Westfalia Wickede droht wegen Corona-Krise der Abstieg - und macht sich Sorgen um Sponsoren

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Auch beim abstiegsbedrohten Westfalenligist Westfalia Wickede weiß niemand, ob und wie die Saison zuende gespielt wird. Beim Sportlichen Leiter Daniel Dukic steht das Handy deshalb nicht mehr still.

Dortmund

, 18.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den Fußballplätzen Dortmunds herrscht derzeit gähnende Leere – drumherum passiert dafür jede Menge. „Mein Telefon klingelt schon den ganzen Tag, gefühlt muss ich es gleich zum dritten Mal heute aufladen“, meint Daniel Dukic, Sportlicher Leiter beim Westfalenligisten Westfalia Wickede.

Das Coronavirus hat den Spiel- und Trainingsbetrieb lahmgelegt, frühestens am 19. April soll in den Amateur-Ligen wieder um Punkte gekickt werden. Daran hat Dukic allerdings so seine Zweifel: „Die Frage ist ja, wie es dann weitergehen soll, falls es am 19. April weitergeht. Mit englischen Wochen? Wir sind Amateurfußballer und alle berufstätig – das darf nicht vergessen werden.“

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Auch eine Verlängerung der Spielzeit über den Mai hinaus hält er für unwahrscheinlich: „Das wirft nur noch mehr Fragen auf. Wie beeinflusst das die Wechselperiode? Wann würde die neue Saison beginnen und welchen Einfluss hat das auf andere Events, beispielsweise den Hecker-Cup?“ Grundsätzlich gibt es momentan deutlich mehr Fragen als Antworten.

Nach dem aktuellen Stand würde Westfalia Wickede absteigen

Eine der entscheidenden für Wickede ist, ob und wie die Westfalenliga-Saison zu Ende geht. Klar ist: Eine für alle Vereine zufriedenstellende Lösung wird es nicht geben. „Wäre es fair, wenn zum Beispiel Türkspor Dortmund um den Aufstieg gebracht wird, weil die Saison annulliert wird? Oder wäre es fair, wenn wir absteigen, weil die Saison so gewertet wird wie sie derzeit aussieht?“, fragt Dukic. Sein Verein Westfalia Wickede liegt aktuell mit vier Zählern Rückstand auf das rettende Ufer auf Platz 16.

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Bei noch zwölf ausstehenden Begegnungen ist das beileibe noch nicht der sichere Abstieg. Ob die Mannschaften aber überhaupt nochmal auf den Platz zurückkehren und Liga-Spiele bestreiten, ist ungewiss.

Daniel Dukic, Sportlicher Leiter bei Westfalia Wickede.

Daniel Dukic, Sportlicher Leiter bei Westfalia Wickede. © Nils Foltynowicz

Ginge es nach Dukic, würde der Verband die Saison beenden und annullieren: „Das ist die – in Anführungsstrichen – fairste Lösung. Denn niemand steht derzeit als Auf- oder Absteiger schon sicher fest.“ Im Kern hieße das, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt und alle Mannschaften in der Liga anfangen, in der sie die Saison begonnen haben.

In Sachen Personal bleibt Westfalia Wickede gelassen

Sollte es doch anders kommen und Wickede in die Landesliga müssen, sieht der Sportliche Leiter dem gelassen entgegen: „Gott sei Dank habe ich schon viele Gespräche im Vorfeld geführt.“ Zehn Verträge wurden unabhängig von der Ligazugehörigkeit verlängert, hinzu kommen Neuzugänge wie David Fernandes oder Alexander Gowik.

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„Für uns Sportliche Leiter ist es ja eigentlich gerade die heiße Phase, was die Kaderplanung betrifft“, betont Dukic. Wie gewohnt kann aber auch in diesem Bereich nicht gearbeitet werden: „Wir können keine Spieler mehr scouten, niemanden zu Probetrainings einladen. Einzig das eigene Netzwerk kann jetzt noch beansprucht werden. Wir haben uns frühzeitig um die Personalfragen gekümmert, deswegen bin ich sehr gelassen.“ Auf eine schnelle Entscheidung des Verbandes hofft Dukic dennoch.

Wickedes Daniel Dukic: „Klar fehlen auch bei uns die Einnahmen durch den Eintritt oder das Vereinsheim“

Derzeit herrsche eine große Ungewissheit bei allen Vereinen: „Es ist enorm schwierig sich Planungssicherheit zu verschaffen. Alle versuchen, nicht nur doppelgleisig zu fahren, sondern nach Möglichkeit einen dritten und vierten Plan in der Hinterhand zu haben.“ Westfalia Wickede ist diesbezüglich scheinbar auf einem guten Weg. Auch für den Fall, dass die Mannschaft kampflos in die Landesliga absteigt.

Während in den Profiligen nun vor allem um die finanziellen Auswirkungen der Saison-Unterbrechung diskutiert wird, muss sich bei der Westfalia niemand Sorgen um das Geld machen, wie Dukic bekräftigt: „Klar fehlen auch bei uns die Einnahmen durch den Eintritt oder das Vereinsheim. Wir sind aber abgesichert und können den Spielbetrieb auf jeden Fall aufrechterhalten.“

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Dass Sponsoren zur neuen Saison abspringen, schließt er hingegen nicht aus: „Ich bin selbst in der Logistik tätig und bekomme mit, wie viele Unternehmen gerade auf Kurzarbeit umstellen. Vielleicht fehlt ihnen das Geld in ein paar Monaten, um es in Vereine zu investieren.“ Es ist eine extrem ereignisreiche Zeit, auch im Amateur-Fußball. Bei all der Aufregung will Dukic das Wichtigste nicht vergessen und betont: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Eindämmung des Virus oberste Priorität hat!“

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