Seit fast 20 Jahren reitet die heute 26-Jährige Märthe Anhuth. Im Januar 2020 feierte sie ihren größten sportlichen Erfolg. Im Sportporträt stellen wir ihre bisherige Karriere vor.

Haltern

, 19.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Halterner Dressurreiterin Märthe Anhuth war in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Pferden erfolgreich unterwegs. Neben drei Stadtmeisterschaften hat sie mit vielen weiteren guten Platzierungen schon mehr als 100 Schleifen eingeritten. Doch ihren größten Erfolg feierte die 26-jährige, sympathische Reitamazone im Januar diesen Jahres beim „K+K-Cup“ in der Halle Münsterland mit einem überzeugenden Sieg im Finale des „LVM-Youngster-Championats“.

Ein Pferd als Lehrmeister

„Begonnen hat für mich alles mit acht Jahren beim Ponyreiten auf dem Reiterhof Budde“, erzählt Anhuth. 2001 bekam sie auf dem Familienpferd „Fridolino“ die Gelegenheit, ein voll ausgebildetes Pferd zu reiten. „Der war mein Lehrmeister“, sagt sie. Mit ihm lernte sie die wichtigen Grundlagen der Reiterei und auch die ersten Dressurlektionen.

Das alte Familienpferd "Fridolin" war Märthe Anhuths Lehrmeister.

Das alte Familienpferd "Fridolin" war Märthe Anhuths Lehrmeister. © Privat

Die heute 26-Jährige erinnert sich noch gut an die ersten Starts in Jugendreiterwettbewerben, bei denen „Frido“ so manchen ihrer Fehler korrigierte. Nach und nach lernten beide immer mehr voneinander und Anhuth freute sich über erste gute Platzierungen. Auf den ersten Sieg musste sie aber noch etwas warten, der gelang ihr erst mit 14 Jahren bei einer L-Dressur in Reken. 2006 war das. „Damals war ich total stolz mit meiner ersten Siegerschleife“, erinnert sie sich. Überhaupt war 2006 für die junge Reiterin so etwas wie ein Schlüsseljahr, denn die Lektionen liefen gut. „Ich habe damals mit jeder Prüfung mehr gelernt.“

Unter Schmerzen ohne Bügel im Winter geritten

Maßgeblich am Erfolg beteiligt war aber das Familienteam. „Meine Mutter war die beste private Trainerin. Sie hat immer mit hoher fachlicher Kompetenz und sehr viel Motivation auf die korrekte Ausführung der einzelnen Übungen geachtet.“ Besonderen Wert legte Mama Anhuth auf die „Sitzschule“. „Ich bin gefühlt einen ganzen Winter ohne Bügel geritten um den gestreckten Sitz zu optimieren“, erinnert sich Anhuth. Das war schmerzhaft, doch die Mühe hat sich ausgezahlt. Jahre später profitiert sie nun von ihrem guten Sitz.

Als „Frido“ einige Jahre später in Rente ging, stand mit der westfälische Stute „Rubinia“ bereits ein Ersatzpferd zur Verfügung. Mit Unterstützung von Mutter Bettina und Schwester Wiebke bildeten sie die junge Stute sorgfältig aus. Mit ihr besuchte Anhuth auch einen mehrtägigen Lehrgang in Everswinkel, bei dem sie ganz neue Reiterfahrungen bei der Vielseitigkeit im Gelände machen durfte.

Einfach mal draufgesetzt

2017 kam der westfälische Wallach „Flo Renciano“ in die Familie. Drei Jahre war er erst alt. Als sich „Rubinia“ verletzte, setzte sich Anhuth einfach mal drauf – und hatte direkt ein gutes Gefühl. Ein Jahr später hatte sich „Flo“ prächtig entwickelt und sollte seine ersten Turniere reiten. Dafür bot sich der „LVM-Rolf-Beckmann-Cup“, eine Jungpferdeserie im Kreis Recklinghausen, an. Nach ersten Erfolgen konnte sich Anhuth für das Finale in Recklinghausen qualifizieren. Mit der Wertnote 8,0 belegte sie auch gleich einen hervorragenden zweiten Platz.

Jetzt lesen

2019 begann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Trainerin Dina Hodde auf dem Hof Ludbrok in Oer-Erkenschwick . Mit ihr zusammen fiel auch die Entscheidung für die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren zum „LVM-Youngster-Championat“. In dieser, nur für 5-jährige Pferde ausgeschriebenen Turnierserie, konnte Anhuth im vergangenen Jahr bei sechs von acht möglichen Starts fleißig punkten, und sich im August mit 29 Punkten unter den besten acht Teilnehmern für das große Finale in Münster qualifizieren.

Erst ent-, dann angespannt

Zusammen mit Freunden, der Familie und ihrer Trainerin reiste Anhuth am Sonntag, den 12. Januar diesen Jahres, zum großen Finale in die Halle Münsterland. Sie hatte sich gerade so von einer Erkältung erholt. Dennoch war sie entspannt. „Eigentlich kannst du ja locker bleiben, denn mit der Finalteilnahme ist ja bereits ein Traum wahr geworden“, dachte sie. Doch vor dem Start um Viertel vor acht am Morgen stieg die Anspannung. Trainerin Dina beruhigte sie: „Konzentriere dich nur auf dich selbst.“

„Das war schon der Hammer. Nun konnte ich voll auf Angriff reiten, denn der Podiumsplatz war schon sicher.“
Märthe Anhuth

Das hat geholfen. Schon beim Einreiten spürte Anuth die innere Versammlung von „Flo“, kam gut durch den Parcour und stand am Ende der Pflichtrunde als Führende der besten Drei in der Endausscheidung. „Das war schon der Hammer. Nun konnte ich voll auf Angriff reiten, denn der Podiumsplatz war schon sicher.“ Und mit diesem sicheren Gefühl liefen die Lektionen noch besser als beim ersten Start. „Flo“ zeigte sein ganzes Können. Eine fast perfekte Wende auf der Hinterhand, die gelungene Volte und ein hervorragender Wechsel in den Außengalopp gaben dem Paar immer mehr Sicherheit. „Flo war total konzentriert und voll bei mir“, sagt die Reiterin. So konnte sie ihn noch mehr versammeln und am Ende ganz korrekt auf der Schlusslinie reiten.

Gänsehaut beim Zuschauen

Doch erst als Anhuth die Wertnoten Trab 8,5, Schritt 7,5, Galopp 8,5, Durchlässigkeit 9,0, Gesamt 8,5 und damit die Endnote von 8,4 hörte, stand ihr Gesamtsieg fest. Fassungslos vor Glück umarmte die 26-Jährige zuerst ihr Pferd. Als sie wenig später mit grüner Siegerdecke unter dem Jubel der Zuschauer zur Platzierung ritt, überwältigten sie Glücksgefühle. „Es war einfach unglaublich.“ Schwester Wiebke, die natürlich vor Ort mit gefiebert hatte, erklärt: „Das war ein so harmonischer Ritt, ich hatte Gänsehaut beim Zuschauen“.

Das „Flo“ zusätzlich noch die Auszeichnung „bestes westfälisches Pferd“ bekam, machte den Erfolg komplett. Mehr ging nicht. Anhuth sagt: „Ich habe das alles erst zwei Tage später nach Ansehen des Videos richtig realisiert.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Reiten - Signal Iduna Cup
Aller Empfehlungen zum Trotz: Veranstalter Kaspar Funke hätte Signal Iduna Cup zu Ende gebracht