Achilles: Gold mit Schuhen auf Pump

HALTERN/HAGEN Zwei Silber- und zwei Goldmedaillen hat Hammerwerferin Bianca Achilles bei der Deutschen Meisterschaft im Rasenkraftsport gewonnen. Das Kuriose: Gerade in ihrer verhassten Disziplin siegte sie ¨ beim Hammer- und Gewichtwerfen fehlten ihr nur Zentimeter.

von Von Dominik Möller

, 13.07.2008, 20:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bianca Achilles verlässt den TuS Sythen.

Bianca Achilles verlässt den TuS Sythen.

Der Hinweg entpuppte sich schnell als Anfahrt mit Hindernissen. Erst um 12 Uhr konnte sie Feierabend machen - Wettkampfbeginn war um 13.30 Uhr. Kurz vor dem Start erreichte sie Leichlingen. Es regnete. In Strömen. "Wie immer, wenn in Leichlingen ein Wettkampf ist", sagt Achilles.

Beim Hammerwerfen war sie mit dem Kopf noch nicht ganz beim Wettkampf - 58,36 m bedeuteten Rang zwei. Die Weite der Siegerin: 58,48 m. Knapp daneben.

Auch das Gewichtewerfen entpuppte sich als enge Kiste. Am Ende fehlten ihr elf Zentimeter auf die Goldmedaille. Ihre Bestweite: 28,68 m. Dann gab's allerdings die große Überraschung. Beim Steinstoßen, eigentlich die Disziplin, in der sie sich die wenigsten Chancen ausgerechnet hatte, trumpfte sie auf. Allerdings mit fremder Hilfe.

Seifig, ohne Tragekomfort

Die Tartanbahn in Leichlingen war durch den Regen ordentlich seifig - ein Anlauf mit normalen Schuhen war fast unmöglich. Sie fragte und fragte, war auf der Suche nach Spikes - und wurde fündig. Eine Athletin des ausrichtenden Vereins half ihr aus der Patsche. Einziges Manko: Die Schuhe waren zu klein. Bianca Achilles, eigentlich Schuhwerk der Größe 44 gewohnt, zwängte sich in die zwei Nummern zu kleinen Spikes. "Tragekomfort ist anders", erzählte sie gestern lachend. Die Schuhe drückten - der Anlauf war sicher.

Mit persönlicher Bestleistung ließ sie im dritten Anlauf ihre Konkurrentinnen hinter sich. 12,26 m bedeuteten Gold. "So weit habe ich noch nie gestoßen", gestand Achilles. Sie lachte. Es war ihr anzumerken, dass sie den Wettkampf in Leichlingen genossen hatte. Ihre drei Top-Platzierungen waren gleichbedeutend mit dem Sieg in der Gesamtwertung. Die zweite Goldmedaille. Ein versöhnlicher Abschluss - und Wiedergutmachung für die gequetschten Zehen.

Ihre Leistungen ebnen ihr sogar den Weg nach Europa - auf einen internationalen Wettkampf wird sie indes verzichten. "Ich denke schon, dass ich gefragt werde", sagt Achilles. Und so gerne sie auch internationale Luft schnuppern würde, sie tut es nicht. "In den kommenden Wochen hab ich zu viel um die Ohren, als dass ich kurz durch die Gegend fliegen könnte", sagt die 27-Jährige. Sie wird umziehen. Berufsbedingt geht's von Hagen nach Siegen.

Umzug oder Arbeitslosigkeit

"Ich hatte die Wahl", sagt sie. Sie entschied sich gegen die Arbeitslosigkeit - und für den Umzug. Ihr Freund geht mit. An ihrer sportlichen Ausrichtung ändert sich dennoch nichts. Ihr Trainer habe bereits einen Trainer im Siegerland kontaktiert - unter der Woche wird in Siegen trainiert. "Es kommt nur ein weiterer Ort dazu - am Pendlerdasein ändert sich nichts", sagt Achilles. Sie wird auch weiterhin für den TuS Sythen starten, trainiert künftig aber in Leverkusen, Dortmund und Siegen.

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