Reiten: Kestermann gewinnt gegen jede Regel

HALTERN Wenn sich Nicole Kestermann mit ihrem Friesen der Dressur-Konkurrenz bei Reitturnieren stellt, wird sie oftmals belächelt. Kampfrichter sehen Friesen nicht gerne im Viereck, werten kritisch - und beobachten auch so. Kestermann ist Showreiterin, Turniere sind für sie nur Abwechslung. Und in erster Linie Spaß. Trotz Kritik.

von Von Dominik Möller

, 21.07.2008, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicole Kestermann und ihre Mitreiterinnen.

Nicole Kestermann und ihre Mitreiterinnen.

Geritten ist sie eigentlich schon immer - der Sattel ist ihr zweites Zuhause. Vor etwas mehr als drei Jahren sattelte sie um, schloss sich der Showtruppe von Harry Weidekat (Unna) an. Der Friesenquadrille. Weidekat gilt als der Fachmann - wenn es um Friesen und ihr Training geht.

Mittlerweile hat sich Kestermann einer zweiten Truppe angeschlossen. Im Emsland, den Dreams in Black. Mit diesen beiden Gruppen absolviert sie ihre Shows, tingelt durch die Gegend und gestaltet das Abendprogramm diverser Veranstaltungen. "Es macht mir unglaublichen Spaß", sagt Kestermann. Und sie kommt rum, sieht viele Turniere und Messen - und hat mitunter Stress. Denn im normalen Leben ist Nicole Kestermann Altenpflegerin. "Zeitlich wird's manchmal ganz schön eng", sagt sie. Aber: es läuft. Irgendwie.Abwechslung statt Schleifchen

Turniere reitet sie in ihrer Freizeit - wenn man es so nennen will. Es geht ihr weniger um Schleifchen, als vielmehr um die Abwechslung. "Turniere und Shows kann man nicht vergleichen", sagt sie. Shows reite sie aus Leidenschaft - Turniere für zwischendurch - und trotzdem Stimmen die Erfolge.   "Ich bin Showreiterin", unterstreicht Kestermann. Zumindest in erster Linie. Die abschätzigen Blicke, mit denen Kampfrichter und Konkurrentinnen sie und ihren Friesen "Warzawa" begegnen, kontert sie mit Erfolg - und zwar gegen jede Regel.

Doch der Erfolg ist für sie nicht alles. Vielmehr sei es die Kreativität, mit der sie und ihre Mitstreiterinnen an Choreographien arbeiten, die das Teilsein einer Showgruppe ausmache. "Die Gruppendynamik, die sich im Prozess entwickelt, macht's super spannend", erzählt Kestermann. Außerdem würden beim Showreiten kleine Fehler vom Publikum verziehen - die Wertungsrichter hingegen drücken kein Auge zu.Von Piraten und Harleys

Im vergangenen Jahr trat sie mit den Dreams in Black im Fluch der Karibik-Stil auf. Die Reiterinnen waren weibliche Piraten - die Outfits der Pferde ebenfalls aufs Thema abgestimmt. "Das war genial", schwärmt Kestermann und verrät, dass das nächste Ass schon im Ärmel steckt. "Wir planen eine Rockernummer mit vier Harley Davidsons."

Die Pferde werden behutsam an das Knattern der Maschinen gewöhnt. "Es ist wie vor dem ersten Auftritt mit großem Publikum", sagt Kestermann. Und die Harley-Show könnte auch der Durchbruch werden. Ihr Ziel: ein Platz im Hauptprogramm der Pferdemesse Equitana.

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