Extremsportler verzichtet auf den Hawaii-Ironman und stellt sich einer anderen Challenge

dzRudolf Schubert

Der Halterner Extremsportler Rudolf Schubert hat sich für den „Ironman“-Wettbewerb auf Hawaii qualifiziert. Dort tritt er aber nicht an. Stattdessen stellt er sich einer anderen Challenge.

Haltern

, 29.08.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Teilnahme am „Ironman“-Wettbewerb auf Hawaii ist der Traum vieler Triathleten weltweit. Doch nur ganz wenigen ist dies nach einer anspruchsvollen Qualifikation auch wirklich vergönnt. Der Halterner Extremsportler Rudolf Schubert hat es geschafft. Aber er hat auf die Teilnahme wegen einer anderen Herausforderung verzichtet.

Er fährt in diesem Jahr lieber mit dem Rad auf 5.000 Meter Höhe durch die Atacama-Wüste in Bolivien und Chile. „Diese extreme Radtour findet nur eine Woche nach Hawaii statt. Beides zusammen geht nicht“, sagt Rudolf Schubert.

Etappen der Tour des France abgefahren

Er hatte sich zuerst nur auf das Radfahren konzentriert und 2015 mit der „Pretour“ alle Etappen des härtesten Radrennens der Welt, der „Tour de France“, immer einen Tag vor dem eigentlichen Hauptfeld abgefahren.

Als das geschafft war, fühlte er sich bereit für weitere Härteprüfungen und fuhr in den USA durch die Rocky Mountains, war in Australien und Tasmanien unterwegs und hat bei weiteren großen Fernfahrten auch alle legendären großen Tourgipfel gemeistert.

„Schau doch mal beim Triathlon rein“

Bei der Suche nach weiteren Herausforderungen ließ er sich dann von seiner Nachbarin, der erfolgreichen Triathletin Eva-Maria Arning, die selbst schon sechs „Ironman“ gefinisht hat, inspirieren. „Schau doch mal beim Triathlon rein“, sagte sie ihm und leitete ihn auch zu den ersten Trainingseinheiten an.

Gemeinsam starteten beide beim „Borkener Volkstriathlon“. Schubert erinnert sich: „Ich kam zwar ins Ziel, aber das war ein einziges Desaster. Das griechisch-römische Freistilringen unter Wasser war nichts für mich“, erinnert er sich an seinen ersten Versuch im Schwimmen.

Gezieltes Schwimmtraining beim Halterner Schwimmverein

Doch da war er schon längst mit dem Triathlonvirus infiziert und relativierte nüchtern: „Im Wasser fehlt mir noch was, aber der Rest war gut.“ Dieses Problem löste er mit einem gezielten Schwimmtraining beim Halterner Schwimmverein. Da lernte er den richtigen „Crowl“-Stil. Zuerst bei Trainerin Nadine Urbanek und seit etwa einem halben Jahr bei Jonas Konietzka.

Stetige Zeitenverbesserungen auf der 4000-Meter-Strecke bestätigen seinen Entschluss. So hat er seine Leistung mittlerweile schon um rund 20 Minuten auf 1:35 Stunde verbessert.

2018 fühlte er sich bereit für das Abenteuer

Nach Spitzenplatzierungen in seiner Altersklasse (AK) 65 bei weiteren Starts über die Olympische Distanz beim Triathlon in Riesenbeck und dem „Steelman“ in Steinbeck über die Mitteldistanz befasste er sich auch mit den Möglichkeiten eines Starts bei einem echten „Ironman“.

Nach hartem Training fühlte er sich 2018 bereit für dieses Abenteuer. Er startete mit Eva-Maria Arning in Hamburg. Er schaffte mit dem Finish zwar sein persönliches Ziel, doch weil das Schwimmen wegen der Algenpest in der Außenalster ausfiel und dafür zusätzliche sechs Kilometer gelaufen wurden, fühlte das sich für ihn irgendwie „nicht richtig“ an.

Neuer Versuch in diesem Jahr

In diesem Jahr wollte er es dann noch einmal wissen. Er bereitete sich mit einem akribischen Trainingsprogramm auf den erneuten Start vor. Geplant waren tägliche Einheiten mit Laufen oder Radfahren plus Schwimmen. Doch schon im Januar musste er einer Verletzung Tribut zollen. Er konnte bis April nicht sein volles Programm absolvieren.

