Jannis Scheuch hatte andere Pläne als RW Essen und RW Oberhausen

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Jannis Scheuch hat darauf verzichtet, in der Regionalliga gegen namhafte Gegner wie RW Oberhausen oder RW Essen zu kicken. Stattdessen hat er sein zweites Hobby zum Beruf gemacht.

von Ralf Weihrauch

Haltern

, 30.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er hätte gegen den Traditionsverein RW Essen spielen können, wäre auf die ehemaligen Bundesligisten RW Oberhausen und Alemannia Aachen getroffen. Jannis Scheuch hatte aber andere Pläne. Um sein anderes Hobby zum Beruf zu machen, hat er auf einen Karrieresprung verzichtet.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fußballer nach ihrer Karriere den Weg auf einen Golfplatz finden. Jannis Scheuch, Ex-Spieler des TuS Haltern und mittlerweile Fußballer beim SV Dorsten Hardt, wollte aber nicht bis zum Karriereende warten, sondern steht mittlerweile mitten in der Ausbildung zum Golflehrer.

Mit dem TuS Haltern schaffte Jannis Scheuch den Aufstieg in die Regionalliga.

Mit dem TuS Haltern schaffte Jannis Scheuch den Aufstieg in die Regionalliga. © Krimpmann

Der 29-Jährige absolviert sie im Golf-Club Haus Leythe in Gelsenkirchen. „Seit Januar bin ich PGA-Golflehrer-Assistent und habe den Status eines Golf-Profis. Die Ausbildung wird Ende des Jahres beendet, und dann bin ich Golflehrer“, sagt Scheuch.

Trainingsaufwand zu hoch

Schon als Fußballer hat es Jannis Scheuch recht weit gebracht. Er spielte für den SV Hardt, den SV Schermbeck und den TuS Haltern. Mit den Seestädtern schaffte er den Aufstieg in die Regionalliga, ein Erfolg, der ihn zu einer schweren Entscheidung zwang: „Ich hätte sehr gerne in der vierten Liga gespielt, doch der Trainingsaufwand wäre nicht mit der Ausbildung vereinbar gewesen.“ Also entschied er sich, wieder zum SV Hardt zurückzukehren und tritt nun wieder in der Landesliga an.

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Vor rund acht Jahren griff Scheuch zum ersten mal zum Golfschläger, als ihn sein Bekannter Jürgen Kasper zum ersten Mal mit auf die Driving-Range nach Westerholt nahm: „Golf hat mich gleich gepackt. Es hat mich fasziniert, wie weit ich den Ball schlagen konnte und welche Präzision das Spiel erfordert.“

Der nächste Schritt war die Platzreife und es folgte das erste Turnier. Im Weselerwald hat er als Anfänger ein unglaubliches erstes Turnier gespielt. Seine 77 Nettopunkte mit 79 Schlägen haben bei allen Teilnehmern für ungläubiges Staunen gesorgt: „In einem Jahr habe ich mich dann auf Handicap neun heruntergespielt. Da habe ich gemerkt, dass noch viel mehr geht.“

Nach seiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten begann der Golfer sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bochum. Als Werksstudent arbeitete er zudem im Golf-Club Haus Leythe. Neben seiner Tätigkeit im Büro erwarb er seine C-Lizenz: „So durfte ich auch schon bei der Platzreife aushelfen.“

Der Schritt zur Ausbildung bei der Golfschule war schnell gemacht. Seine Arbeit umfasste nicht nur den Unterricht: „Ich musste abends die Bälle auf der Range aufsammeln und auch an den Grünanlagen mitarbeiten.“

Seine erste Prüfung war auch gleichzeitig schon eines seiner Highlights. Im Golf-Club Bitburg galt es, zwei Runden mit zwölf Schlägen über Par zu beenden. Über Par steht dabei für die Anzahl an Schlägen, die Golfer durchschnittlich benötigt, um den Ball vom Abschlag in das Loch zu spielen.

Scheuch schaffte das locker in sechs Schlägen über Par. Auf einer der beiden Runde spielte er mit Daniel Wünsche. Wünsche war damals Playing-Pro auf der Challenge-Tour, so etwas wie die zweite Liga in Europa: „Das war noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Daniel hat die Runde mit fünf unter Par beendet,“ erinnert sich Scheuch immer noch mit großem Respekt an die 67er-Runde seines Flightpartners.

Eigene Persönlichkeit stärken

Sein Bekanntenkreis und auch seine Fußball-Kollegen haben anfangs noch dumme Sprüche über den Golfsport gemacht: „Ich habe ein paar von ihnen mit auf die Driving Range genommen. Sie waren verblüfft, wie schwer es ist, den Ball zu treffen. Alle waren begeistert und erkannten, dass Golf Leistungssport ist.“

Golf sei außerdem auch geeignet, die eigene Persönlichkeit zu stärken: „Der Sport lehrt Demut. Es ist fast ausgeschlossen, 18 Löcher gleich gut zu spielen. Man ist immer selber für sein Spiel verantwortlich und kann nie die Schuld bei anderen suchen, wenn etwas nicht funktioniert.“

Das Image des Golfsports habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Er wird nicht länger als Sport der Wohlhabenden angesehen, weiß Scheuch: „Schläger-Sets für Anfänger gibt es schon sehr günstig und jeder Club bietet Schnupperkurs an. Selbst die Mitgliedsbeiträge in den Vereinen sind erschwinglich geworden, da es viele verschiedene Beitragsmodelle gibt.“

Wie es nach der Ausbildung weitergeht, weiß Scheuch noch nicht: „Ich könnte bei einer Golfschule als Angestellter anfangen, kann mich aber auch als Golflehrer selbstständig machen. Dafür muss ich mich aber erst etablieren.“

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