Vom Testspieler zur Vollzeitkraft: Steve Tunga Malanda überzeugt bei der BVB-U23

dzBVB-U23-Transfercheck

Die U23 des BVB ist mit zehn Neuzugängen in die Regionalliga-Saison gestartet - höchste Zeit für einen Transfercheck. In Teil drei beleuchten wir Steven Ruprecht, Steve Tunga Malanda und Kolbeinn Finnsson.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 17.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Steven Ruprecht: Der 32-Jährige ist der mit weitem Abstand erfahrenste Akteur im Kader von Dortmunds U23 – und passte deshalb eigentlich so gar nicht ins Beuteschema des BVB. Für gewöhnlich will der ja eher junge, entwicklungsfähige Spieler in seinen Reihen sehen.

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Doch weil die Borussia im Sommer unter Personalnotstand litt – zahlreiche Spieler, die im hintersten Zentralbereich eingeplant waren, hatten sich verletzt, außerdem zog es Mory Konate kurzfristig zum belgischen Erstligisten VV. St. Truiden –, sah sich Kaderplaner Ingo Preuß dazu veranlasst, nachzubessern.

Vom Testspieler zur Vollzeitkraft: Steve Tunga Malanda überzeugt bei der BVB-U23

Steven Ruprecht (M.) ist einer der erfahrensten Spieler der BVB-U23. © Bielefeld

Ruprecht, der nach seinem Dienst bei Drittliga-Absteiger Fortuna Köln ohne Anstellung war, kam also hinzu. Trainer Mike Tullberg kannte ihn da schon lange, spielte noch mit ihm bei Rot-Weiß Oberhausen zusammen. Demnach sollte Ruprecht, wie Dortmunds Fußballlehrer sagte, auch als „mein verlängerter Arm“ wirken. Also neben dem Platz im Umgang mit den vielen Jungspunden.

Auf dem Feld hatte der viermalige Zweitliga-Spieler und 216-fache Drittliga-Akteur derweil seine Probleme. Dass Ruprecht nicht zu den besten Fußballern gehört, wurde schnell augenfällig. Im Kader gibt es einige Spieler, deren Passspiel deutlich besser ist. Außerdem hat der Routinier zuweilen Tempodefizite, die den anderen Innenverteidigern beim BVB eher nicht nachzusagen sind. Gut möglich, dass sein Vertrag im Sommer nicht verlängert wird.

Steve Tunga Malanda: Im Sommer war der 22-Jährige arbeitslos, heuerte beim VDV-Proficamp an, einem Auffangbecken für Fußballer ohne Anstellung – dann jedoch klingelte Trainer Tullberg durch. Zunächst sollte Tunga als Testspieler für drei Tage mitwirken, daraus wurde eine Vollzeitstelle. Der ehemals bei der SG Wattenscheid unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler reifte zur überraschenden Verstärkung.

Tunga spielte mal rechts hinten, dann wieder im defensiven Mittelfeld – und überzeugte seinen alten neuen Vorgesetzten zum wiederholten Mal. Denn Tullberg hatte ihn schon in der U19 von Rot-Weiß Oberhausen als Trainer gefördert und zum Kapitän ernannt, nun gab er ihm erneut die Möglichkeit, wichtig zu sein. Tunga, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, lieferte das, was er kann.

Vom Testspieler zur Vollzeitkraft: Steve Tunga Malanda überzeugt bei der BVB-U23

BVB-U23-Trainer Maik Tullberg holte Steve Tunga Malanda (r.) nach Dortmund. © Folty

Ein Kämpfer ist dieser 1,70 Meter große Mann, passabel im technischen Bereich, gut im unmittelbaren Duell mit dem Gegenspieler, auf dem Platz giftig, neben dem Platz angenehm bodenständig. Dass ihn nach 13 Ligaeinsätzen ein Faserriss im rechten Oberschenkel stoppte und das Weihnachtsfest vermieste, war der einzige Wermutstropfen. Mittlerweile befindet er sich längst auf dem Weg der Besserung, konnte die Belastung zuletzt stetig steigern und ins Mannschaftstraining einsteigen.

Interessant wird sein, wie viel Einsatzzeit der wiedergenesene Tunga erhält, wenn mit Julian Schwermann ein direkter Konkurrent nach überstandenem Bänderriss ebenfalls wieder voll spielfähig ist. Sein Vertrag läuft noch ein halbes Jahr. Tunga wird sich weiter beweisen wollen.

Kolbeinn Finnsson: Obwohl erst 20-jährig, ist der Isländer schon viel herumgekommen. Er startete in seinem Heimatland, gab mit 14 Jahren im Ligapokal sein Pflichtspieldebüt, spielte später in der Jugendabteilung des niederländischen FC Groningen und kickte danach für den englischen Zweitligisten Brentford FC, dort zumeist im Reserveteam. Bei der Borussia hat er bis 2022 unterschrieben – und spielte eine Hinrunde mit Höhen und Tiefen.

Finnsson, seit Anfang 2019 isländischer A-Nationalspieler (2 Einsätze), besitzt einen starken linken Fuß und kann, wenn er denn ins Rollen gerät, enorme Wucht und Tiefe ins Spiel bringen. Seinen festen Platz in Dortmunds Belegschaft sucht er allerdings noch. In den bislang 13 absolvierten Partien hat er ihn nicht gefunden.

Vom Testspieler zur Vollzeitkraft: Steve Tunga Malanda überzeugt bei der BVB-U23

BVB-U23-Spieler Kolbeinn Finnsson (M.) spielt auch in der isländischen Nationalmannschaft. © Nils Foltynowicz

Zur Aushilfe wurde Finnsson häufig auf der linken Defensivseite aufgeboten. Offensiv brachte das ganz ordentliche Ergebnisse, defensiv indes offenbarte das Talent Defizite. Dass dieses Mandat links hinten nicht seine Paraderolle sei, darauf wies Tullberg öfter hin – und setzte ihn auch immer mal wieder im zentralen Mittelfeld ein. Durchschlagenden Erfolg hat das bisher nicht erzeugt. Noch wirkt Finnsson nicht vollends angekommen.

Ebenso übrigens wie Emre Aydinel, der als einer von drei Akteuren aus der hauseigenen A-Jugend in die U23 befördert wurde - und deshalb nicht als externer Neuzugang im Transfer-Check Erwähnung findet. Der 19 Jahre junge Stürmer durfte bislang nur 40 Minuten auf dem Feld stehen, ist kein Faktor. Patrick Osterhage (19 Jahre, zentrales Mittelfeld) und Julius Schell (20, Innenverteidiger) spielten verletzungsbedingt noch kein einziges Mal pflichtmäßig für die Mannschaft von Trainer Tullberg. Beim Defensivmann geht es aber immerhin bergauf. Nach Einsätzen für die U19 nähert er sich langsam dem bei der U23 benötigten Niveau.

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