Verfallen Sperren wegen der langen Spielpause im Zuge der Corona-Krise?

dzFußball in Dortmund

Nach der abrupten Saisonpause am 8. März stellt sich die Frage, ob die wegen einer Roten Karte gesperrten Kicker ihre Strafe bei einer Fortsetzung der Saison weiter verbüßen müssen.

Dortmund

, 14.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Tätlichkeit, ein grobes Foul oder eine Beleidigung gegen den Schiedsrichter oder den Gegenspieler: Gründe für eine Rote Karte gibt es viele. Die entsprechenden Sperren werden dann für eine gewisse Anzahl an Spielen beziehungsweise eine zeitliche Dauer ausgesprochen. Eine Gelb-Rote Karte bedeutet beispielsweise, dass ein Kicker ein Spiel oder zehn Tage nicht zum Einsatz kommen darf.

Wegen der Corona-Krise entsteht daher die Frage, wie mit Spielern umgegangen wird, die am letzten Spieltag vor der Pause des Feldes verwiesen wurden. Besagter Spieltag wurde am 8. März ausgetragen.

Mario Niedzialkowski: „Es war keine Absicht“

Beim Spiel der Kreisliga A zwischen dem VfB Lünen und Alemannia Scharnhorst sah Scharnhorst-Kicker Manuel Mesa-Mendoza die Rote Karte. „Bei einem Zweikampf kam Manuel zu spät und erwischte einen anderen Gegenspieler. Das wurde ihm als Tätlichkeit ausgelegt“, erinnert sich Alemannia-Trainer Mario Niedzialkowski.

Vier Wochen Sperre erhielt der Kicker für sein Vergehen. „Nach meinen Informationen wurde kein Sportgerichtsverfahren eröffnet, weil sein direkter Gegenspieler, erklärte, dass es sich um keine Absicht gehandelt hat,“ sagt Niedzialkowski.

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Von seiner Strafe wird Mesa-Mendoza jedoch nichts zu spüren bekommen. Denn: Alle Strafen, die vor der Fußballpause ausgesprochen worden sind, sind nicht mehr relevant. Das bestätigt auch Markus Schanz, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses: „Sperren, die schon festgelegt wurden, entfallen, weil ihre Gültigkeit abgelaufen ist.“

Meike Ebbert: „Sperren laufen ins Leere“

Auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen kommuniziert dies ähnlich: „Es sieht aktuell wohl danach aus, dass diese Sperren ins Leere laufen. Da gibt es in diesem Fall vielleicht ein paar Gewinner, aber so ist eben das momentane System“, sagt Meike Ebbert, Leiterin der Stabstelle Kommunikation beim FLVW.

Anders ist es hingegen bei Sperren, die noch nicht verhängt worden sind. Bei schlimmeren Vergehen entscheidet nicht der Staffelleiter über die Höhe der Strafe, sondern das Sportgericht. „In Verfahren, die noch nicht verhandelt worden sind, können auch keine Sperren ausgesetzt werden. Der Spieler bleibt dann bis zur Verhandlung gesperrt und alles Weitere entscheidet das Sportgericht“, sagt Frank-Bernd Meyer, Vorsitzender Kreissportgericht FK Dortmund.

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Momentan tagt das Kreissportgericht wegen der Corona-Krise nicht. Daher hat Meyer noch einige Fälle auf dem Tisch liegen. „Etwas sieben Fälle müssten es sein, über die wir noch nicht verhandelt haben.“

Wichtig zu wissen: Bei Sperren bis zu vier Wochen entscheidet der jeweilige Staffellleiter. „Sonst hätte ich ja noch mehr zu tun. Wir sind schon die größte Kammer und haben die meisten Fälle zu entscheiden. Das liegt aber auch vor allem daran, dass wir der größte Kreis mit den meisten Mannschaften sind“, erklärt Meyer.

Dazu bemängelt der Vorsitzende des Kreissportgerichts noch eine grundsätzliche Sache: „Viele Vereine wollen bei Verhandlungen eine schriftliche Entscheidung. Ich finde eine persönliche Anhörung besser, da dann der Spieler die Möglichkeit hat, sich selbst zu äußern. Damit hat er bei einer Verhandlung eine bessere Chance auf eine mildere Strafe“, gibt er als Empfehlung mit.

Regel soll sich ändern

Zur neuen Saison – wann auch immer sie beginnt – soll es übrigens eine Änderung in der Satzung des Verbandes geben. Dann soll es reine Spielsperren geben und die Strafen können dann nicht mehr über eine gewisse Zeitspanne abgesessen werden.

In diesem Fall wird es dann auch nicht mehr folgende Szenarien geben. „Viele Spieler holen sich vor der Winterpause ihre fünfte gelbe Karte ab, weil sie genau wissen, dass die Karte keine Relevanz hat“, berichtet Schiri-Chef Markus Schanz.

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