Wickedes Wandervogel ist zurück - und sorgt direkt für die genialen Momente

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Der Routinier wechselt teilweise schneller den Verein als das Jahr seine Jahreszeiten. Seit dieser Saison ist er zurück an alter Wirkungsstätte und das tut Spieler und Verein verdammt gut.

Dortmund

, 13.10.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer ein paar Wochen nicht in Dortmund gewesen ist und sich dann am Sonntagabend die Aufstellungen durchliest, ist verwundert, wenn er einen Dauerbrenner in einer nicht erwarteten Mannschaft findet. Der Routinier wechselt teilweise schneller den Verein als das Jahr seine Jahreszeiten. Insgesamt 13 Veränderungen hat er bereits hinter sich. Sein Schritt zurück in die Westfalenliga tat aber offenbar allen gut. Jedes seiner Anspiele ist ein Genuss.

Das Genie war platt. Mohamed Lmcademali verließ am Sonntag bereits nach 58 Minuten den Platz. Mehr ging einfach nicht, wobei das schon eine ganze Menge war. „Was wollen wir denn mit dem?“, wird sich mancher der für ihre direkte Art bekannten Wickeder Zuschauer vor dem erneuten Wechsel des Mittelfeldspielers gefragt haben.

Fans werden froh sein, dass Wickede seinen Spielerpass hat

Spätestens nach dem umkämpften Derby der Wickeder gegen den BSV Schüren (1:1) werden auch die schärfsten Kritiker froh sein, dass die Westfalia nicht nur Lmcademalis Spielerpass, sondern auch seinen Flachpass hat.

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Nachdem er zum Saisonbeginn gegen Wanne-Eickel bereits mit seinem Zuckerpass auf Markus Scherff den ersten Punkt der Saison ermöglichte, war es am Sonntag ein Geistesblitz, der ihn ein Traum-Anspiel auf Santiliano Braja spielen ließ.

Neben der Führung war „LMC“ auch an weiteren aussichtsreichen Angriffen mit seinen Zuckerpässen beteiligt. Es blieb aber bei einem Treffer und beim zweiten Punkt für Wickede.

Mohamed Lmcademali (r.) zeigte im Spiel gegen Schüren, wo es lang ging und spielte einige feine Pässe.

Mohamed Lmcademali (r.) zeigte im Spiel gegen Schüren, wo es lang ging und spielte einige feine Pässe. © Stephan Schuetze

Lmcademali muss gar nicht über 90 Minuten das Spiel ankurbeln. Bei ihm reichen ein paar geniale Momente. Momente, die Spiele entscheiden können, Momente, die Abstiege verhindern können. Und daher ergibt der von vielen belächelte Wechsel von Phönix Eving zurück zur Westfalia auch Sinn.

Szenenapplaus für Lmcademali

Lmcademali ist kein Typ, der verbal groß ausholt. Seine Emotionen lebt er lieber auf dem Platz aus. Daher klingt es fast banal, wenn der Mann, der mit Bällen Feinarbeit leistet, sagt: „Ich weiß, wo Santi hinläuft. Santi weiß, wo ich hinspiele.“ So einfach ist das.

Einfach ist auch die Wahrheit, dass die Mannschaft, die ein Derby annimmt, auch gewinnt. Da dies Wickede und Schüren taten, war das Remis fast logisch. Überraschend war dann eher, wie auch der sonst eher nach vorne ausgerichtete Lmcademali um Bälle kämpfte.

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Und das kritische Westfalia-Publikum spendete ihm mehrfach Szenenapplaus – eben nicht nur für die Pässe. Jeder weiß aber auch einfach, dass Lmcademali in einigen Phasen noch so teilnahmslos wirken kann und dennoch immer für den entscheidenden Moment gut ist.

Der Routinier ist noch nicht bei 100 Prozent

Dann war es nach 58 Minuten aber genug. „LMC“ wusste selbst, dass er noch nicht wieder – nur von der Fitness her – bei 100 Prozent war: „Ich brauche vielleicht noch zwei, drei Wochen. Jetzt bin ich aber müde. Ich war krank und verletzt. Das stecke ich dann doch nicht so einfach weg.“

Die Wickeder sind clever genug, die Einsatzzeiten des Routiniers zu dosieren. Bereits am Sonntag sind die Schwarz-Weißen schon wieder im Heimeinsatz. Gegen YEG Hassel wäre so langsam mal der erste Dreier fällig, wollen die Wickeder nicht unten in der Tabelle dauerhaft kleben bleiben. „LMC“ glaubt an bessere Zeiten. „Kämpferisch waren wir heute gut. Die Körpersprache war eine ganz andere als in den Wochen zuvor.“

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Dass 21 Gegentore in sechs Spielen nicht unbedingt Lmcademalis Baustelle sind, ist richtig. Wenn die Kräfte reichen, hilft der Techniker aber auch im groben Bereich des Spiels aus. Insgesamt wirkte die Westfalia gegen Schüren deutlich stabiler.

„Mit dieser Einstellung muss uns nicht bange sein. Und ich fühle mich langsam auch fitter“, sagt Lmcademali. Obwohl er mehr als eine halbe Stunde lang – in eine dicke Jacke gehüllt – seine Teamkollegen von außen beobachtete, blickt er fast ein wenig gequält. Dann aber erlaubt er sich ein Lächeln. „Ich bin glücklich, hier zu sein.“ Im Leben eines Wanderers sind die Momente, mal anzuhalten und zu genießen, eben auch sehr wichtig.

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