Ehemaliger Regionalliga-Kicker des B-Ligisten ETuS Haltern muss seine Laufbahn beenden

dzFußball

Es lief die 89. Minute im Spiel des ETuS Haltern, als Trainer Thomas Schaffrinna einen seiner Leistungsträger vom Platz holte. Für viele ein emotionaler Moment. Der Hintergrund ist tragisch.

Haltern

, 11.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Sonntag war es nicht nur für den ETuS Haltern das letzte Spiel im Jahr 2019 - der ETuS gewann gegen Deuten II mit 8:0 -, sondern wohl auch das letzte Spiel der Laufbahn für einen Halterner Leistungsträger.

Denn: Dominik Wergen, Mittelfeldmotor der Eisenbahner, wird seine Fußballschuhe für immer an den Nagel hängen müssen. Für den 34-Jährigen war es „definitiv das letzte Spiel“. Sein geliebtes Hobby kann er künftig nicht mehr ausüben. „Es tut weh“, sagt er. „Ich spiele seit 29 Jahren Fußball und liebe diesen Sport. Ich hätte die Entscheidung über mein Karriereende lieber selbst getroffen, aber das Leben ist halt manchmal kein Wunschkonzert.“ Nach seinem letzten Heimspiel vor zwei Wochen habe er sogar ein paar Tränen vergossen, gibt er ganz offen zu.

Bereits seit mehreren Jahren hat Dominik Wergen mit Gicht-Anfällen zu kämpfen. „Ich habe das von meinem Opa geerbt. Die Schmerzen sind enorm, noch schlimmer als Zahnschmerzen. Das wünscht man selbst seinem größten Feind nicht.“

Nadelförmige Kristalle

Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden. Bei einem Gichtanfall schwellen bestimmte Gelenke innerhalb weniger Stunden an und werden sehr schmerzempfindlich. Auslöser der Entzündung sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die sich vor allem in den Gelenken ablagern.

Die meisten Menschen mit Gicht haben hin und wieder akute Anfälle. Dazwischen können Monate oder sogar Jahre vergehen. Gichtanfälle können aber auch häufiger sein.

Ehemaliger Regionalliga-Kicker des B-Ligisten ETuS Haltern muss seine Laufbahn beenden

Dominik Wergen, Mittelfeldmotor der Eisenbahner, wird seine Fußballschuhe für immer an den Nagel hängen müssen. © Juergen Patzke

Viel Zeit hat Dominik Wergen in den vergangenen Jahren bei Ärzten verbracht. Nun habe sich bei einer Untersuchung herausgestellt, dass die Gicht „die Knochen angefressen“ habe. „Man muss sich das vorstellen wie ein Spülmaschinentab, der sich auflöst. Das Gewebe kann sich jedoch nicht neu bilden, deshalb muss ich jetzt unters Messer und bekomme dann künstliche Zellen verpflanzt.“

Große Lücke

Im Januar wird ein erster Eingriff am linken Fuß vorgenommen. Etwa ein halbes Jahr später soll er dann am rechten Bein operiert werden. „Das Thema Fußball hat sich damit leider erledigt.“

Im Sommer 2017 war Wergen zum ETuS Haltern gekommen. 2007 kickte er sogar für den Bonner SC in der Regionalliga. ETuS-Coach Thomas Schaffrinna bedauert, dass sein Leistungsträger nun zu diesem Schritt gezwungen ist. „Dominik wird auf dem Platz eine große Lücke hinterlassen. Wir wissen noch nicht, wie wir das kompensieren können.“

Der Fall zeige aber auch, dass es im Leben viel wichtigere Dinge als Fußball gebe. „Themen wie Gesundheit und Familie sollten trotz allem Ehrgeiz immer an oberster Stelle stehen. Das wollen wir unseren Jungs auch vermitteln. Wir wünschen Dominik alles Gute und werden ihn auf seinem Weg bestmöglich unterstützen.“

Ein Zeichen der Wertschätzung

Ein Zeichen der Wertschätzung gab es für den 34-Jährigen von Trainer und Mannschaft bei seinem letzten Einsatz. Im Spiel gegen Deuten durfte Dominik Wergen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen. Jens Quinkenstein überreichte ihm vor dem Spiel die Kapitänsbinde.

„Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt Dominik Wergen. „Zudem hat unser Coach noch eine sehr bewegende Rede in der Kabine gehalten. Das ging unter die Haut.“ Auch sportlich lief es rund bei seinem letzten Spiel. „Ich habe ein Tor erzielt und noch einige Treffer vorbereitet. Das war ein toller Abschluss.“ Am Ende stand schließlich ein 8:0-Auswärtssieg auf dem Papier. „Der Moment der Auswechslung war natürlich ziemlich hart, weil man einfach weiß, dass es jetzt vorbei ist.“

Dem ETuS Haltern will er aber auch in Zukunft treu bleiben. „Der Verein und die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen.“ Aktuell unterstützt er Werner Tiedemann und das U19-Team. „Auch in der nächsten Saison will ich eine Funktion übernehmen. Es macht einfach Spaß in diesem Verein.“

Auch bei den Spielen in der Kreisliga B will er weiter mitfiebern. „Ich hoffe, dass die Jungs weiter so marschieren und am Ende den Aufstieg schaffen. Das wäre überragend.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt