Verschnupfter Torriecher: Warum Dortmunds U23-Stürmer Tigges dennoch enorm wichtig ist

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Über zwei Monate ist es her, dass Steffen Tigges für die U23 des BVB getroffen hat. Obwohl es mit dem Toreschießen im Moment nicht funktioniert, ist er trotzdem unverzichtbar für Schwarzgelb.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 03.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist schon ein paar Wochen her, als Steffen Tigges folgende Sätze formulierte: „Die Profis haben einen riesigen Kader“, sagte der 21-Jährige Mitte September. „Da ist es schwierig, innerhalb der Saison mal vorzustoßen.“ Sein Tagesgeschäft, so bekräftigte er, sei die U23 des BVB.

Dass diese Situation für den hochgewachsenen Angreifer, der im Sommer von Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück kam, trotz der Schwächephase von Lucien Favres Kollegium und dem dort laut gewordenen Ruf nach einer „echten Neun“ vollkommen unverändert blieb, verwunderte manchen Fan. Dabei ist es nur logisch.

Dem ehemaligen Drittliga-Spieler Tigges wird zwar grundsätzlich zugetraut, irgendwann in den obersten Profifußball vorzustoßen. In den vergangenen Wochen, in denen die Profis arg schwächelten, konnte er sich für ein Mandat bei Dortmunds Bundesligavertretung allerdings nicht aufdrängen. Das Toreschießen, letztlich die Kernaufgabe des zentral postierten Angreifers, fällt ihm aktuell eher schwer.

Steffen Tigges fehlen Leichtigkeit und Sicherheit

Hatte der 1,94 Meter große und athletisch gebaute Blondschopf in den ersten sieben Regionalliga-Duellen sechs Treffer erzielt – mit dem starken linken Fuß, dem rechten oder mit dem Kopf –, wartet er nun schon seit dem 14. September auf ein solches Erfolgserlebnis. Seinerzeit siegte der BVB II mit 3:0 beim 1. FC Köln II, Tigges traf zur Führung.

Verschnupfter Torriecher: Warum Dortmunds U23-Stürmer Tigges dennoch enorm wichtig ist

Steffen Tigges (M.) ist ein absoluter Teamspieler, hilft auch oft hinten mit aus. © Thomas Bielefeld

Er, derzeit Torjäger a. D., gesteht, „dass es im Moment nicht so einfach ist“ im gegnerischen Gefahrenbereich. Quasi parallel zur sinkenden Formkurve der gesamten U23-Belegschaft, verlor Tigges dort Leichtigkeit wie Sicherheit. In manchen Spielen der nachfolgenden zehn Ligapartien bekam er keinerlei Gelegenheit, diese Negativ-Serie zu beenden. In anderen eröffneten sie sich sehr wohl, wie kürzlich beim 4:0 gegen den Tabellenletzten Bergisch Gladbach.

Zwei Chancen vergab Tigges, die erste per Linksschuss, die zweite per Kopfball aus nächster Nähe im Anschluss an einen Eckball. „Da brauche ich etwas mehr Standfestigkeit“, hadert er. „Wenn ich die zwei Szenen nachher noch mal im Video sehe, werde ich mich sicher etwas ärgern.“

Tigges genießt bei der BVB-U23 fußballerische Immunität

Dass dem viermaligen U20-Nationalspieler egoistisches Denken fremd ist, sollte jedoch mittlerweile jedem aufgefallen sein. Nicht das eigene Glück hat er zuvorderst im Fadenkreuz, sondern den Teamerfolg. Tigges, der Prototyp Mannschaftsspieler, leistet allwöchentlich hartnäckig Defensivarbeit, läuft die gegnerischen Abwehrreihen an, eilt zuweilen zurück bis in die eigene Hälfte.

Dass unter seinem Bilanzstrich seit längerem kein eigener Treffer vermerkt wurde, ist zwar auffällig, seine Leistung indes lässt sich nicht über diesen einen Wert definieren. Denn Tigges ist mehr als nur ein Strafraumstürmer. Völlig zurecht genießt er bei U23-Trainer Mike Tullberg deshalb so etwas wie fußballerische Immunität.

Verschnupfter Torriecher: Warum Dortmunds U23-Stürmer Tigges dennoch enorm wichtig ist

Steffen Tigges ist bei BVB U23-Trainer Mike Tullberg gesetzt. © Bielefeld

Erstmals wurde er am Samstag gegen Bergisch Gladbach in dieser Spielzeit vorzeitig vom Feld genommen, das ungleiche Duell war da längst entschieden (4:0, 72.). Ansonsten stand Tigges stets bis zum Ende auf dem Platz, er rennt, verteidigt, schießt – und assistiert. Sieben Mal in 17 Spielen hat er bisher einen finalen Service geliefert, seit seinem letzten eigenen Treffer sind fünf unmittelbare Vorlagen dazugekommen.

Für BVB II-Trainer Mike Tullberg ist Tigges unverzichtbar

Es gibt also unterschiedliche Gründe, warum Dortmunds Macher Stürmer Tigges trotz der Torflaute als unverzichtbaren Stammspieler einstufen, egal ob alleine in der Spitze, auf der linken Offensivseite oder in einem Zweiersturm. Eine Erkenntnis hatte die BVB-II-Analysten mit Tullberg an der Spitze dazu verleitet, ihm mal einen Partner an die Seite zu stellen: Häufig war der Strafraum nur unzureichend besetzt, Tigges stand da recht allein auf weiter Flur.

„Öfter waren zu wenige von uns in der Box“, sagt er selbst, „die Bälle flogen dann zwar in den Strafraum, allerdings häufig an mir vorbei.“ Aus diesem Grund setzte die Borussia auch gegen Aufsteiger Bergisch Gladbach darauf, das eigene Personal im gegnerischen Strafraum massiv zu erhöhen. Die Außenverteidiger schoben immer wieder weit vor auf die Außenstürmerposition; und die eigentlich als Angreifer links und rechts postierten Joseph Boyamba und Chris Führich rückten mit hinein ins Zentrum.

Tigges: „Ich muss ruhig bleiben - und weiter arbeiten“

Tigges befand sich dort ebenso wie Taylan Duman, der ebenfalls in vielen Situation bis ganz nach vorn in die Spitze ging. Viel Betrieb und mehr Gefahr nach Flanken war das zufriedenstellende Resultat durch diese erhöhte personelle Belagerung. Sie dürfte ein Mittel bleiben, wenn es für Dortmunds U23 kommenden Sonntag gegen Rot-Weiss Essen geht – und danach zum Jahresabschluss in Lotte um Zähler gekämpft wird.

„Bergisch Gladbach ist nicht der Gegner, mit dem wir uns messen müssen. Wir haben andere Ansprüche“, meint Tigges, der nun fordert, „auch mal gegen die Gegner über uns zu punkten.“ In den anstehenden „zwei Top-Spielen“ wollten sie das „unbedingt“ schaffen, sagt der Stürmer, der überzeugt davon ist, dass es für ihn persönlich bald auch wieder klappen wird. „Diese Sicherheit vor dem Tor zu haben – da komme ich wieder hin“, glaubt er.

Seine Losung ist nachvollziehbar: „Ich muss ruhig bleiben - und weiter arbeiten.“ Das Vertrauen der U23-Chefs ist ihm sicher.

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