„Mit der eigenen Familie zu segeln, macht richtig Freude“: Die Lötzbeyers segeln gemeinsam

dzDas Sportporträt

Mittlerweile sind sie alle dem Segelsport treu. Die Halterner Familie Lötzbeyer segelt in einem Boot. Und das auch ziemlich erfolgreich. So nahmen sie an der Weltmeisterschaft teil.

Haltern

, 01.08.2019, 12:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit gleich fünf Crews stellten die Halterner Segler das größte Mannschaftskontingent bei der Segel-WM der „J22“ Klasse vom Anfang Juli in Warnemünde. Mit dabei waren auch Heike, Daniel und Marvin Lötzbeyer, die mit Gesamtplatz neun in die Top Ten segelten.

Erstmalig zusammen waren Heike und Daniel 1984 am Steinhuder Meer in der Piratenklasse unterwegs. „Da hat es schon gut geklappt. Sonst wären wir heute nicht verheiratet“, sagt Heike und lacht. Ein Schlüsselmoment für die Segelleidenschaft war die Travemünder Segelwoche 1986, bei der sie eine schlimme Sturmsee überstanden haben. In Haltern waren sie zuerst im Segelclub Westfalen (SCW) und seit 2015 am Prinzensteg.

„Weiter konkurrenzfähiges Segeln“

Daniel hat schon viel Erfahrungen bei großen Events gesammelt und war von 1990 bis 1997 zusammen mit seinem Schwager dreimal Deutscher Meister in der „Varianta“ Klasse. 2010 entschied sich die Familie zu einem erneuten Wechsel der Bootsklasse und schaffte mit der „I Force one“ erstmalig eine „J22“ an. Diese Bootsklasse wird in der Regel mit drei, kann aber auch mit vier Besatzungsmitgliedern gesegelt werden „Damit konnten wir für unsere Familie auch weiterhin ein konkurrenzfähiges Segeln im Regattabereich sichern“, sagt Daniel.

„Mit der eigenen Familie zu segeln, macht richtig Freude“: Die Lötzbeyers segeln gemeinsam

Daniel und Heike segeln seit 1984 zusammen. © Horst Lehr

Die Entscheidung zur Teilnahme an der WM in Warnemünde fiel schon im vergangenen Jahr. Erstmalig wurde die Veranstaltung in Deutschland ausgetragen. Daniel als der Stratege im Team war bei den Vorbereitungen in seinem Element. Planung von Anreise und Unterkunft waren schnell erledigt, danach ging es ans Eingemachte.

So wurde der Unterwasserteil des Schiffs einer genauen Inspektion unterzogen und geglättet, denn ein sauberes Boot hat weniger Widerstand im Wasser. Danach wurden alle Schoten und Beschläge am Schiff geprüft und instandgesetzt und zuletzt das neue Segeldesign installiert. Ab April begann das Segeltraining im heimischen Revier auf dem Halterner Stausee. 14 Tage vor dem Start gab es ein letztes gemeinsames Segeltraining mit allen Halterner Teilnehmern.

Beeindruckt von dem starken Wind

Die freien Trainingstage an den beiden ersten Veranstaltungstagen wurden von den Teilnehmern als letzte Trainingsmöglichkeit und zur Erkundung des Segelreviers genutzt. Am dritten Tag folgte die offizielle technische Kontrolle durch den Veranstalter und in den ersten offiziellen Trainingsläufen wurde es ernst. Die Crew zeigte sich sichtlich beeindruckt von den starken Winden. „Das waren gefühlt fünf Meter hohe Wellen“, sagt Heike

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Am ersten Wettkampftag waren vier Rennen angesetzt. Dafür hatte der Veranstalter in der Bucht vor Warnemünde einen Kurs von etwa 10 Seemeilen Länge gesetzt, der in rund 50 Minuten zu segeln war. Mit 31 Booten, darunter 17 deutschen Botten, hatte sich ein starkes internationales Teilnehmerfeld versammelt. Insgesamt gab es sieben Wettfahrten. An den letzten beiden Tagen fehlte der Wind.

Die Lötzbeyers hatten in den vier Rennen des ersten Tages keine wirklich guten Starts, konnten aber auf der Strecke hohe Geschwindigkeiten erreichen. „Vielleicht lag es an der großen Anspannung vor dem Start“, sagt Daniel. Am Ende lag die Crew im Zwischenergebnis auf Platz neun und im Team keimte Hoffnung auf, dass da noch mehr gehen könne.

Intensive Taktikbesprechung

In der einer intensiv geführten Taktikbesprechung entschied sich das Team für eine etwas aggressivere Strategie für den zweiten Tag. Die Halterner wollten schon mit Höchstgeschwindigkeit im rechten Moment an die Startlinie fahren, um so den mitgebrachten Speed direkt auf die Strecke mitzunehmen. Die Taktik ging auf und schon beim Kreuzen am Wind wurden fast sechs Knoten erreicht. „Hier kann sich ein Rennen schon entscheiden. Wer nur gerade fünf Knoten schafft, ist eigentlich schon chancenlos“, sagt Daniel.

Nach den Starts konnte mit der passenden Segeleinstellung hoch am Wind gesegelt werden und Daniel brachte am Kompass seine ganze Erfahrung ins Spiel. Auf dem Kurs konnte er die entstehenden Winddreher schon früh erkennen und entsprechend reagieren. „Unterwegs musste ich die Segelsituation permanent abwägen und notwendige Korrekturen frühzeitig einleiten“, sagt Daniel.

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Unterwegs ließ die „I Force one“ unterwegs mehrfach anderen Schiffen das Vorrecht, um dadurch selbst in eigener Kontrolle weiter zu segeln. So konnte vor dem Wind mit höherem Speed gesegelt werden.

Eine besondere Situation haben alle noch vor Augen. Dabei segelten sie unter starkem Wind mit gesetztem Spinnaker in Richtung Ziel, als ein Mitsegler immer näher kam. „Marvin erkannte die Situation direkt, kam vom Vorschiff und übernahm von mir den Spinnaker. Mit mehr Kraft hielt er das Segel noch dichter und wir konnten auf der Welle weiter surfen“, sagt Heike.

„Häufig ein lachender Dritter“

Wer seine Strategie unterwegs permanent an den Gegebenheiten ausrichten kann, ist am besten beraten. So gelingt es am ehesten, solche direkten Zweikämpfe zu vermeiden, denn die Erfahrung zeigt: „In diesen Situationen freut sich häufig ein lachender Dritter“, sagt Daniel.

Auch am zweiten Wettkampftag stand am Abend Platz neun auf dem Zeitentableau und als danach die weiteren Wettfahrten abgesagt wurden, lagen sich alle drei glücklich in den Armen, denn mit einem Top-Ten-Platz unter den besten Seglern dieser Klasse hatten die Halterner im Vorfeld nicht gerechnet.

„Es war schon ein tolles Gefühl die Nationalhymnen bei der Siegerehrung am Hafen zu hören“, sagt Heike. Auch Daniel zieht ein positives Fazit: „Mit der eigenen Familie so zu Segeln, macht schon richtig Freude“.

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