Berros Magath-Methoden wirken beim TuS Hannibal - Jetzt hat er über seine Zukunft entschieden

dzFußball-Bezirksliga

Lange war die Zukunft von Hamsa Berro unklar. Nun steht fest: Der 31-Jährige bleibt trotz Angebote anderer Vereine in der Bezirksliga. Seine besonderen Methoden hatten Erfolg.

Dortmund

, 28.05.2019, 10:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nun also doch. Hamsa Berro bleibt mindestens eine weitere Saison Trainer beim Fußball-Bezirksligisten TuS Hannibal. Der 31 Jahre alte Erfolgsgarant entschied sich trotz mehrerer lukrativer Angebote für seinen Herzensverein. „Ich bin zwar von anderen Klubs angesprochen worden, hatte aber noch nirgendwo zugesagt“, erklärt Berro. „Ich wollte erstmal schauen, wie sich hier alles entwickelt.“

Nur sechs Punkte in der Hinrunde

Heute lässt sich sagen, dass sich beim TuS Hannibal, zumindest aus Sicht von Hamsa Berro und den Verantwortlichen, wohl vieles in die richtige Richtung entwickelt hat. Der Verein hat nach einer desaströsen Hinserie mit nur sechs mageren Punkten doch noch die Klasse gehalten und sich mit 21 Punkten in der Rückrunden-Tabelle auf einem guten sechsten Platz eingereiht.

„Er ist sehr akribisch, zielstrebig und klar in seinen Ansagen“, sagt Najim Bousbiba, 2. Vorsitzender des Vereins. „Zudem geht er mit jedem Spieler fair um und ist äußerst kollegial.“ Dass Berro die Mannschaft trotz der sportlich schwierigen Ausgangslage in der Bezirksliga gehalten hat, kommt für ihn daher wenig überraschend. „Hamsa ist prädestiniert für fast alle Vereine. Und zwar auch höherklassige.“

Absturz nach Hamsa Berros Abgang im vergangenen Sommer

Vorerst bleibt der 31-Jährige nun aber beim TuS Hannibal. Ein „Nein“ hatte sein Vorgesetzter übrigens ohnehin kategorisch ausgschlossen. Hamsa Berro, sagt Bousbiba mit einem Schmunzeln, werde nicht einfach bleiben, „er musste bleiben. Man hat ja gesehen, was das letzte Mal passiert ist, als er gegangen ist.“

Das letzte Mal war nach der Saison 2017/18. Berro hatte den Verein im vergangenen Sommer aus familiären Gründen verlassen. Ein Jahr Pause war ursprünglich angedacht. Doch nach sieben Spieltagen, deren Bilanz sich mit null Punkten und 3:22 Toren so niederschmetternd liest wie das jüngste Wahlergebnis der Sozialdemokraten bei der Europawahl, griff Bousbiba zum Hörer und bat seinen Freund um Hilfe.

„Für mich ist es eine Herzensangelegenheit.“
Hamsa Berro

Und einem guten Freund in der Not erteilt man eben keine Absage. So wie es auch Berro nicht getan und stattdessen das Amt von Spielertrainer Eduardo Ribeiro auf der Bank übernommen hat. Wobei der TuS Hannibal weit mehr für Hamsa Berro sein dürfte als „nur“ ein Freund.

Hannibal ohne Berro „nur sehr schwer vorstellbar“

„Für mich ist es eine Herzensangelegenheit“, beschreibt Berro seine Beziehung zum TuS Hannibal. Und auch Bousbiba sagt, dass Hannibal ohne Hamsa Berro „nur sehr schwer vorstellbar“ sei. „Jeder ist zwar irgendwie ersetzbar, aber bei ihm ist es trotzdem kaum möglich. Daher waren wir auch sehr traurig, als er letztes Jahr gegangen ist.“

Das Schöne an eine so engen Beziehung ist ja, dass man sich auch unvoreingenommen die Wahrheit sagen kann. Und da fand Berro damals im September, nachdem er das Ruder beim TuS wieder übenommen hatte, klare Worte. Die Mannschaft hätte „eine katastrophale Vorbereitung“ gehabt, entkam es dem Trainer. „Es fehlte an Fitness, Struktur, Taktik und Selbstvetrauen.“

Knallharte Vorbereitung im Magath-Style

Es war an Berro, das Team wieder auf Vordermann zu bringen. Nur: „Mitte der Hinrunde kann man die fehlende Fitness eben nicht einfach so aufholen“, sagt der Trainer. Erst in der Winterpause hatte er genügend Zeit, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen auf die Rückserie vorzubereiten. Und hier schreckte der Coach auch vor unliebsamen Methoden nicht zurück. Um seine Spieler „topfit“ zu bekommen, „haben wir eine knallharte Rückrunden-Vorbereitung durchgezogen“.

Sechs Wochen teilten sich auf in zwei Wochen „Ausdauer-Training im Felix-Magath-Style“ (Berro), zwei Wochen Schnelligkeit und Kraft sowie zwei Wochen Taktik-Schulung. „Wobei wir natürlich über die gesamte Vorbereitung taktisch gearbeitet haben“, so Berro.

„Am Hoeschpark gibt es ausreichend Möglichkeiten, die Jungs ordentlich fitzumachen.“
Najim Bousbiba

Einen „Hügel der Leiden“, wie ihn der angesprochene Felix Magath einst neben dem Trainingsplatz beim VfL Wolfsburg aufschütten ließ, um seine Spieler anschließend auf bis zu 50 Zentimeter hohen Treppenstufen rauf und runter zu jagen, haben sie Hamsa Berro beim TuS Hannibal übigens noch nicht errichtet. Ist aber auch gar nicht notwendig, zumal es auch am Hoeschpark, der sportlichen Heimat des Vereins, ausreichend Möglichkeiten gibt, „die Jungs ordentlich fitzumachen“, wie Bousbiba betont. „Und auch hier geht es ja rauf und runter.“

Nicht wieder gegen den Abstieg

Im Sommer, so viel scheint klar, werden die Spieler um Ibrahim Berro, Mustapha Hamdaoui oder Mahmoud Najdi also erneut in den Genuss einer strapaziösen Vorbereitung kommen. Dafür wird Hamsa Berro schon sorgen. Denn der Anspruch beim TuS Hannibal ist ein anderer, als erneut eine Saison lang gegen den Abstieg zu kämpfen.

Das Ziel sei eine sorgenfreie Saison, sagen Berro und Bousbiba unisono. Dafür werden die Grundlagen im Sommer gelegt. Und bereits in diesen Tagen und Wochen auf dem Transfermarkt. Von drei Spielern habe er bereits die Zusage, zum TuS zu wechseln, sagt Berro, ohne dabei Namen zu nennen. Bis zu drei weitere Neuzugänge könnten noch folgen.

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