Ein England-Import hat das erste Saisontor für Westfalia Wickede erzielt. Dabei war sein Nachname zu lang für den Spielbericht. Die Unterschrift unter den Vertrag gab es auf einer Mülltonne.

Wickede

, 14.08.2018, 16:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Vorname des ersten Wickeder Torschützen der Saison 2018/19 hat am Sonntag nicht mehr in den gedruckten Spielberichtbogen gepasst. Odichukwumma Igweani ist aber auch ein langer Nachname. Der passt in eine ganze Zeile und bringt bei Scrabble 36 Punkte. Ohne Bonusfelder.

Die Pressevertreter in Lennestadt fragten nach dem Treffer erstmal nach, wie denn der muskelbepackte Stürmer komplett heiße. „Kelvin Odichukwumma Igweani“, lautete die Antwort. Ein Name, der in der Fußball-Westfalenliga bisher komplett unbekannt war.

Odichukwumma Igweani stieß nämlich erst vor knapp einem Monat zum Wickeder Team – durch einen glücklichen Zufall. Sein Vater Samuel Umerah hatte sich vor wenigen Jahren auch das schwarz-weiße Trikot der Westfalia übergezogen, und der gute Kontakt zum Verein war nie abgerissen. Als sein Sohn dann vor wenigen Wochen aus England zu ihm nach Deutschland zog, ergab sich die Möglichkeit für ein Probetraining im Pappelstadion.

„Es waren von Anfang an viele gute Ansätze bei Kelvin zu sehen. Zwar muss er sich noch an den Fußball hier gewöhnen, doch er hat sich gut eingefügt in die Mannschaft“, sagt Westfalia-Coach Alexander Gocke.

Vertrag wird auf einer Mülltonne unterzeichnet

Der Sportliche Leiter Emre Konya hat den Stürmer dann unter Vertrag genommen. Beim Turnier in Brackel unterschrieb Odichukwumma Igweani den Kontrakt. Als Unterlage diente eine Mülltonne. „Das ist Fußball. Da werden Verträge auf Mülltonnen unterschrieben“, sagt Konya und lacht.

Jetzt musste die Spielberechtigung her. Der englische Fußballverband FA musste die Freigabe erteilen. Der Verband hatte 30 Tage Zeit, um auf die Wickeder Anfrage zu reagieren. Viel zu lange für Konya und Westfalia Wickede. So wäre Odichukwumma Igweani niemals am ersten Spieltag spielberechtigt gewesen.

Konya ging in die Tiefenrecherche, suchte im Internet nach dem richtigen Ansprechpartner bei der FA. „Nach zwei Tagen und sechs Telefonaten hatte ich den richtigen Ansprechpartner in London endlich am Telefon.“ Sprachliche Barrieren gab es nicht. Konya arbeitet bei einem amerikanischen IT-Unternehmen. Und dann ging alles ganz schnell.

Westfalenligist Westfalia Wickede setzt im Sturm auf England-Import

Physisch robust mit ausbaufähiger Ausdauer: Das ist Kelvin Odichukwumma Igweani.

Am 7. August hatte Konya die ersten Telefonate geführt, nur zwei Tage später lag die Spieleberechtigung vor und Odichukwumma Igweani traf am Sonntag zum 1:0 gegen den FC Lennestadt. Am Ende stand es 2:0. Der erste Auftaktsieg nach vier Jahren. „Ich war sehr glücklich darüber, denn ich wollte unbedingt spielen. Es war ein unglaubliches Gefühl, auf dem Platz zu stehen“, schwärmte der 21-Jährige, der sich mit seinem Teamkollegen und dem Trainerteam auf Englisch verständigt.

