einen „Steher“.

„Das hatte ich selbst zu verantworten. Ich habe mich vor der Kombination in der Distanz verschätzt“, sagt sie. Doch Brüggemann gab nicht auf, sammelte sich und ritt den restlichen Parcours fehlerfrei. „Darüber habe ich mich mehr gefreut, wie über manche Siege zuvor. Ich hätte vorher nie geglaubt ,dass ich mal ein S-Springen gehen kann“, sagt sie.

„War an diesem Tag irgendwie seltsam“

Brüggemann hat sich im Laufe der Jahre immer wieder gefreut, wenn sie gut durch kam, doch wenn „Carlos Santos“ einfach stehen blieb, auch so manche Träne vergossen. Wie zum Beispiel bei einem Ein-Sterne-M-Stilspringen im April in Werne. „Carlos war an diesem Tag irgendwie seltsam. Er hat einfach gemacht, was er wollte“, erklärt Brüggemann.

Und so standen am Ende zwei Fehler und die Wertnote 5,8 auf der Anzeige. In solchen Momenten denkt sie gerne an ihr erstes M-Stilspringen 2015 in Olfen zurück. Dort gewann sie den Wettbewerb und erreichte mit der Wertnote 8,7 bis heute ihr höchstes Ergebnis.

Für Brüggemann ist Reiten ein wichtiger Lebensbestandteil geworden. „Wir sind seit rund sieben Jahren ein Team und lernen ständig dazu. Gerne will ich mit Carlos Santos auch noch weitere schöne Moment erleben“, sagt sie.

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