Kreisliga-Kicker feiert Überraschungs-Comeback: „Die Leidenschaft ist zu groß“

dzFußball

Fast neun Monate nach seinem krankheitsbedingten Karriereende stand ein Halterner plötzlich wieder auf dem Platz. Eigentlich wollte er nur noch in der Kreisliga C kicken. Er wurde umgestimmt.

Haltern

, 30.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sei „definitiv das letzte Spiel“ gewesen, hatte ein Halterner Kreisliga-Kicker einige Tage nach einem deutlichen Sieg seiner Mannschaft im Dezember gesagt. Aufgrund einer von seinem Großvater vererbten Krankheit musste der 34-Jährige seine Karriere früher als geplant beenden. Doch 262 Tage später sollte sich seine damals getätigte Aussage als Irrtum herausstellen. Denn plötzlich stand der Mittelfeldmotor wieder auf dem Platz. Dass er es immer noch kann, bewies er direkt.

Als der ETuS Haltern sich am Sonntag, 26. Juli, zu einem internen Duell auf seiner Anlage an der Conzeallee traf, wird sich der ein oder andere Zuschauer gewundert haben, wer da plötzlich auch wieder auf dem Rasen stand: Dominik Wergen, der seine Karriere eigentlich für beendet erklärt hatte. Denn bereits seit mehreren Jahren hat Wergen mit Gicht-Anfällen zu kämpfen, die auch seine Knochen „angefressen“ hatten.

ETuS-Spieler Dominik Wergen: „Ich komme mir wie der Opa vor“

Es folgte eine Operation an seinem Fuß. Dabei stellte sich aber heraus, dass der Schaden, der auf den zuvor gemachten Röntgenbildern erkannt wurde, nicht ganz so schlimm wie ursprünglich angenommen war. „Das sah schlimmer aus als es war“, erzählt Wergen. Auch der Plan, Gewebe aus der Schulter im Fuß einzusetzen, wurde verworfen. „Das Gewebe ist jetzt von rechts nach links gezogen worden“, erklärt er.

Jetzt lesen

In den Monaten nach der Operation setzte Wergen vor allem auf natürliche Heilmittel, um wieder komplett fit zu werden, und erhielt dabei Unterstützung von seinem guten Freund Carsten Clev, der die Firma „Vita Partners“ leitet. Drei Monate nach dem Eingriff bekam Wergen dann das „Go“ seines Arztes, wieder Fußball zu spielen. „Aber nicht mehr so intensiv wie früher“, sagt er. Wergen nahm sich jedoch erst noch einen Monat Zeit, um zu überlegen, ob er wirklich wieder anfangen wolle. „Aber die Leidenschaft ist einfach zu groß“, sagt er.

Dominik Wergen (r.) stand 262 Tage nach seinem letzten Spiel plötzlich wieder für den ETuS Haltern auf dem Platz.

Dominik Wergen (r.) stand 262 Tage nach seinem letzten Spiel plötzlich wieder für den ETuS Haltern auf dem Platz. © Manfred Rimkus (Archiv)

„Dann fing er mit der Idee an, in der zweiten Mannschaft zu spielen“, erzählt sein Trainer Thomas Schaffrinna. „Das wäre doch total bescheuert“, habe er ihm daraufhin entgegnet. Die Reserve der Halterner spielt derzeit in der Kreisliga C. Einen Spieler von Wergens Format könne er auch noch in der Kreisliga A gebrauchen, erklärt Schaffrinna. Vor allem mit Blick auf die zahlreichen jungen Talente, die sich im Kader des ETuS tummeln, kann ein weiterer erfahrener Spieler nie schaden. „Von ihm können die jungen Spieler noch viel lernen“, sagt der Trainer.

Mit seiner neuen Rolle konnte sich Dominik Wergen bereits gut anfreunden. Er gebe seinen jungen Teamkollegen - allein in dieser Saison hat der ETuS zahlreiche A-Jugendspieler hochgezogen - gerne Tipps. Sowohl privat als auch auf dem Platz. „Aber ich komme mir wie der Opa vor“, erzählt er und lacht. Zu den jungen Spielern habe er dennoch ein sehr gutes Verhältnis. „Es hält ja auch jung“, sagt der Spieler, der älter als sein Trainer Phillip Oligmüller ist.

Jetzt lesen

Dass der 34-Jährige auch sportlich noch helfen kann, hat er beim internen ETuS-Duell gezeigt. Mit einem Doppelschlag kurz vor der Pause egalisierte der in Phillip Oligmüllers Team eingesetzte Dominik Wergen die 2:0-Führung von „Team Schaffrinna“. Nach der Pause verwandelte er noch einen Elfmeter zur 3:2-Führung und schnürte so einen Hattrick. Wenn Wergen in der Nähe des gegnerischen Tores den Ball bekommt, „macht er ihn halt rein“, sagt Thomas Schaffrinna.

Jetzt lesen

„Ich hab Blut geleckt“, sagt Dominik Wergen nun. Das Spiel am vergangenen Wochenende habe ihm wieder richtig Spaß gemacht. Ein großer Ansporn sei für ihn auch die Feststellung seiner jungen Teamkollegen gewesen, die merkten, „dass der alte Mann es immer noch kann“, erzählt er. In Zukunft kann er sein Können dann nach dem Wiederaufstieg des ETuS auch wieder in der Kreisliga A unter Beweis stellen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt