Seit zwei Jahren ist der 16-jährige Halterner Realschüler Artur Shahinyan begeisterter Gewichtheber. Bei den NRW-Landesmeisterschaften der Schüler hat er nun sogar den Sieg geholt.

Haltern

, 04.02.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit einem Jubelschrei auf den Lippen legte der 16-jährige Halterner Realschüler Artur Shahinyan die Hantelstange ab, als er bei den NRW-Landesmeisterschaften der Schüler im vergangenen September mit insgesamt 172 Kilogramm auf der Stange den Wettbewerb im olympischen Zweikampf gewann. Durch aktive Unterstützung seiner Eltern, die große Fans des in Ihrer Heimat Armenien als Nationalsport geltenden Gewichthebens sind, fand er nach Fußball und Taekwondo im Alter von 15 Jahren nun endlich seinen Sport.

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Da es in Haltern keine Möglichkeit gab, schaute sich Artur im August 2018 in der Kraftsportabteilung des SV Westerholt um. Er erinnert sich noch gut an seine ersten Versuche, als er die Hantelstange mit gerade mal 40 Kilogramm auf der Stange hochheben wollte. „Das ging nicht wirklich gut“, sagt er. Trotzdem habe es ihm gut gefallen, denn er bemerkte sofort: „Kraft liegt mir mehr als Ausdauer.“

Nach zwei Monaten hat er sich dann im Verein offiziell für den Sport angemeldet und unter den Vorgaben der Trainer begonnen, Eisen zu stemmen. Wichtig sei dabei vor allem das richtige Aufwärmen der Muskulatur und der Start mit zunächst leichten Gewichten. Begonnen habe er mit 20 Kilogramm, die dann später mit 2,5 Kilogramm schweren Steigerungen pro Seite immer weiter erhöht wurden.

Dabei zeigten ihm die Trainer auch gleich von Beginn an den richtigen Einsatz der Technik. „Technik ist speziell beim Gewichtheben der Schlüssel zum Erfolg“, so der 16-Jährige. „Die Hantel verzeiht keine Fehler, und schon geringste Abweichungen vom idealen Bewegungsablauf führen schnell zu ungültigen Versuchen.“ Alles beginnt mit einem sicheren Griff, dann kommt die Anspannung beim Ziehen und Heben und am Ende gilt es, das Gewicht in die saubere Standposition zu bringen.

„Nach etwa sechs Monaten unter Traineraufsicht wusste ich so ungefähr, wie das gehen sollte“, so Artur. Sein Trainingsfleiß sollte sich auszahlen, denn im September 2018 gelang es ihm schließlich erstmals, die 50 Kilo zu Reißen. Er steigerte sein Training auf drei intensive Einheiten pro Woche.

Das er damit auf dem richtigen Weg war, zeigte sich dann bei seinem ersten Wettkampf, einem Nikolausturnier in Dortmund. Angetreten im klassischen Zweikampf schaffte er im Reißen 57 und im Stoßen 70 Kilogramm. Das reichte am Ende für einen hervorragenden zweiten Platz in seiner Klasse und die erste Wettkampfurkunde mit Medaille.

Im Juni, also gerade mal ein halbes Jahr später lief es für den jungen Halterner Kraftsportler bei den Westfalenmeisterschaften in Hagen dann sogar noch besser. Mit 75 und 92 Kilo im Reißen und Stoßen schraubte er seine Gesamtleistung auf 167 Kilogramm, was für ihn eine tolle persönliche Steigerung war. Damit erkämpfte er sich in seiner Gewichtsklasse mit der Jugend Westfalenmeisterschaft auch seinen ersten offiziellen Titel. „Danach war ich total erleichtert und habe mich sehr gut gefühlt“, sagt er. Ganz nebenbei hatte er damit auch noch die interne Motivationswette gegen seinen Trainer Sebastian Klemm gewonnen, in der es als Ansporn um einen Energy Drink ging.

Größter Coup

Siege sind die beste Motivation und so trat Artur am im September vergangenen Jahres mutig bei den Landesmeisterschaften der Schüler NRW in Kreuztal an. Und dort gelang ihm sein bisher größter Coup. Im entscheidenden Versuch trat er hochkonzentriert und voller Erwartung an die Stange, schaute dabei noch ein letztes Mal nach rechts zu seinem Trainer, der daneben saß um den Hebevorgang zu coachen.

Dann ging Artur auf das Kommando der Wettkampfrichter mit „langem Arm“ in die Startposition brachte seinen Oberkörper in die notwendige leichte Vorlage, um dann das Gewicht mit explosiver Beschleunigung und maximaler Zugkraft in die Höhe zu bringen. Einmal kurz durchatmen und ein letzter Konzentrationsschub mit dem passenden Ausfallschritt um das Gewicht in die vorgeschriebene Standposition über dem Kopf zu bringen und es war geschafft.

Mit 172 Kilogramm Gesamtgewicht, verteilt auf 77 im Reißen und 95 im Stoßen ließ er der Konkurrenz am Ende keine Chance und legte als Landesmeister die Hantelstange ab. „Zuerst konnte ich das gar nicht glauben“, erinnert er sich. Seine Eltern haben selbstverständlich jeden seiner Versuche in der Halle mitverfolgt und Mutter Anna hatte Freudentränen in den Augen. Sie sagt: „Artur ist unser ganzer Stolz.“

Zum Jahresabschluss reiste Artur Anfang November auch erstmals mit zu einem Mannschaftswettkampf im holländischen Simpelveld. Als einziger Jugendlicher im Team schaffte er auch dabei sechs gültige Versuche. Erst als er nach 80 und 90 Kilo noch 100 Kilo zum Stossen auflegen ließ, musste er passen. Das war an dem Tag doch noch etwas zuviel.

In der aktuellen Saison will Artur erstmals die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften schaffen. „Die Teilnahme ist mein Ziel.“ Dafür ist er bereit auch weiterhin hart zu trainieren und speziell auch an der Verfeinerung seiner Technik zu arbeiten. Doch neben der Technik braucht es beim Heben zusätzlich auch noch Schnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und Kraft für den Erfolg. Hier will er sich mit einem gezielten Aufbautraining weiter nach vorne bringen. Das Training und die passende Ernährung sollen ihm auch dabei helfen, seine aktuelle Gewichtsklasse bis 81 Kilo zu halten.

Sehr wichtig ist ihm die Unterstützung durch seine Familie. „Mein Vater ist von Beginn an der beste Unterstützer, den ich mir wünschen kann und wichtiger Teil meiner sportlichen Entwicklung“, stellt Artur fest. Dankbar ist er auch seinen Trainern Christine Kressmann und Sebastian Klemm. „Ich habe von beiden sehr viel gelernt. Die Spannung beim Gewichtheben ist einfach unbeschreiblich. Das ist für mich sehr viel mehr als nur ein Hobby.“

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