Mountainbike: Helden auf Landgang

HALTERN/SCHLIERSEE Er ist der Mann, der hinter Esther Stockhofes Alpenüberquerung steht. Der Mentor. Er war Olympionike - und freut sich diebisch, wenn er über das Experiment Transalp-Tour spricht. Peter Schlickenrieder hat aus einer Amateur-Radfahrerin ohne Wettkampfambitionen eine Heldin gemacht. "Es ist allein ihr Verdienst", sagt er stolz.

von Von Dominik Möller

, 28.07.2008, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Esther Stockhofe im Sattel ihres Mountainbikes.

Esther Stockhofe im Sattel ihres Mountainbikes.

Esther Stockhofe und Peter Wortmann haben es hinter sich. Sie haben die Höllentour überstanden. Und als Beleg dafür, dass nicht nur Höllentour draufsteht, sondern auch drin ist, gab's für alle 1100 Starter vor jedem Start den "Highway to Hell" auf die Ohren.

Mit dem AC/DC-Klassiker stimmten die Veranstalter die Helden im Sattel auf die Etappen ein. "Zu diesem Lied werden alle Starter einen völlig neuen Bezug kriegen", sagt Tanja Behnke, Pressesprecherin von Peter Schlickenrieder - und Tagebuchführerin seiner Schützlinge.Schlickenrieder = Beckenbauer?

Schlickenrieder selbst kann seine Erfahrungen bei der Transalp nur schwer in Worte fassen. Er ist begeistert, dass das Experiment geklappt hat. In seiner Stimme mischen sich Begeisterung und Emotionen - mit seinem bayrischen Dialekt und der Freude in den Stimmbändern klingt er ein wenig wie Franz Beckenbauer, der in drei Sätzen einen Erfolg der Fußball-Nationalmannschaft zusammenfassen soll.   "Esther ist ein Pfundskerl", sagt er. Ihre Entwicklung sei bemerkenswert. "Was sie in den letzten 80 Tagen geschafft hat, verdient höchsten Respekt", sagt Schlickenrieder. Was Freude und Wille ausmachen, führt er aus, habe man an Esther gut nachvollziehen können. "Mitunter mussten wir sie in der Vorbereitung sogar bremsen", verrät er. Doch er war auch dabei, als Freude und Euphorie der totalen Erschlagenheit wichen.   Im Ziel der Königsetappe, auf 3900 m Höhe, hatte Esther die Nase gestrichen voll. "Sie war völlig erschöpft, völlig aufgelöst, ein Häufchen Elend", berichtet Schlickenrieder. Eine angenehme Nacht in einem Hotelbett später waren die Tränen getrocknet - und der Wille wieder da.Versuchkaninchen kämpft sich durch

"Sie hat sich durch dieses Tief gekämpft. Es gibt sicher einige, die zu diesem Zeitpunkt aufgegeben hätten", so Schlickenrieder weiter. Nicht so sein "Versuchskaninchen". Engagiert trat sie weiter in die Pedale - sie hatte ein Ziel. Eigentlich sogar zwei. Zum einen wollte sie nach Riva del Garda, zum anderen wollte sie das begehrte Finisher-Shirt. Sie wollte es - und holte es sich.

Im Ziel fiel die Anspannung von Esther und Peter ab. Sie hatten es geschafft. Sie hatten durchgehalten. Sie atmeten durch - und starteten in den Kurzurlaub. Zwei Tage Gardasee. Zur Entspannung. Zum Durchatmen. Verdient ist verdient - sie sind Mountainbike-Helden auf Landgang.Ein ausführliches Interview mit Esther Stockhofe und Peter Wortmann lesen Sie im Laufe dieser Woche in der Halterner Zeitung.

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