Welche Auswirkungen hätte eine Saisonverlängerung auf Amateur-Verträge?

dzFußball in Dortmund

Ein Spielervertrag besitzt für gewöhnlich eine Laufzeit bis zum 30. Juni. Falls nun aber die Saison über dieses Datum verlängert wird, ergeben sich Fragen. Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Dortmund

, 18.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sei es Florian Juka, Luis Weiß oder Eyüp Cosgun: All diese Kicker und viele weitere wechseln zur nächsten Saison den Verein und haben schon bei ihrem neuen Club unterschrieben. Hierbei haben die Spieler für gewöhnlich einen Vertragsbeginn zum 1. Juli. Wenn nun aber die Spielzeit bis in den Juli, vielleicht sogar in den August verlängert wird, was passiert dann mit Verträgen?

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Auch Pascal Königs fragt sich, wie es für ihn persönlich weitergeht. Der Torhüter, der noch beim Landesligisten TuS Bövinghausen spielt, wechselt zur kommenden Saison zum Oberligisten Westfalia Herne. „Ich habe in Herne als Vertragsamateur ab dem 1. Juli unterschrieben. Für mich ist es das Thema, wie das nun arbeitsrechtlich geregelt wird.“

Spielerlaubnis vs. Arbeitsvertrag

Königs macht hierbei die Unterscheidung zwischen Spielerlaubnis und Arbeitsvertrag. Sprich: Wenn die Saison über den 30. Juni verlängert wird und der Keeper noch für Bövinghausen spielberechtigt ist, stellt sich für ihn die Frage, ob er trotzdem – rein arbeitsrechtlich gesehen – beim Training bei Westfalia Herne erscheinen muss.

Pascal Königs wechselt vom TuS Bövinghausen zu Westfalia Herne.

Pascal Königs wechselt vom TuS Bövinghausen zu Westfalia Herne. © Stephan Schütze

Damit entsteht die Problematik, welcher Verein – bei einer Fortsetzung der Saison – für ihn zuständig ist. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat zum Thema „zeitlich befristete Vertragsverlängerung“ ein Dokument auf seiner Homepage veröffentlicht.

Was bedeutet das für Vertragsspieler?

Grundlage hierfür sind die Aussagen von Dr. Philipp S. Fischinger, der an der Universität Mannheim den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Sportrecht innehat. In dem Schreiben spricht der Verband von so genannten „Vertragsspielern“ – also Fußballern, die mindestens einen Vertragsamateur-Status haben.

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Wann ist ein Spieler ein Vertragsamateur bzw. ein Vertragsspieler? „Ein Vertragsspieler ein Fußballspieler, der neben seiner Vereinsmitgliedschaft auch einen schriftlichen Vertrag mit seinem Verein abgeschlossen hat und über seine nachgewiesenen Auslagen hinaus eine Vergütung und andere geldwerte Vorteile von mindestens 250 Euro im Monat erhält“, heißt es hierzu beim DFB.

Arbeitsverträge bestehen bis zum tatsächlichen Saisonende

Darüber hinaus muss durch den Verein mit Vertragsbeginn eine steuer- und sozialversicherungsrechtliche Anmeldung erfolgen. „Bei einem monatlichen Entgelt über 450 Euro ist der Vertragsspieler bei der entsprechenden Krankenkasse anzumelden. Zudem ist jeder Vertragsspieler bei der zuständigen Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) anzumelden“, heißt es dort weiter.

Für diese Vertragsspieler gilt bei einer Verlängerung der Saison folgendes: „Die Arbeitsverträge enden nicht mit Ablauf des 30. Juni, sondern bestehen bis zum tatsächlichen Ende der Saison 2019/2020, das heißt mindestens bis zum Ablauf des Tages, an dem das letzte Pflichtspiel des jeweiligen Vereins stattfindet, fort“, heißt es in dem Dokument des FLVW.

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Begründung hierfür ist, dass von einem Ende der Saison für gewöhnlich im Mai, spätestens Anfang Juni, ausgegangen wird. Daher ist dies so im Vertrag festgehalten. Da es nun aber besondere Umstände gibt, kann dieses Vertragsende auch individuell angepasst und auf Beendigung der Spielzeit geändert werden.

Diese Regelung hätte für beide betroffene Parteien – Spieler und Verein – Vorteile:

Spieler: So kann er am sportlichen Erfolg der Mannschaft teilhaben und so möglicherweise einen Aufstieg feiern. Auch ist fraglich, ob er bei einem vorzeitigen Vertragsende wirtschaftlich an eventuellen Jahresprämien partizipieren könnte? Unter Umständen ist hier auch eine Kürzung der Prämie möglich – je nach Anzahl der Spiele, die bestritten wurden.

Verein: Für den Verein ist es essentiell, dass der Spieler für die gesamte jeweilige Spielzeit zur Verfügung steht, drohte doch anderenfalls eine „Abwanderung“ eines oder gar mehrerer Spieler in der meist entscheidenden „heißen Endphase“ einer

Saison.

Daraus folgt: Die Dauer der Spielzeit ist die maßgebliche Berechnungsgrundlage für die Vertragslaufzeit. Hierbei ist auch wichtig, dass die entsprechende Regelungen zwischen Verein und Spieler nicht einseitig ausfallen sollte. Elementar ist, dass Interessen beider Parteien gewahrt werden.

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Darüber hinaus bedeutet dies, dass bei einem Wechsel des Vereins die Spieler nicht benachteiligt werden, wenn ihr Vertrag beim alten Club weiterhin gültig ist. „Beeinträchtigt ist er [der Spieler] letztlich nur insoweit, als sich ein von ihm gewünschter Wechsel zu einem anderen Verein verzögert. Allerdings ist die zeitliche Verzögerung nur eine vergleichsweise geringe (ca. 1-2 Monate). Schon deshalb hat dieses Interesse hinter den wirtschaftlich und sportlich bedeutsamen Vereinsinteressen zurückzustehen.“

Meike Ebbert: „Unser Ziel ist es, einheitliche Regelungen innerhalb des Westdeutschen Fußballverbandes zu finden“

Die genannten Regelungen gelten für Vertragsspieler. Für reine Amateure, die in der Sommerpause einem anderen Verein beitreten und eine Aufwandsentschädigung bekommen, gibt es noch keine Festlegung. „Wir sind dabei, hierzu genaue Regelungen zu erarbeiten. Unser Ziel ist es, einheitliche Regelungen innerhalb des Westdeutschen Fußballverbandes und damit auf Landesebene zu finden“, sagt Meike Ebbert von der Stabsstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen.

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„Am Wochenende kommt eine Kommission zusammen, die darüber berät. Wir denken, dass wir Anfang der kommenden Woche mehr wissen. Das gilt auch bei dem Thema Ausbildungsentschädigung, zu dem es Beratungen geben wird.“ Hierbei geht es darum, dass Spieler, wenn sie sechs Monate nicht für einen Verein gespielt haben, „ablösefrei“ wechseln können.

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