„Wirklich goldene Zeiten“: Concordia Flaesheim und der 100-Tore-Sturm

dzDas Sportporträt

Es war eine Saison für die Geschichtsbücher des SuS Concordia Flaesheim: 1974 sicherte sich das Team beeindruckend die Meisterschaft und den Aufstieg. Die Spieler waren nicht zimperlich.

Flaesheim

, 15.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war eine Saison für die Geschichtsbücher des SuS Concordia Flaesheim, denn es war kein normaler Aufstieg, den das Team um den heutigen Ehrenvorsitzenden Otto Schröder (77) feiern konnte. „Das waren wirklich goldene Zeiten, die kommen nie wieder“, sagt er. Mit dem 100-Tore-Sturm schossen sich die Flaesheimer in die zweite Kreisklasse.

Flaesheim gehörte damals noch zur Gemeinde Datteln und spielte mit 16 weiteren Mannschaften in der 3. Kreisklasse im Vest Recklinghausen. In den 30 Pflichtspielen der Saison standen unter anderen Auswärtsspiele in Waltrop und Hervest-Dorsten an. Bei der Anreise musste wegen der Sonntagsfahrverbote durch die Ölkrise immer auf die Fahrzeugkennzeichen geachtet werden. Einen Sonntag waren die Geraden und danach die ungeraden Kennzeichen fahrberechtigt. Die heimische Spielstätte war ein Sandplatz, die Umkleide für Heim- und Gastmannschaften waren damals in der Dachsbergschule.

Spieler waren nicht zimperlich

Doch die Flaesheimer Spieler waren nicht zimperlich, für sie war das alles normal. Auf dem Platz machte Willi Breuer, einer der besten Torschützen, die Buden praktisch „blind“ und wurde dabei von Rolf Balster unterstützt. Der spielte immer mit hohem Körpereinsatz, und wurde wegen seiner Schnelligkeit „Rakete“ genannt.

„Die beiden haben sich das Toreschießen geteilt“, sagt Schröder. Abwehrrecke Rudi Hölscher, der jedes Spiel gemacht hatte, gesteht heute: „Meine Gegner fielen zum Glück immer gerade dann, wenn der Schiri nicht hinschaute“. Mit Heinz Herbst stand hinten als letzter Mann ein Libero, der seine Vorderleute immer lautstark dirigierte und alles gnadenlos abräumte, was durchkam. In verbissenen Zweikämpfen wurde um jeden Ball gekämpft. In der Offensive verteilte der Mittelfeldstratege Wolfgang Rautenstrauch die Bälle. Er bedauert noch heute seine allererste Rote Karte: „Das Schlimmste daran war, dass ich deswegen am Tag des Mannschaftsfotos in Zivilkleidung antreten musste“.

Die Begeisterung für den Fußball war in der Dorfgemeinschaft so groß, dass bei den Heimspielen der Sportplatz immer gut besucht war. Das ging sogar so weit, dass bei der Andacht am Sonntagnachmittag das Kirchenportal offen gehalten wurde, damit auch jeder den aktuellen Spielstand mitbekam.

Stärkster Verfolger war Ahsen und beim Derby waren wohl 1000 Zuschauer. „Für das Spiel haben wir vorher die Stollen auf der Drehbank angeschliffen“, sagt Hölscher lachend.

14:1-Erfolg gegen Lembeck

Doch es gab nicht nur spielerische Höhepunkte, denn bei einem Spannschuss brach das Holztor zusammen. „Da kam direkt der Verdacht auf, das Tor wäre angesägt worden“, sagt Schröder. Schnell waren Hammer, Nägel und ein paar Dachlatten zur Hand, mit denen das Tor wieder zusammen gezimmert wurde.

Der höchste Sieg gelang dem Team mit einem 14:1-Erfolg gegen Lembeck.

Trainer Willi Reifenrath hatte die Mannschaft damals mit viel Sorgfalt aufgebaut und führte sie mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl. Er war aber auch ein harter Hund und ließ seine Jungs zum Beispiel am selbst gebauten Kopfballpendel bis zum Umfallen üben. „Am Ende hat es uns ja auch was gebracht und wir waren immer topfit“, sagt Hölscher.

„Wirklich goldene Zeiten“: Concordia Flaesheim und der 100-Tore-Sturm

Die Flaesheimer Meisterschaft von 1974 © Horst Lehr

Als dann im Mai 1974 die Meisterschaft gesichert war, wurde im Vereinslokal Tüshaus eine große Meisterschaftsfeier abgehalten. Nach dieser erfolgreichen Saison meldete Schröder das Team zu einem internationalen Turnier in England an. Dafür fand er im Verein eine breite Unterstützung und so fuhr Flaesheim mit 80 Mann in zwei Bussen über Ostern zum Mini-World-Cup-Turnier nach Canterbury.

Nach dem Sieg im Auftaktspiel gegen „Athleta Juvenius“ aus Malta gewann Flaesheim auch das zweite Match gegen die Schweizer aus Bubendorf. Allerdings mussten die Flaesheimer danach gegen den späteren Cupsieger aus Nizza eine Niederlage akzeptieren. Doch am Ende brachten sie doch noch einen Pokal mit nach Hause, denn bei der Wahl zur ‚Miss-Mini-World‘ siegte die Flaesheimerin Andrea Meier. „Wir kamen das erste Mal in die Welt hinaus, ich kann mich noch an jede Minute erinnern“, sagt Hölscher.

Die Mannschaft: Wolfgang Rautenstrauch, Rolf Balster, Willi Breuer,Werner Niehues, Uwe Brehm, Jürgen Kleinert, Lasche Meinke, Rainer Benkel, Heinz Herbst, Rudi Hölscher, Winfried Herbst ,Werner Moos, Michael Träumner und Trainer Willi Reifenrath

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