Total verzerrtes Bild: In dieser Kreisliga-Tabelle stimmt fast gar nichts

dzFußball: Kreisliga

Der Tabellendritte steht eigentlich auf Platz acht und der Zehnte gehört ins obere Drittel: In einer Kreisliga-Staffel mit Halterner Beteiligung stimmt derzeit fast gar nichts.

Haltern

, 04.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In dieser Tabelle stimmt fast alles nicht: In einer Kreisliga-Staffel, in der auch eine Halterner Mannschaft spielt, ist die derzeitige Tabelle durch die vielen Spielabsagen in den vergangenen Wochen ziemlich verzerrt. Wendet man nun die Quotientenregelung (Punkte durch Spiele) an, zeigt sich ein ganz anderes Bild - außer in einer Tabellenregion.

Acht Spieltage wurden bislang in der Kreisliga A2 Recklinghausen gespielt. Von den insgesamt 16 Teams - darunter auch Concordia Flaesheim - haben jedoch nur drei an jedem Spieltag auflaufen können.

Am härtesten traf es bisher die DTSG Herten, die erst vier Mal spielen konnte. Auch die geplante Partie gegen Flaesheim musste Anfang Oktober abgesagt werden. Dennoch steht der Aufsteiger, der sich ordentlich verstärkt hat, im Tabellenmittelfeld auf dem zehnten Platz. Bei Anwendung der Quotientenregelung springen die Hertener jedoch bis auf den sechsten Platz.

Herten hat Qualität, aber keinen breiten Kader

„Die Mannschaft hat sich gut verstärkt“, sagt Thomas Fritzsche, Kapitän von Concordia Flaesheim. Mehrere Spieler von Genclikspor Recklinghausen, dem Spitzenreiter der vergangenen Saison, waren im Sommer nach Herten gewechselt. „Die haben auf jeden Fall Qualität“, so der Flaesheimer.

Zwar sei Herten nicht ganz so einfach einzuschätzen, doch „ich glaube, wenn sie am Ende auf Platz neun oder zehn stehen, haben sie eine gute Saison gespielt“. Für die obersten Tabellenplätze fehle es der DTSG an einer guten Kaderbreite.

Während es für die Hertener in der „wahren“ Tabelle nach oben geht, geht es für den aktuellen Tabellendritten nach unten: GW Erkenschwick, das in der Saisonvorbereitung gegen Oberligist TuS Haltern am See mit 0:12 verlor und in der Liga gegen Flaesheim eine 1:7-Klatsche kassierte.

Mit 13 Punkten stehen die Erkenschwicker ordentlich da, doch sie konnten bereits acht Mal spielen. Ergibt einen Quotienten von 1,625 Punkte pro Spiel, womit sie sich aktuell auf dem achten Tabellenrang wiederfinden würden. „Unser Spiel gegen die war sehr deutlich“, erinnert sich Fritzsche, der damals selbst doppelt traf.

Wo gehört GW Erkenschwick wirklich hin?

Das Spiel sei aber nicht wirklich aussagekräftig über die Stärke der Erkenschwicker. Denn damals fehlten auch einige wichtige Spieler bei den Grün-Weissen, die nur zwei Wochen später Tabellenführer Recklinghausen schlagen konnten. „Erkenschwick sehen wir als oberen Mittelfeld-Kandidaten“, erklärt Flaesheims Kapitän.

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Damit meint er einen Platz irgendwo zwischen Rang vier und acht. „Sie haben einen guten Kader“, sagt er. Doch man merke sofort, wenn ein, zwei Stammspieler ausfallen. „Sie können den ein oder anderen ärgern und die unteren Mannschaften schlagen.“ Alles dazwischen sei dann jedoch „ein 50/50-Ding“.

Auch an der Tabellenspitze steht momentan nicht der „wahre“ Tabellenführer. Sowohl der FC 96 Recklinghausen als auch der SV Hochlar 28 haben 18 Punkte gesammelt und sogar die gleiche Tordifferenz.

Für Flaesheims Kapitän gibt es drei Kandidaten für die ersten Plätze

Recklinghausen hat jedoch mehr Tore erzielt und steht dementsprechend auf Rang eins. Aber während Hochlar alle seine sechs Spiele gewinnen konnte, kassierte Recklinghausen in seinen acht Partien schon zwei Niederlagen. Daher würde es runter auf Platz drei gehen.

Zwischen die beiden Aufstiegsanwärter würde sich Concordia Flaesheim quetschen. Mit 2,4 Punkten pro Spiel (12 Punkte, 5 Spiele) wäre das Team von Michael Onnebrink eigentlich auf Rang zwei statt „nur“ auf Rang vier.

Thomas Fritzsche (r.) und Concordia Flaesheim stehen derzeit auf Platz vier der Kreisliga A2 Recklinghausen.

Thomas Fritzsche (r.) und Concordia Flaesheim stehen derzeit auf Platz vier der Kreisliga A2 Recklinghausen. Wird die Quotientenregelung angewendet, springen die Flaesheimer jedoch auf Platz zwei. © Blanka Thieme-Dietel

Mit Blick auf die Qualität der einzelnen Mannschaften gebe es drei Teams, die sich um die Spitzenplätze duellieren, so Thomas Fritzsche. „Hochlar, Recklinghausen und uns.“ Platz zwei, auf dem sein Team derzeit stehen würde, „sieht gut aus, aber da standen wir jetzt schon zwei Mal“.

Soll heißen: Der Aufstieg ist das eigentliche Ziel.

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„Wenn man sich unter den ersten Drei wähnt, muss man das schon als Ziel haben“, erklärt er. Dafür müsste sein Team aber die Pflichtaufgaben lösen und dann auch das ein oder andere Spitzenspiel gewinnen.

Zwei Teams im Tabellenkeller haben Thomas Fritzsche überrascht

In einer Tabellenregion ändert sich durch die Anwendung der Quotientenregelung derweil gar nichts: im Tabellenkeller. Behält auf den Plätzen eins bis elf kein Team seinen eigentlichen Platz, ändert sich auf den Plätzen 12 bis 16 nichts.

Der SuS Bertlich, Vestia Disteln II, der VfB Waltrop, Westfalia Vinnum, das gerade erst seinen Trainer entlassen hat, und SW Meckinghoven kämpfen also auch mit Quotientenregelung um den Nichtabstieg.

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„Für Meckinghoven wird es eine schwere Saison“, sagt Thomas Fritzsche. Von der Platzierung Vinnums ist er hingegen überrascht. „Die waren in den letzten Jahren eigentlich ein sicherer Mittelfeld-Kandidat.“ Doch die Westfalia hat erst vier Tore erzielt, vor allem im Offensivbereich müsse sich also noch etwas tun, um wieder weiter nach oben zu kommen, so der Flaesheimer.

Am meisten verwundert ihn jedoch der drittletzte Tabellenplatz des VfB Waltrop. Gegen die Waltroper hatte die Concordia in der ersten Runde des Kreispokals noch mit 1:3 verloren. Zwar habe sein Team damals auch ein bisschen rotiert, sagt Fritzsche, „aber die haben eine gute Mannschaft, ich hätte nicht gedacht, dass die da unten stehen“.

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