Wenn am Sonntag in Lotte (14 Uhr) der Ball rollt, beginnt eine bedeutende Saison für den TuS Haltern. Erstmals spielt das Team in der Regionalliga. Doch was erwartet die Halterner dort?

Haltern

, 26.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Es war wohl das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des TuS Haltern am See. Mit 70 Punkten in der Fußball-Oberliga sicherte sich das Team von Trainer Magnus Niemöller und Sportdirektor Sascha Kopschina den Aufstieg in die Regionalliga West. Vor dem ersten Regionalliga-Spiel der Vereinsgeschichte sprechen Niemöller und Kopschina im ersten Teil unseren Interviews über den hohen Aufwand, die Ziele des Teams und über mögliche negative Erlebnisse.


Magnus Niemöller, zwei Mal wären Sie eigentlich schon in der Regionalliga gewesen, doch - damals mit Erkenschwick - durften Sie nicht aufsteigen. Im dritten Anlauf hat es geklappt. Wie fühlt sich das an?

Magnus Niemöller: Natürlich bin ich ein bisschen stolz. Aber ich persönlich brauchte das gar nicht. Es hat mich am meisten für die Jungs gefreut und für den ganzen Verein. Es ist nicht so, dass die Regionalliga mein Lebensmittelpunkt ist. Die haben in der Regionalliga auch nicht auf uns gewartet und kannten uns vielleicht auch gar nicht - vielleicht brauchen sie uns auch nicht. Aber es ist eine der besten Geschichten, von der wir im Trainerteam und die Spieler in ihrem sportlichen Leben bisher gehört haben.

Der TuS Haltern trifft in der Regionalliga auf namhafte Gegner wie Rot-Weiss Essen oder spielt in Dortmund in der Roten Erde. Ist das für Sie noch etwas unwirklich?

Sascha Kopschina: Das ist noch komplett verrückt. Das ist aber auch der Beweis, dass hartes und fokussiertes Arbeiten belohnt wird. Nicht nur innerhalb der Mannschaft oder des Trainerteams, sondern der komplette Verein hat in Ruhe gearbeitet.

Niemöller: So blöd das jetzt klingt: Ich glaube, dass die Oberliga für unsere Spieler keinen übergeordneten Reiz mehr hatte. Sie wollten nicht noch einmal nach Ennepetal oder Rheine fahren, sie wollen einfach etwas Neues erleben.

Welchen Aufwand betreibt der Verein derzeit?

Kopschina: Viele Parameter haben wir sicherlich unterschätzt. Die Lizenzunterlagen auszufüllen, das ist eine Sache. Eine Lizenz für die Regionalliga zu leben, das ist Profitum. Das Thema haben wir dann auf viele Schultern verteilt und – auch mit Unterstützung des Verbandes – gelöst.

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Ist der Verein am Limit?

Kopschina: Wir sind definitiv vom sportlichen Erfolg überholt worden. Wir sind unserer Struktur in allen Bereichen sportlich entwachsen.

Drei Aufstiege in vier Jahren. Es scheint so, als sei der Erfolg beim TuS Haltern nicht mehr aufzuhalten. Geht das so weiter?

Niemöller: (lacht.). Wir sind jetzt eigentlich Leistungssportler. Alles, was vorher war, das war Amateursport. Jetzt müssen wir gucken, wie passen wir in das Konstrukt. Wir verändern uns ja nicht. Ich kenne keinen Spieler von uns, der gesagt hat, jetzt schmeiße ich mal meinen Job, weil ich jetzt in der Regionalliga spiele. Die täglichen Abläufe, wie zum Beispiel die Anzahl der Trainingseinheiten, werden sich nicht wirklich ändern. Der Schlüssel für uns ist auch Regeneration. Die werden wir in den Mittelpunkt stellen müssen.

Die Oberliga kennen und kannten Sie ziemlich gut. Wie gut kennen Sie die Regionalliga?

Niemöller: Wir befassen uns damit und beobachten diese Liga schon länger. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Unterschied zwischen Ober- und Regionalliga gefühlt zwei Ligen sind. Wir werden Dinge kennenlernen und aufsaugen, aber letztendlich müssen wir wie bei allen Sachen im Leben Erfahrungen selber sammeln. Es gibt keine Spritze, mit der wir uns die Erfahrung injizieren können.

Kopschina: Ich sehe das auch aus einem anderen Winkel: Wie sexy oder unsexy ist der TuS Haltern für Rödinghausen, Oberhausen oder Essen. Ich glaube schon, dass einige in der Regionalliga keine Lust auf den TuS Haltern haben.

Auch wenn die Abläufe gleich bleiben. Wie sehr ändert sich der Aufwand in der Spielvorbereitung?

Niemöller: Ich bin ja als Perfektionist bekannt. Je mehr Videos ich bekomme, desto mehr sauge ich sie auf. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich die Spieler nicht mit Informationen überfrachte. Natürlich wird es weiter fundierte Gegner- und Video-Analyse geben. Vielleicht bin ich in der einen oder anderen Analyse auch etwas zu ausführlich. Wenn Spieler die Augen rollen, dann müssen mir Korni (Thorsten Kornmaier, Co-Trainer, Anm. d. Red.) oder Oli (Oliver Bautz, Co-Trainer, Anm. d. Red.) auf den Fuß treten (lacht).

Mit welchem Ziel geht der TuS Haltern in die Saison?

Kopschina: Es wäre schön, wenn wir spannend sind für andere Vereine in der Regionalliga. Dass sich andere Vereine mit uns beschäftigen müssen, um die eigenen Ziele zu erreichen. So drucklos sind wir noch nie in eine Saison gestartet.

Niemöller: Unser Ziel ist eher ein bescheidener Ansatz. Wir werden an unsere Grenzen kommen, das ist völlig klar. Tabletten gibt es dafür nicht. Auf der anderen Seite steht fest: Wir dürfen uns niemals zum Sklaven eines negativen Erlebnisses machen. Es wird sicherlich vorkommen, dass wir in der Regionalliga auch mal ein Spiel verlieren (zwinkert).

Muss die Mannschaft erst lernen, mit negativen Erlebnissen umzugehen?

Niemöller: Was ist denn ein negatives Erlebnis? Eine Niederlage? Na klar, das ist ein Lernprozess. Die Regionalliga West gibt es seit sieben Jahren, in dieser Zeit gab es 26 Aufsteiger. Von den Teams sind 19 gleich wieder runtergegangen. Also fast 75 Prozent. Aber damit beschäftigen wir uns nicht.

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Kann das Team von der Aufstiegseuphorie getragen werden in den ersten Spielen?

Niemöller: Die Jungs freuen sich wahnsinnig, dass es losgeht. Aber es ist sehr schade, dass wir nie richtig den Oberligaaufstieg feiern konnten, aufgrund des Zeitmangels. Wir sind aufgestiegen, dann kam das Spiel gegen Verl, dann ging es auf Abschlussfahrt, dann hatten wir zehn Tage Pause und dann ging die Vorbereitung ja los. Die Jungs hatten keinen Urlaub und haben nicht emotionalisiert und verarbeitet, dass sie nun Viertligaspieler sind. Sie waren ja ab Mai in der Oberliga dank des ASC Dortmund in einer schwierigen Situation, die sie aber fulminant gemeistert haben. Es ist nicht der normale Aufstieg. Dennoch: Es war das erfolgreichste Jahr des TuS Haltern.

Kopschina: Der verfrühte Regionalligastart nimmt die Euphorie, vor allem bei den Protagonisten, die schnell wieder konzentriert sein mussten.

Teil II:

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