Wie ein 46-Jähriger zum Matchwinner von Westfalenligist Westfalia Wickede wurde

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Rüdiger „Rudi“ Panzer hat vor fast 20 Jahren sein letztes Spiel für Westfalia Wickede gemacht. Am Donnerstag, mit 46 Jahren, musste er nochmal ran. Und hielt, was zu halten war.

Dortmund

, 21.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Rüdiger Panzer hat unter der Woche nicht gut geschlafen. „Er war sehr unruhig in der Nacht“, sagt seine Frau Tanja. Rüdiger Panzer klärt auf, dass er in den Nächten immer wieder wach geworden sei und nachgedacht habe. Es war der eine Satz von Westfalia Wickedes Trainer Alexander Gocke, der ihn hat nervös werden lassen. „Du stehst am Donnerstag gegen den TuS 05 Sinsen im Tor“, sagte Gocke zu ihm am Dienstag.

Letztes Spiel im Jahr 2000

Es ist ja erstmal etwas Positives, eine Startelfgarantie vom Trainer zu bekommen. Doch Rüdiger Panzer ist eigentlich Torwartrainer des Westfalenligisten, ist 46 Jahre alt und stand zuletzt im Jahr 2000 für die erste Mannschaft von Westfalia Wickede im Kasten. In der Bezirksliga. Seine Mitspieler von Donnerstag gingen damals zur Grundschule oder ließen sich von ihren Eltern in den Kindergarten bringen.

Sein Einsatz am Donnerstag war unumgänglich, denn sowohl Rene Kuck (Handverletzung) als auch Dennis Wegner (Urlaub) fehlten Trainer Alexander Gocke. Panzers Frau riet ihrem Mann erstmal von dem verrückten Plan ab, sich am Donnerstag in den Kasten stellen zu wollen. „Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Rüdiger hatte ja schon einen Bandscheibenvorfall und stand schon so lange nicht mehr im Tor“, erklärt Tanja Panzer. Ihr wurde aber schnell klar, dass sie ihren Mann von dessen Plan, den „Verein und der Mannschaft zu helfen“, nicht abbringen konnte.

„Oh mein Gott, wir verlieren 0:8“

Am Dienstag beim Abschlussspiel kamen bei Rüdiger Panzer erste Zweifel auf, ob es die richtige Entscheidung war, Alexander Gocke zugesagt zu haben. „Die haben mir im Training die Bälle um die Ohren gehauen, dass ich gedacht habe: ´Oh, mein Gott, wenn ich am Donnerstag so halte, verlieren wir mit 0:8´. So kam es dann zum Glück nicht.“

Ganz im Gegenteil. Panzer hatte seinen Anteil daran, dass die Wickeder beim Tabellenzweiten TuS 05 Sinsen am Donnerstag mit 3:1 gewannen. „Bei drei Bällen kommt er rechtzeitig raus und rettet. Eine lange Flanke hat er locker aus der Luft gepflückt“, erzählt Gocke. Und wie sah er beim Gegentor aus? „Ich bin ja nicht mehr ganz der Fitteste. Bei dem Schlenzer ins lange Eck kam ich einfach nicht mehr an den Ball heran“, sagt Panzer.

Fitter als vor fast 20 Jahren

Nicht mehr der Fitteste? Aber definitiv fitter als bei seinem letzten Meisterschaftsspiel für die Westfalia im Jahr 2000. „Damals hatte Rüdiger das Maß Hüpfburg“, scherzt Gocke. „Ja, das stimmt, ich wiege heute 20 Kilogramm weniger, gehe jeden zweiten Tag laufen“, sagt Panzer. Dann steht ja einer Wiederholung von Donnerstag nichts im Wege, oder? „Auf keinen Fall. Das war eine einmalige Sache“, so Panzer.

Dieser Donnerstag wurde dann noch ein ganz besonderer, emotionaler Tag für ihn. Nach dem Spiel versammelte nämlich Kapitän Anil Konya alle Spieler im Mittelkreis und feierte Rüdiger Panzer in einer Ansprache ab, bedankte sich bei dem 46-Jährigen. Seine Mitspieler applaudierten, sangen Panzers Namen.

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Anil Konya ehrt Rüdiger "Rudi" Panzer von Westfalia Wickede

Er hatte Tränen in den Augen - und muss jetzt 100 Euro in die Mannschaftskasse zahlen. Ja, wirklich. Gocke hatte 100 Euro für die Abschlussfahrt versprochen, wenn das Team in Sinsen gewinne. Co-Trainer Daniel Frieg schloss sich an, Rüdiger Panzer auch. Mit seiner starken Leistung zog er sich also selbst das Geld aus der Tasche. Doch die 100 Euro bezahlt Panzer gerne. Denn er ist ein Wickeder durch und durch, seit 1979 Mitglied. Und für die 100 Euro hat er einen Tag für die Ewigkeit bekommen.

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