Der 28-jährige Sim-Racer André Böttcher von der Modellsportgruppe des Halterner Rallye Clubs ging beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings an den Start.

Haltern

, 03.05.2020, 18:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings ist für Fahrer, Teams und Fans alljährlich das Highlight im Rennkalender.

Am vergangenen Wochenende kämpften weltweit mehr als 1200 Teams um den virtuellen Sieg beim erstmalig ausgetragenen „iRacing 24h Nürburgring powered by VCO“. Nach spannenden 175 Runden siegten Philipp Eng, Laurin Heinrich und Alexander Voss im BMW Z4 GT3. Den Teamerfolg komplettierten Bruno Spengler, Nils Koch und Kay Kaschube, die im Schwesterauto den letzten Podiumsplatz belegten. Platz zwei erkämpfte sich das „MAHLE RACING TEAM“ mit den Williams-Esports- Piloten Sami-Matti Trogen, Dominik Staib, Agustin Canapino und Alex Arana auf einem Audi R8 LMS GT3.

Mit dabei war auch der 28-jährige Sim-Racer André Böttcher. Der gelernte Informatiker ist seit 2017 Mitglied der Modellsportgruppe des Halterner Rallye Clubs. Mit Simracing fand er schnell ein weiteres, sportlich interessantes Betätigungsfeld indem er sich in kurzer Zeit etablieren konnte. Seine Erfolge blieben in der virtuellen Racingwelt nicht unbemerkt. Böttcher wurde 2018 von „Williams Esports“, dem Sim-Ableger des gleichnamigen britischen Formel-1-Teams verpflichtet.

Vor dem Start erarbeitete Böttcher zusammen mit seinen Teamkollegen Moreno Sirica (Italien), Arthur Lehouck (Frankreich) und Josh Thompson (Großbritannien) im Williams-Team in täglichen, zweistündigen Trainingssitzungen das passende „Set Up“ für den Audi R8 LMS GT3 und optimierte mögliche Rennstrategien.

Jagd durch die Grüne Hölle

Als am vergangenen Samstag um 15:45 Uhr Ortszeit die Startflagge für die 24 Stunden Hatz durch die „Grüne Hölle“ fiel, konnte Startfahrer Moreno in der Spitzengruppe gut mithalten. Er hatte sich bei der Zeitenjagd im Qualifying zuvor die Startposition P7 erkämpft und lieferte sich schon am Ende der ersten Runde auf der „Döttinger Höhe“, dem schnellsten Teilstück der gesamten Strecke, packende Windschattenduelle mit seinen Gegnern.

Nach zwei Stints von je sieben Runden übernahm Josh Thompson das Cockpit, der nach weiteren zwei soliden Stints an Böttcher übergab. „Kurz vor der Übernahme steigt der Adrenalinspiegel immer höher, doch nach dem Druck auf die Escape Taste ist man im Rennen“, so Böttcher.

Er jagte auf P6 liegend dem Feld hinterher, ließ es beim Anbremsen der ersten Kurven schon richtig krachen und konnte erst beim Einbiegen auf die Nordschleife in der „Hatzenbach“ erstmalig etwas durchatmen. Die Sprungkuppe am „Flugplatz“ meisterte er nach kurzem „Lupfen“ bei voll ausgedrehter 5. Welle mit ca. 240 Stundenkilometern. “Nach einem letzten Funktionscheck gab es danach bei der Aufholjagd nur noch das Motto Attacke.“

Ideallinie verfehlt

In seiner dritten Runde fuhr er voll am Limit, wurde aber trotzdem im Windschatten auf der „Döttinger Höhe“ von einem der pfeilschnellen Ferrari 488 GT3 überrascht und überholt. Sein anschließendes Kontermanöver auf der Start -Ziel Geraden blieb zunächst ohne Erfolg, und ein weiterer, zweiter Angriff im Bereich „Wehrseifen“ endete unglücklich mit einem leichten Einschlag in die Leitschienen. Böttcher: „Ich hatte etwas die Ideallinie verfehlt und geriet so auf den Grünstreifen.“ Trotz des beschädigten Heckflügels fuhr er weiter, denn ein Boxenstop hätte einen zusätzlichen Zeitverlust bedeutet.

Eine Szene aus dem virtuellen Rennen.

Eine Szene aus dem virtuellen Rennen. © InSim Photography

Bei Überrundungsmanövern, in denen es teilweise zu zweit nebeneinander durch die Bereiche „Wippermann“ und „Bünnchen“ ging, gelang es ihm sogar den Formel1-Star Max Verstappen, der in einem der schnellen Cup Porsche unterwegs war, zu überholen. Kurz vor Ende seines zweiten Stints erlebte er noch eine weitere Schrecksekunde als in der “NGK Schikane“ ein vor ihm fahrender TCR Audi plötzlich zu stark bremste. Böttcher konnte routiniert ausweichen und übergab danach auf Platz 9, immer noch in Schlagdistanz liegend, das Cockpit erneut an Thompson.

Vorzeitiges Aus

Doch dann kam völlig überraschend der Schock. Nach gerade mal zwei gefahrenen Runden wurde das Fahrzeug unverschuldet in eine Kollision verwickelt, die am Ende das vorzeitige Aus bedeutete. Im superschnellen Bereich „Adenauer Forst“ fuhr Thompson chancenlos mit Topspeed auf einen sich plötzlich auf der Strecke drehenden Cup Porsche auf. Böttcher, der am Bildschirm die Szene mit verfolgt hatte: „Ich hab gedacht, das darf doch einfach nicht wahr sein.“

Nach einer elfminütigen Reparaturzeit in der Box nahm das Team später zwar noch einmal probeweise Fahrt auf, doch der Schaden war für eine Weiterfahrt einfach zu groß.

Böttcher freute sich am Ende mit den Teamkollegen über den Erfolg des Schwesterautos vom Team „MAHLE RACING“ und sagt: „Es war ein tolles aber auch anstrengendes Event, denn die Nordschleife ist virtuell vielleicht noch schwieriger zu fahren als in der realen Welt.“

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