Dortmunds bester Amateur-Fußballer beendet Karriere in der Kreisliga

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Alte Liebe rostet nicht – doch zum Schluss hielt nur die Liebe, nicht das Knie. Damit endete die Karriere eines der größten Dortmunder Fußballtalente in der Kreisliga B.

Dortmund

, 23.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gibt es etwas Schöneres als dem Verein aus eigenen Jugendfußballer-Tagen dabei zu helfen, den Aufstieg zu schaffen? Gut, der VfL Hörde war in dieser Saison ohnehin stark wie lang nicht mehr. Mit Farid Farid Damoch (32 Tore), Kevin Bottenberg (22) und Ilias Benali (21) sind nach 20 Spieltagen gleich drei Hörder Spieler unter den Top fünf der Torschützen der Dortmunder Kreisliga B2. Stark genug also, um nach Jahren in der B-Liga endlich den Sprung eine Etage höher zu schaffen.

Dennoch zögerte VfL-Trainer Lukas Lakoma nicht, als vor Beginn der Saison 2019/20 ein alter Bekannter beim VfL Hörde nachfragte, ob er für seinen früheren Jugendklub nach 18 Jahren noch einmal auflaufen dürfe. Verstärkung ist immer willkommen. Und mit Julian Koch klopfte immerhin ein Ehemaliger an, der sogar schon für Borussia Dortmund und Mainz 05 in der Bundesliga aufgelaufen war, ein Spieler mit zehn Jahren Profi-Erfahrung – zuletzt bis 2019 in Diensten des ungarischen Meisters Ferencváros Budapest.

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Klingt wild – und zwar genau solange, bis Julian Koch die Geschichte seiner Rückkehr nach Hörde selbst erzählt. Denn das ist nicht die Story von einem, der weit rumgekommen ist im Profigeschäft und schließlich noch seinem Heimatklub ein bisschen Glitzer abgibt. Das ist eher die Geschichte von einem, dem trotz vieler Verletzungsrückschläge der Spaß am Spiel nie verloren gegangen ist.

Julian Koch: „Lockeres Kicken war das nicht“

„Ich hab im letzten Sommer ja gemerkt, dass meine Knochen es einfach nicht mehr zugelassen haben, noch als Profi Fußball zu spielen“, erzählt der heute 29-Jährige. „Aber ich hatte auch immer den Wunsch, mit meinen alten Kumpels aus dem Heimatverein nochmal zusammen zu pöhlen und zu zocken. Mein Vater wohnt in Hörde um die Ecke, meine Schwester auch. Ich bin da aufgewachsen. Darum hab ich einfach gefragt, ob sie mich brauchen können. Und der Trainer hat ja gesagt.“

Die Mannschaft habe ihn ganz selbstverständlich und herzlich aufgenommen, erzählt Koch. Und anfangs lief es genauso, wie alle sich das erhofft hatten. Koch zog im Mittelfeld die Fäden, „was die Lunge hergab“, ging regelmäßig über die vollen 90 Minuten und trug auch als Defensiver insgesamt acht Tore zum ohnehin üppig gefüllten Hörder Torekonto bei.

Julian Koch war bei seinem Jugendverein nochmal mittendrin.

Julian Koch war bei seinem Jugendverein nochmal mittendrin. © Nils Foltynowicz

Doch so locker wie der Kopf nahm der Körper von Julian Koch die Beanspruchung auch in der Kreisliga B nicht. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich‘s mir anders vorgestellt hatte. Lockeres Kicken war das nicht. Und die ersten Spiele hab ich auch noch gut gemacht. Aber nach sechs, sieben Partien hab ich gemerkt, dass es für mich tatsächlich nicht mehr so richtig gut geht. Ich hab dem Trainer dann gesagt, dass ich ein bisschen kürzer treten muss. Das war richtig schade, weil es einfach unfassbar viel Spaß gemacht hat, mit den alten Jungs zusammen auf dem Platz zu stehen. Aber körperlich ging es einfach nicht. Das war ziemlich schnell klar.“

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Julian Koch bleibt auch in Zukunft ein Teil des VfL Hörde

Und beim Nichtspielen wird es wohl auch künftig bleiben: „Ich bleibe gerne dabei, aber es sieht nicht so aus, dass ich nochmal spielen kann. Ich bleibe Teil des Teams, unterstütze den Verein, wo ich kann. Aber die alte Knieverletzung, die letztlich auch den Ausschlag gegeben hat, dass ich mit dem Profi-Fußball aufhören musste, spüre ich halt regelmäßig. Während des Spiels weniger, dafür danach umso mehr.“

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Trotzdem blickt Julian Koch zufrieden auf das kurze Gastspiel im Trikot seines alten Klubs zurück. „Auch wenn es nicht so viele Spiele waren, der Wunsch, mit der alten Truppe nochmal aufzulaufen, ist in Erfüllung gegangen. Und mit dem Aufstieg in die A-Liga hat es ja auch geklappt. Traurig bin ich nur, dass ich die Hallenstadtmeisterschaften nicht mehr mitspielen konnte. Das war immer ein Traum, da dabei zu sein. Aber das Risiko wäre unkalkulierbar gewesen. Jeder weiß, dass es in der Halle noch ein bisschen knackiger zugeht. Dazu kommt der Hallenboden. Das wollte ich meinem Knie nicht mehr zumuten.“

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Dem Fußball bleibt Koch allerdings dennoch verbunden – und das gleich in der Nachbarschaft. Beim VfL Bochum ist er seit 2019 Co-Trainer der U17 unter David Siebers. „Das heißt, ich lerne wieder. Allein im letzten Dreivierteljahr war das unfassbar viel.“ Ein Stück ist allerdings auch schon der junge Co-Trainer der U17 Lehrer – und zwar aus Erfahrung: „Ich weiß ja noch wie ich als Jugendlicher drauf war, wie gern ich zocken wollte. Die Verletzungen, die ich hatte, haben mich aber zweierlei gelehrt: Demut und Geduld. Und so mega es ist, wenn die Jungs heiß sind aufs Spielen und auf den Erfolg, versuche ich ihnen doch von dieser Demut und Geduld etwas zu vermitteln.“

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