Trotz dieses Handicaps kam er am Ende doch noch auf rund 6000 Trainingskilometer, die er auf der Laufstrecke mit dem Rennrad und im Wasser abspulte. Den „Steelman“ nutzte er im Juni als letzten Test unter Wettbewerbsbedingungen.

Super nervös an der Startlinie

Er stand so gut gerüstet, aber super nervös am 28. Juli an der Startlinie der Hamburger Binnenalster. „Bleib ruhig“, sagte er sich um 6.40 Uhr kurz vor dem Start. Doch nach dem Startbefehl sprang er mit dem gleichen Adrenalinschub wie alle 2500 anderen Starter ins Wasser.

Doch schon bei der ersten Disziplin wurde es schwierig für ihn, die optimale Linie zu finden. So musste er rund 200 Meter mehr an Wegstrecke zurücklegen. Stresspunkt war dabei die Verengung unter einer Unterführung die nur noch gefühlte 30 Meter breit war. „Man glaubte, es geht mit dem Kopf geradewegs in die Dunkelkammer“.

Er verlor wertvolle Zeit

Beim Auspellen aus dem Neopren-Anzug verlor er weitere wertvolle Zeit, bevor er dann endlich auf dem Rad in seinem eigentlichen Element war. Seinen Plan, auf den 180 Kilometern einen 30er-Schnitt zu fahren, konnte er zwar wegen starkem Gegenwind nicht ganz verwirklichen, aber unterwegs machte er viele Plätze gut. Dabei genoss er die tolle Streckenführung, die mit der Befahrung der imposanten „Köhlerbrandbrücke“ einen echten Höhepunkt bot.

Extremsportler verzichtet auf den Hawaii-Ironman und stellt sich einer anderen Challenge

Rudolf Schubert beim „Ironman“ in Hamburg © Benjamin Glöckner

Schwierigkeiten bereitete ihm dabei nur ein Elektrolytgetränk, das er an einem der Verpflegungspunkte zu sich nahm. Davon bekam Schubert so starke Magenbeschwerden, dass er zeitweise nicht einmal mehr die optimale Position auf dem Rad einnehmen konnte. Als er nach rund sechs Stunden erneut in die Wechselzone kam, stieg er mit einem positiven Gedanken in die Laufschuhe: „Was habe ich schon alles geschafft!“

Magenbeschwerden belasteten ihn weiter

Jetzt lagen noch viermal 10,5 Kilometer Laufstrecke vor ihm - entlang an der Alster bis zum Wendepunkt und wieder über den Rathausmarkt zurück in die Innenstadt. Vom Start an belasteten ihn auf den ersten 15 Kilometern noch die Magenbeschwerden.

Doch danach wurde es besser. Bis etwa Kilometer 30. Jede Bewegung bereitete immer größere Schmerzen und er bekam Angst vor den nächsten Schritten. Im Kopf mit den Gedanken „Hör auf und gehe“ quälte er sich immer weiter, denn ihm war klar: „Dann dauert es ja noch länger“.

„Das schaffe ich auf jeden Fall“

Erst kurz vor dem Ziel gelang es ihm endlich, die quälenden Gedanken zu verscheuchen, und er war sich sicher: „Das schaffe ich auf jeden Fall“. Auf dem roten Teppich des Zielkanals lief er im Partynebel die letzten 400 Meter wie im Rausch und als die Zuschauer: „Rudolf you are an Ironman!“ (Rudolf, du bist ein Ironman) jubelten, fühlte er keine Schmerzen mehr.

Er freute sich, nach 14:22:21 Stunden total über den Sieg in der AK 70. „Wow ich hab es geschafft“, dachte er sich. Obwohl die Qualifikation gar nicht sein Ziel war, hat er die Siegerehrung genossen: „Ein Finish auf dem Podium ist einfach das Größte“.

Rad-Tour durch die trockenste Wüste der Erde

Dass er sich dann doch gegen Hawaii entschieden hat, begründet er mit seinem schon lange vorher geplanten Start bei dem Rad-Event „Elements of the Universe“. Diese Tour führt Schubert in neun Etappen mit durchschnittlich 100 Tageskilometern von der Pazifikküste Chiles durch die Atacama-Wüste, hinauf in die Anden bis auf 5.000 Meter Höhe, nach Bolivien und wieder zurück.

Auch diese Tour durch die trockenste Wüste der Erde will Schubert erfolgreich beenden. „Am Ende bringt dich immer nur der Kopf wirklich ins Ziel“, sagt er sich.

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