Der Halterner Reinhold Saldow ist ein Meister der Kampfkünste - und das seit 45 Jahren

dzDas Sportporträt

Der Halterner trainierte schon mit einem Meister, „der nur so zum Spaß Essstäbchen in die Tischplatte geworfen hat. Und die blieben sogar stecken, ohne zu zerbrechen“, sagt Reinhold Saldow.

Haltern

, 29.06.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In seiner Halterner Praxis betreut Reinhold Saldow schon seit vielen Jahren als Heilpraktiker seine Patienten. Mit 61 Jahren blickt er aber auch auf eine lange und erfolgreiche Karriere im Kampfsport zurück. Nach dem Deutschen-Karate-Meistertitel erkämpfte sich der damals 25-jährige auch die EM-Krone. Doch sein für ihn persönlich wichtigstes Erlebnis hatte er 1983 bei den Weltmeisterschaften in Taiwan. Dort war er mit dem sechsten Platz bester Europäer seiner Klasse und erfüllte sich mit einer Hochzeit nach alter chinesischer Tradition einen Lebenstraum.

„Was machen die denn da?“

Mit 15 Jahren war Saldow wie viele seiner Zeit fasziniert von der damals aus Asien herüberschwappenden Bruce-Lee-Welle. „Was machen die denn da?“, war seine erste Reaktion, als er zum ersten Mal eine Kampfschule betrat. Schon da stand für ihn fest: „Das ist genau mein Ding“. Nach ersten Erfolgen trainierte Saldow sieben Tage die Woche in jeder freien Minute und erreichte nach nur einem Jahr den schwarzen Gürtel und damit auch seinen ersten Meistergrad.

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Doch Saldow wollte mehr. „Ab da ging es erst richtig los“, sagte er. 1975 wurde er mit dem zweiten und 1981 mit dem dritten Meistergrad ausgezeichnet. Schon da begann er sein Wissen an Schüler weiter zu geben. Doch das befriedigte noch nicht seinen enormen Wissensdurst im Bereich der Kampfkünste. So begann er mit Shotokan Karate und Taekwondo, denn er wollte die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kampfsportarten kennenlernen. Bei Großmeister Kim Kwang Woo erlernte er Taekwondo und in den Jahren 1981 und 1982 erreichte er auch im Karate den ersten und zweiten Meistergrad.

Jochbeinbruch im Endkampf

Er erinnert sich noch besonders gerne an seine Zeit in Essen, wo er mit dem damaligen Bundestrainer Hwang Chung „Shaolin Karate“ trainierte und 1979 ebenfalls den 1. Dan erreichte. Doch das Training war ihm nicht mehr genug. Er suchte den direkten Vergleich im Wettkampf und startete 1979 bei den deutschen Taekwondo-Profi-Meisterschaften in München. Als Nobody erreichte er ungeschlagen das Finale in der Klasse „Nadelgewicht“. Doch im Endkampf erlitt er mit einem Jochbeinbruch eine schwere Verletzung und musste sich geschlagen geben. „Wir haben damals Vollkontakt gekämpft. Mein Gegner hat mich mit einem Fußtritt unter dem Auge erwischt“, erinnert er sich.

Der Halterner Reinhold Saldow ist ein Meister der Kampfkünste - und das seit 45 Jahren

Mit 61 Jahren betreibt Reinhold Saldow heute als Heilpraktiker eine Praxis. © Horst Lehr

Wieder genesen, hielt sich Saldow im Folgejahr mit dem Sieg bei den deutschen Karatemeisterschaften in Stuttgart schadlos.

Gestärkt durch diese Erfahrungen und weitere erreichte Meistergrade fühlte sich Saldow 1983 gut gerüstet für die nächste Herausforderung. Er meldete für die erstmalig in Deutschland ausgetragenen Kung-Fu-Europameisterschaften in Moers. Dafür trainierte er mindestens drei Stunden täglich am körperlichen Limit und bestritt viele Sparringskämpfe.

Alle Trainingsqualen waren vergessen

Am Ende waren aber alle Trainingsqualen vergessen, denn der Wettbewerb gestaltete sich für ihn zu seinem ganz persönlichen Triumphzug. Erneut ungeschlagen erreichte er nach sechs Kämpfen das Finale. Vor dem Ende der Regelkampfzeit brachte er seinen Gegner dann mit einem explosiven Sidekick zu Fall. Dieser Knockout wurde als technischer K. o. gewertet und bescherte damit dem 25-jährigen Nachwuchskämpfer den Europameistertitel. „Gedacht habe ich damals nur: Was kommt als Nächstes?“, sagt er.

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Im Dezember 1983 startete er bei der WM in Taiwan. Saldow reiste schon einige Wochen früher an und verbrachte im Vorfeld rund einen Monat zusammen mit Meister Lo Man Khan. Diese Zeit blieb ihm in ganz spezieller Erinnerung. „Der Meister war einfach nur unglaublich. Er hat nur so zum Spaß Essstäbchen in die Tischplatte geworfen. Und die blieben sogar stecken, ohne zu zerbrechen“, sagt Saldow.

„Das war für mich das absolte Maximum“

Diese Zeitinvestition sollte sich auszahlen, denn am Ende belegte Saldow nach zwei Siegen und einer Niederlage den sechsten Platz. „Das war für mich das absolute Maximum. Ich habe erst gegen den späteren Sieger verloren. Mehr konnte ich gegen die übermächtigen Asiaten nicht ausrichten“, sagt er.

Danach erfüllte er sich mit einer Heirat nach chinesischer Tradition vor Ort einen Lebenstraum. Dieses besondere kulturelle Ereignis wurde mit einer feierlichen Zeremonie in festlichen Gewändern gefeiert. Dabei wurden ihm „lange Ohren“ als Symbol für die Macht des Mannes aufgesteckt. „Das war das emotional Aufregendste, was ich je erlebt habe“, sagt der Halterner.

Er hat in den vergangenen 45 Jahren keinen Tag ohne Training verbracht und daraus auch viel für sein Leben neben dem Sport gelernt. „Die Kampfkunst ist ein elementarer Bestandteil meines Lebens und bleibt auch weiterhin mein Weg“, erklärt Saldow.

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