TuS-Trainer Timo Ostdorf: „Er ist ein absoluter Toptransfer für uns“

dzFußball: Regionalliga

Im zweiten Teil des Interviews mit Halterns neuem Trainer Timo Ostdorf, spricht der 34-Jährige über Neuzugänge, eine besondere Unterhaltung mit einem Ex-Trainer und den Profifußball.

Haltern

, 05.07.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Die Lizenz für die Regionalliga West hat der TuS Haltern am See zuletzt erhalten. Doch in welcher Liga er letztendlich spielt, steht noch nicht endgültig fest. Seine Arbeit beeinflusst das aber nicht, sagt der neue Übungsleiter Timo Ostdorf (34). Im ersten Teil des großen TuS-Interviews erklärte er, warum er einige Tage Bedenkzeit brauchte, ehe er dem TuS zusagte. Nun spricht er über seine Spielphilosophie und die Halterner Neuzugänge. Außerdem verrät er, mit welchem bekannten deutschen Trainer er sich gerne mal unterhalten würde und mit welchem ehemaligen Bundesliga-Trainer er sich schon mal kurz austauschen konnte.

Die Lizenz für die Regionalliga hat der TuS erhalten. Trotzdem steht noch nicht fest, in welcher Liga Sie in der kommenden Saison spielen. Hat die Ungewissheit über die Ligazugehörigkeit ihre Arbeit zuletzt beeinflusst?

Wir haben von Anfang an ligaunabhängig gesprochen und dementsprechend auch den Kader aus dem Regionalliga-Team, der U23, der U19 und mit ein paar externen Neuzugängen geplant. Mit Thorsten Kornmaier und Oliver Bautz habe ich zudem zwei erfahrene Übungsleiter an meiner Seite. Was wir allerdings nicht wissen ist, wann und wie es wieder losgeht. Das Problem haben aber alle Vereine, egal in welcher Liga.

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Der TuS vermeldete bereits einige Abgänge. Zuletzt wurde mit Max Michalak von Preußen Münster ein junger Rückkehrer verpflichtet. Gibt es noch weitere Neuzugänge?

Der Königstransfer für mich ist Nils Eisen, der nach einem halben Jahr Abstinenz wieder einsteigt. Er ist ein gefühlter Neuzugang, eine absolute Persönlichkeit und soll den Umbruch mit gestalten. Nico Pulver von Westfalia Herne ist ein absoluter Toptransfer für uns, der sportlich und charakterlich super zu uns passt und aus der Region stammt. Dazu kommen die jungen Spieler, die aus der U23 und U19 aufrücken. Auf die freue ich mich besonders. Luca Bernoth beispielsweise hat im letzten Jahr schon aufblitzen lassen, dass er auch als A-Jugendlicher schon im Seniorenfußball mithalten kann. Für ihn und die anderen geht es jetzt darum, den nächsten Schritt zu gehen.

Corona, die Ungewissheit über die Ligazugehörigkeit und das neue Bilbao-Konzept – war es zuletzt besonders schwer, die passenden Neuzugänge zu finden?

Überhaupt nicht, weil durch das Bilbao-Konzept für uns völlig klar ist, wer für uns überhaupt in Frage kommt. Max Michalak ist ein super Beispiel für einen Halterner Jungen, der nach zwei Jahren in der U19-Bundesliga zurückkehrt. Wir haben uns dazu verpflichtet, die eigenen Jungs besser zu machen und punktuell mit Spielern aus der Region zu ergänzen. Ich bin mit dem Kader so zufrieden wie er ist. Und dabei spreche ich nicht nur von meinem Kader, sondern auch von Team B. Es war auch sehr wichtig, mit den U23-Spielern zu sprechen, wie sie dem Konzept gegenüber stehen. Denn man darf nicht vergessen, dass die U23-Aufstiegsmannschaft mit 100 Prozent zum Bilbao-Konzept passt.

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Für Team B hat der TuS mit Sebastian Amendt als Trainer einen weiteren Rückkehrer verpflichtet.

In Team B hat der Verein mit Sebastian Amendt einen überragenden Fang als Trainer gemacht, er ist ein Glücksgriff. Er kennt den Verein und ist sehr motiviert. Als ich gehört hab, dass er für den Posten in Frage kommt, hab ich mich sehr gefreut,. Wir verfolgen beide den selben Ausbildungsgedanken und sehen Team A und Team B als eine Einheit.

Wird es in der Spielweise Ihrer Mannschaft genauso große Veränderungen geben wie im Kader?

Ich glaube, jeder Trainer hat eine gewisse Philosophie und eine eigene Handschrift. Letztes Jahr wurde dem sportlichen Erfolg alles untergeordnet, um in der Regionalliga bestehen zu können, was absolut in Ordnung war und auch funktioniert hat. Mit den jungen Leuten wollen wir zukünftig vor allem aktiven Fußball spielen. In der Vorbereitung werde ich versuchen, meine Philosophie zu vermitteln: Aktiv verteidigen, aktiv spielen und auf jeden Fall auch eklig sein. Das haben die Jungs in der U23 letztes Jahr überragend angenommen.

Präferieren Sie ein bestimmtes System?

Wir wollen direkt vermitteln, dass wir ein unangenehmer Gegner sein wollen. Aber das System muss der Mannschaft angepasst werden, nicht andersherum. Ich bin keiner, der auf ein, zwei Systeme festgelegt ist. Die Jungs müssen sich in dem, was sie tun, wohlfühlen und sollen sich auf sich selbst konzentrieren. Natürlich wird es auch Gegneranalysen geben, aber das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Jungs besser zu machen. Die Jungs lernen und entwickeln sich weiter, wenn man ihnen aufzeigt was sie gut gemacht haben oder besser machen können. Wir legen also das Hauptaugenmerk bei Spielanalysen auf uns.

Was wird für Sie der größte Unterschied im Vergleich zu ihrer bisherigen Arbeit als U19- und U23-Trainer werden?

Fußball bleibt immer noch Fußball, nur die Spieler und ihre Anforderungen ändern sich. Eine große Herausforderung wird sicherlich werden, Team A und Team B gemeinsam mit dem Trainerteam zu führen und weiterzuentwickeln. Wir wollen dort gerade zu Beginn der Vorbereitung keine Grenze ziehen und uns allen Spielern widmen. Deswegen hat das gesamte Trainerteam sehr viel Eigenverantwortung und ich werde immer wieder zwischen den Gruppen hin und her springen. Wichtig wird sein, gerade bei jungen Spielern viel zu kommunizieren. Die zwischenmenschliche Komponente finde ich sehr, sehr wichtig, denn es gibt nicht immer nur Themen, die sich um den Fußball drehen.

Sehnen Sie bereits das erste Spiel herbei?

Auf jeden Fall. Es ist schön, mal wieder auf dem Platz zu stehen. Jetzt möchtest du als Trainer und Spieler dich auch so schnell wie möglich wieder im Wettbewerb messen. Ich kann es kaum erwarten. Gerade nach so einem großen Umbruch und so einer langen Pause ist es für alle ungewöhnlich. Die Lust ist aber umso größer. Der sportliche Hunger ist richtig groß. Von mir aus kann es losgehen.

In der Regionalliga hätten dem TuS 42 Ligaspiele gedroht, in der Oberliga sind es 40. Muss der Kader dafür zwangsläufig größer sein als in den Jahren zuvor?

Deswegen sehen wir Team A und B als eine Gruppe. Jeder Spieler wird liga- und mannschaftsunabhängig in der kommenden Saison im Wettkampf gefordert werden. Unter Ausbildungsgesichtspunkten ist das genial.

Ihr Auftritt im Derby beim SV Lippramsdorf ist vielen im Gedächtnis geblieben, weil sie sehr emotional an der Seitenlinie auftraten. Sind Sie am Spielfeldrand eher der Typ Klopp oder doch eher ruhig wie Favre?

Ich glaube, Derbys sind immer etwas Besonderes. Ich habe mich da erwischt, dass ich ein bisschen emotionaler als sonst war. Als Schalker würde ich sagen, keiner von beiden. Der Typ Favre bin ich mit Sicherheit nicht, dafür bin ich zu emotional. Ich bin aber auch nicht wie Klopp. Ich würde nie mit dem Schiedsrichter Stirn an Stirn stehen und diskutieren. Meine Spieler wissen aber, dass ich an der Seitenlinie immer für sie da bin.

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Mit welchem Trainer würden Sie sich am liebsten einmal im Leben austauschen?

Ich durfte mich mal kurz mit Domenico Tedesco, als er noch Trainer bei Schalke war, austauschen. Das war ein spannendes fünfminütiges Gespräch. Ich glaube, ich würde mich gerne mal mit Christian Streich austauschen.

Warum?

Weil er sehr emotional an der Linie ist, aber gleichzeitig bei den Pressekonferenzen immer völlig gefasst ist. Er geht seine Interviews auch immer mit großem Weitblick an, es geht dann nicht nur um Fußball. Ich finde es sehr spannend, mich mit solchen Leuten zu unterhalten. Er ist ein Fachmann im Fußball, aber man kann sich auch mal über andere Dinge unterhalten. Diese Mischung finde ich sehr interessant.

Die letzten Jahre ging es für Sie als Trainer immer weiter nach oben. Sehen wir Sie irgendwann an der Seitenlinie als Trainer eines Profiklubs?

Wenn sie mir im Fussballlehrer-Lehrgang noch kurzfristig einen Platz freischaufeln, dann nächstes Jahr (lacht). Im Moment habe ich mit meinem Team eine sehr, sehr große Aufgabe, die mich sehr viel Kraft kosten wird und dem ich alles unterordne. Darauf konzentrieren wir uns. Was irgendwann mal sein wird, weiß niemand, aktuell verschwende ich keinen Gedanken daran. Aber wir wissen auch, der Fußball ist manchmal verrückt und das ist ja auch das Schöne. Es geht schnell bergauf, kann aber auch schnell wieder bergab gehen. Lassen wir uns überraschen.

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