Der Boom bei Schiedsrichterinnen bleibt aus

Fußball

rotz des rasanten Aufstieges von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus greifen wenig Frauen zur Pfeife. Und das bei guten Aufstiegschancen.

HALTERN

, 25.09.2017, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Boom bei Schiedsrichterinnen bleibt aus

Bibiana Steinhaus ist die erste Schiedsrichterin, die ein Bundesligaspiel gepfiffen hat. Doch in den Fußballkreisen gibt es weiter wenig Schiedsrichterinnen.

Der Name Bibiana Steinhaus ist seit der aktuellen Bundesligasaison in aller Munde. Sogar so sehr, dass der Verein Hertha BSC vor ihrem ersten Spiel als Schiedsrichterin weiblichen Fans im Vorverkauf einen umstrittenen Rabatt am Ticketschalter einräumte. Das 1:1 im Duell zwischen der Hertha und dem SV Werder Bremen wurde zur Randnotiz. Die 38-jährige Bad Lauterbergerin ging als erste leitende Schiedsrichterin im deutschen Fußball-Oberhaus in die Geschichte ein.

Doch wie sieht es in Westfalen und speziell im Kreis Fußballkreis Recklinghausen mit Frauen an der Pfeife aus? Wir haben beim Verband nachgehakt – und sind auf erstaunliche Normalität gestoßen.

„Bei uns im Verband, bei den Schiedsrichtern und bei den Vereinen ist das kein großes Thema“, sagt Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichterausschusses im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). 4975 Referees tauchen in der aktuellen Auflistung des FLVW auf, davon sind 157 Unparteiische weiblich. Das sind gerundet 3,2 Prozent. Im Kreis Recklinghausen ist die Zahl noch etwas deutlicher. Hier greifen insgesamt 186 Schiedsrichter zur Pfeife, vier davon sind weiblich. Das sind knapp über 2 Prozent.

Seit Jahren dabei

Hoch ist die Zahl nicht, gänzlich neu ist das Phänomen aber nicht. „Die vier Schiedsrichterinnen im Kreis Recklinghausen sind schon seit Jahren dabei“, sagt Harald Woller, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Recklinghausen. Warum Frauen weniger Interesse am Schiedsrichterwesen hätten, wisse er nicht. „Zigmal haben wir versucht, einen Lehrgang anzubieten“, sagt er. Doch der stieß auf wenig Interesse. Bei den jetzigen Fortbildungen würden die vier Frauen – zwei aus Borken/Heiden und zwei aus Marl/Recklinghausen – zusammen mit den männlichen Kollegen geschult.

Trotz des Aufstieges von Bibiana Steinhaus glaubt Michael Liedtke nicht an einen besonderen Effekt: „Schon seit einiger Zeit unterstützen wir Frauen und machen ihnen bewusst, dass es für sie schnell auf der Leiter nach oben gehen kann.“ Das aber will nicht jede Schiedsrichterin. „Manche wollen auch lieber in den unteren Klassen bleiben und dort pfeifen“, ergänzt Liedtke.

Dass es aber manche bis nach ganz oben schaffen, hat ein Westfalen-Trio bereits bewiesen. Marina Wozniak (Herne) hat es bis in die Frauen-Bundesliga und auf die Fifa-Turniere geschafft. Auch Kathrin Heimann (Gladbeck) und Nadine Westerhoff (Castrop-Rauxel) pfeifen die höchste deutsche Frauen-Spielklasse und bei den Männern in der Oberliga. Vanessa Arlt (Greven) hat sich bis in die Herren-Westfalenliga und die 2. Frauen-Bundesliga hochgearbeitet.

Neu ist das Modell „Schiedsrichterin“ beim FLVW also nicht. Und doch wünschen sich Michael Liedtke, Harald Woller und die übrigen Verbandsverantwortlichen die ein oder andere Frau mehr an der Pfeife. „Jede Schiedsrichterin hilft uns weiter. Denn irgendwann werden die Plätze der Ranghöchsten frei, und die wollen wir dann auch adäquat ersetzen“, sagt der Vorsitzende Liedtke.

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