Vor allem seine Physis wusste auf Anhieb zu beeindrucken und wird ihm bei der Eingewöhnung in der sehr robusten Westfalenliga helfen. „Ich gehe ins Fitnessstudio – meistens zweimal in der Woche. Zusätzlich kümmere ich mich jeden Tag um meinen Körper, damit ich in guter Form bin“, sagt Kelvin. Auch sein Trainer bescheinigt ihm eine „sehr gute Physis“, schränkt aber ein, dass der Neuzugang „noch ein wenig an seiner Fitness arbeiten muss“. Heißt: Es fehlt noch an Ausdauer.

Konya ist begeistert von seinem Neuen. „Nicht nur sportlich passt er zu uns. Er ist auch ein ganz feiner Mensch. Sehr bescheiden. Einfach ein Top-Typ. So wie sein Vater.“ Gegen den hatte der Sportliche Leiter noch selbst gespielt. Konya im Trikot des ASC 09 Dortmund, Umerah in dem des BV Brambauer.

Etwas, an das sich Odichukwumma Igweani noch gewöhnen muss, ist das andere Spiel im Vergleich zu seinem alten Klub Olney Town FC, was sich für den England-Import auch schon bemerkbar gemacht hat: „Das Spiel ist hier sehr intensiv. Es unterscheidet sich sehr stark von dem in England. Es gibt keinen Moment, um sich auszuruhen, es läuft alles sehr, sehr schnell ab.“

Warum Odichukwumma Igweani nach Deutschland kam

Er ist nach Dortmund gekommen, um sich nach der Auflösung seines Teams Olney Town FC hier auszutesten. „Ich möchte mal schauen, wie weit es in Deutschland für mich gehen kann. Ich habe aber keine Eile.“ Konya sieht in ihm aktuell einen guten Westfalenligaspieler mit Potenzial. „Kelvin ist 21 Jahre alt. Wenn er nicht locker lässt und weiter an sich arbeitet, kann er vielleicht den Sprung in die Oberliga oder Regionalliga schaffen“, sagt Konya.

Die Westfalia hatte schon in der vergangenen Saison mit dem US-Torwart Justin Bradley Corke gute Erfahrungen mit einem Import-Spieler gemacht. Der Transfer von Kelvin kann sich für Wickede nun erneut auszahlen. Denn auf der Stürmer-Position schwächelte der Klub zuletzt stark. Neuzugang Christopher Thomassen galt eigentlich als Ideallösung, fällt aber mehrere Wochen mit einem Faserriss aus.

„Kelvin arbeitet sehr akribisch und nimmt alles gut auf, was wir ihm mitgeben. Die Belohnung war der Treffer gegen Lennestadt“, lobte Gocke seinen Neuzugang, der aber auch noch Chancen für ein bis zwei weitere Treffer im Spiel am Samstag vergab. Kelvin selbst kündigte nach seinem ersten Westfalia-Tor an: „Das war erst der Anfang für mich.“

Die Westfalia macht ihm die Eingewöhnung auch einfach. Der Verein und die Spieler kümmern sich um ihn, beziehen ihn ein. Der Neuzugang wohnt mit seinem Vater in Brackel. Odichukwumma Igweanis Mitspieler Andreas Toetz, Mehmet Erdogan und Jens Jäckel wohnen in derselben Ecke, nehmen ihn mit zum Training und bringen ihn wieder nach Hause.

Westfalenligist Westfalia Wickede setzt im Sturm auf England-Import

„Wir sind ein familiär geführter Klub, da ist es unsere Pflicht, Kelvin zu unterstützen.“ - Emre Konya © Dan Laryea

Finanziell ist das nur begrenzt möglich. Er bekommt „ein schmales Gehalt“, sagt Konya. Aber dadurch, dass er bei seinem Vater wohnt, hat der Neuzugang nur wenige Ausgaben. Und wie ernst es ihm mit seinem Ziel hochklassiger Fußball in Deutschland ist, zeigt, dass er gleich den Weg zu einer Sprachschule gesucht hat, um ganz schnell Deutsch zu lernen, um sich besser mit seinen Teamkollegen verständigen zu können.

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