Diese Halterner haben ein außergewöhnliches Hobby. Sie sind FPV-Racer und steuern Modellflieger, sogenannte Race Copter, durch eine an Bord befestigte Kamera und Datenbrille.

Haltern

, 18.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„FPV“ steht für den englischen Begriff „first person view“. Das bedeutet, die Piloten erleben den Flug aus der Sicht des Copters, den sie steuern. Auf diesem ist eine kleine Kamera montiert, die ihr Videobild in Echtzeit an die Videobrillen der Piloten überträgt.

„Man fühlt sich wie ein Pilot in einem Star-Wars-Geschwader“, sagt der Halterner Manfred Rimkus und beschreibt damit die Bilder, die er in Echtzeit auf seiner Flugbrille sieht, wenn er einen seiner „Race Copter“ fliegt. Er kam 2016 durch Zufall zu diesem rasanten, neuen Trendsport als er im TV die Übertragung eines WM-Laufs sah. „Das will ich unbedingt auch machen“, stand für ihn sofort fest.

Nur Frust

Rimkus informierte sich, bestellte die notwendigen Bauteile und begann mit dem Zusammenbau. Rückblickend sagt er: „Die ersten 14 Tagen war das eigentlich nur Frust, denn ich musste nach vielen Abstürzen immer wieder den Copter bergen und neu starten.“ Am Ende bekam er sogar noch Ärger mit seiner Frau, weil er beim rasanten Flug durch das heimische Wohnzimmer eine der Zimmerpflanzen glatt abrasierte. „Um die Gemüter wieder zu beruhigen habe ich ihr natürlich sofort eine neue Pflanze gekauft“, schmunzelt er.

Doch vier Wochen später war beim ersten Außenflug in „freier Wildbahn“ alles gut. Da konnte er dann auch endlich „richtig Gas geben“ und die Faszination seines neuen Hobbys in vollen Zügen genießen. „Das kommt dem großen Menschheitstraum des Fliegens schon sehr nahe“, sagt er. 2017 trat er als Gründungsmitglied einer Fluggruppe bei, die sich nun regelmäßig zum gemeinsamen Flugtraining trifft. Mittlerweile hat er sogar noch drei weitere Halterner „Piloten“, die alle viel Spaß an der Fliegerei haben, zu der Gruppe gebracht.

Sebastian Scherlitzki aus Hullern, hat als Rohrnetzbauer bei Gelsenwasser nicht unbedingt tagtäglich mit elektronischer Feinmotorik zu tun. Doch als er vor rund zwei Jahren im heimischen Garten so ein Renngerät an sich vorbeifliegen sah, war es auch um ihn geschehen. Er war sofort begeistert: „Ich kaufe mir schon gerne auch mal besondere Sachen.“ So hat er beim Kauf seines Copters mit rund 400 Euro schon gleich etwas tiefer in die Tasche gegriffen. „Ich war schon nach kurzer Zeit der Faszination dieser Cockpitflugperspektive völlig erlegen.“

Dabei gab es natürlich auch schon eine Schrecksekunde zu überstehen, als sein Fluggerät in einem Baum landete, doch mit einer gewagten Bergungsaktion konnte er den Copter noch retten. Für ihn ist die scharfe Wende, der „Yaw-Spin“ beim Fliegen immer noch die größte Herausforderung. „Der Copter driftet dabei gerne aus, das gilt es unbedingt zu vermeiden.“

Der 44-jährige Halterner KFZ-Mechaniker Albert Buttgereit kam über die Videoplattform „YouTube“ zu dem Sport. Ihn reize die Kombination aus Modellbau und Geschwindigkeit. So bestellte er sich vor rund einem Jahr seinen ersten „Graupner Alpha“-Bausatz. Er hat dann etwas später Manfred Rimkus kennengelernt und ist seitdem mit Begeisterung in der Gruppe dabei.

Flugtechnisch ist ihm das „Höhe Halten“ sehr wichtig. „Wenn man nichts macht, stürzt man ab“, erklärt er. „Das ist schon ein sehr intensives Hobby, nach drei Akkuladungen und rund zehn Flugminuten braucht man dringend eine Entspannungspause.“

Empfindliche Elektronik

Der Copter besteht aus einem Carbonrahmen, der in seinem Inneren die empfindliche Elektronik schützt. Der Antrieb erfolgt über sogenannte „LiPo’S“, Flugakkus, die je nach Stärke etwa drei Minuten Flugzeit ermöglichen. Eine der wichtigsten Komponenten beim „FPV fliegen“, also dem Fliegen aus der Ich-Perspektive, ist neben der Fernbedienung aber die Brille. Erst damit werden die rasanten, virtuellen Echtzeitbilder für das menschliche Auge sichtbar, die der Copter in einer Videosequenz als Livebild über einen Sender überträgt.

In der Halle werden die kleineren Copter mit einem Topspeed von 70-80 Stundenkilometern durch die meist selbst aufgebauten Hindernisse geflogen. Bei Flügen im Freien erreichen die großen Copter aber locker Geschwindigkeiten von bis zu 200 K/mh.

“Die Kosten sind überschaubar, doch mit der Brille muss man schon fliegen können. Das fliegen selbst lernt man am besten, indem man zuerst auf Sicht fliegt“, so Manfred Rimkus. „Wer aber übermütig unterwegs ist, bei dem kann es schon mal etwas teurer werden.“ Unter den Piloten gilt: „Zuviel Equipment gibt es nicht“ und so haben alle neben mehreren Fluggeräten auch immer reichlich Ersatzteile und Spezialwerkzeug dabei.

In der Sporthalle Dülmen

Technikinteressierte bauen ihre Copter natürlich selbst zusammen, man kann aber auch flugfertige FPV-Racer erwerben. Ist der Copter dann in der Luft, nutzen die Piloten ihr technisches Know-how und die erworbenen fliegerischen Fähigkeiten, um möglichst effektiv durch die Tore und Hindernisse zu fliegen.

Die Gruppe trifft sich in der Winterzeit wöchentlich zum Fliegen in der Sporthalle der ehemaligen Paul-Gerhard Schule in Dülmen. Draußen wird nur bei besserem Wetter geflogen. Dabei halten sich alle natürlich an die gesetzlichen Vorgaben und die Empfehlungen des Deutschen Modellflieger Verbands. (DMFV).

FPV steht für First Person View und bedeutet, dass der Pilot aus Sicht des Multicopters fliegt. Neben Multicopter mit integrierter Kamera und Videosender gehören auch Sender (Fernsteuerung), passende Akkus, Ladegerät und ein Videoempfänger mit Monitor oder Videobrille zum benötigten Equipment. Sender und Empfänger arbeiten üblicherweise mit 2,4 GHz, die Videoübertragung mit 5,8 GHz. Multicopter, die das Videosignal per WLAN übertragen, sind vor allem im günstigen Preissegment zu finden und nicht für FPV-Flüge geeignet. Es gibt strenge gesetzliche Bestimmungen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt