Tullbergs Plan B: Ein Lehrinhalt steht ganz oben auf der Agenda bei der U23 des BVB

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Bevor es für die U23 des BVB wieder um Punkte geht, steht das Trainingslager in Portugal an. Es wird anstrengend, sportlich und intellektuell - dank Mike Tullbergs Plan B.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 12.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Dortmunds U23-Belegschaft dieser Tage in Portugal die Grundlagen für die Restrückrunde schafft, steht ein Lehrinhalt ganz oben auf der von Trainer Mike Tullberg erdachten Agenda: Sein Kollegium soll ein neues System erlernen.

Hatte es unter seiner Leitung bislang mit defensiver Viererkette und offensiver Einzelspitze gespielt – nur ab und an wurde neben Stammspitze Steffen Tigges ein zweiter Stürmer installiert –, ist nun geplant, das 3-5-2-System zu erlernen und letztlich abrufbar zu haben. Bestenfalls schon Ende Januar, wenn es wieder um Punkte geht.

Haymenn Bah-Traore wird beim BVB-II sehnsüchtig zurückerwartet

Fußballlehrer Tullberg hat diesen Schritt viel durchdacht. Oftmals hatte die Borussia nämlich Defizite auf den Außenverteidigerpositionen. Einerseits dadurch bedingt, dass wirklich gelernte und für diesen Posten prädestinierte Spieler nicht einsatzfähig waren.

Tullbergs Plan B: Ein Lehrinhalt steht ganz oben auf der Agenda bei der U23 des BVB

Haymenn Bah-Traore (r.) ist defensiver Außenbahnspieler beim BVB II. © Bielefeld

Immer wieder mussten dort Ersatzkräfte einspringen, Maximilian Hippe oder Kolbeinn Finnsson beispielsweise, die beide im Hauptberuf anderswo unterwegs sind.

Haymenn Bah-Traore, der langzeitverletzte defensive Außenbahnspieler, wird beim BVB seit Monaten sehnsüchtig zurückerwartet. Andererseits resultierte die Schwäche auf Außen jedoch auch aus manchem strukturellen Problem. Die 3-5-2-Anordnung soll da Abhilfe schaffen.

Die Vorteile des neuen BVB-Systems sind vielfältig

„Defensiv wären wir variabler“, sagt Lars Bünning, dem als eigentlicher Innendienstler von Tullberg ebenfalls öfter ein Außendienst aufgetragen wurde. Grundsätzlich könne der BVB so „deutlich mehr nach vorne verteidigen“, meint der 21-Jährige.

Unter anderem die Flügelläufer der Borussia wären in der Lage, höher zu stehen, tiefer in der gegenüberliegenden Hälfte Druck auf den ballführenden Gegner aufzubauen – und hätten dennoch bei geordneter Staffelung mehrere Absicherungen im Rücken. Zum einen wäre da der jeweilige äußere Zentralverteidiger, zum anderen Spieler aus dem Mittelfeld.

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Auch dank der (möglichst eifrig arbeitenden) Doppelspitze könnte effektiver Stress aufgebaut werden in Phasen der Balleroberung.

Außerdem hätte die Borussia gleich zwei nach Hereingaben dürstende Stürmer, nicht nur einen, der sich oftmals allein auf weiter Flur gegen die andersfarbig gekleideten Defensivleute zur Wehr setzen muss, wie im Dortmunder Lager zuletzt schon kritisch bemerkt worden war.

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Und da die Dreierkette variabel zur Vierer- oder sogar Fünferreihe anwachsen könnte und sich damit ein echtes Bollwerk erbauen ließe, scheint der neue Trainingsinhalt eine sinnvolle Reaktion zu sein auf die durch Höhen und Tiefen geprägten bisherigen Partien.

Mehr Variabilität, doch das Einstudieren braucht Zeit

Wohlgemerkt in der Theorie. Denn freilich gibt es im Fußball unzählige Unwägbarkeiten, auf die ein Trainer gar nicht vorbereiten kann. Er gibt einzig Ideen und Spielmuster vor.

Eines davon ist im Falle von Dortmunds leitendem U23-Angestellten nun das 3-5-2-System. Tullberg verspricht sich davon mehr Variabilität, „wir wollen flexibel sein“, sagt der 34-Jährige, der mit seiner Mannschaft von Platz acht mindestens noch auf Rang sechs springen und die beste U23 der Liga stellen will.

Tullbergs Plan B: Ein Lehrinhalt steht ganz oben auf der Agenda bei der U23 des BVB

Mike Tullberg versucht, das Spiel der U23 des BVB durch das neue System variabler zu gestalten. © Bielefeld

Nicht gut „lesbar“ zu sein, wie er sagt, und somit die Möglichkeit zu besitzen, während eines Spiels die Grundordnung umzustellen oder überraschend anders in eine Partie zu starten, kann da nicht von Nachteil sein.

Bünning warnt allerdings, wenn er sagt, es werde gewiss „ein wenig“ brauchen, bis ein top-choreografierter Auftritt in dieser Aufstellung möglich sei. Das trainingsintensive Vorbereitungcamp in Portugal komme da gerade recht – und werde dringend nötig sein.

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Eher suboptimal ist in diesem Zusammenhang, dass mit Steffen Tigges und Chris Führich seit Anbeginn der Übungszeit zwei nominelle U23-Mitglieder bei der von Lucien Favre trainierten Profi-Einheit in Marbella dabei waren. Sie werden die taktischen Neuheiten erst mit Verspätung erlernen können.

Julian Schwermann ist zurück beim BVB II - braucht aber noch Zeit

Anders als Julian Schwermann, der nach erlittenem Bänderriss bislang nur drei Regionalliga-Einsätze unter dem Bilanzstrich stehen hat, sich seit Anfang Januar aber wieder voll belastbar im Mannschaftstraining zeigt und im ersten Test gegen den KFC Uerdingen (0:1) über die geplanten 45 Minuten mitwirken konnte.

„Keine Probleme“ habe er mehr im Knie, gab der 20-Jährige anschließend zu Protokoll. Seine selbstkritische Einordnung, er müsse „erst mal reinkommen und mich langsam steigern“, erschien allen Beobachtern jedoch korrekt.

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Dass sich der zentrale Mittelfeldspieler Stockfehler leistete und es ihm im Epizentrum zuweilen an der nötigen Handlungsschnelligkeit mangelte, war offenbar – und völlig logisch. „Ich werde sehen, ob es bis zum ersten Spiel reicht, ich kann mir das schon vorstellen“, sagte Schwermann dennoch.

Laufleistung ist ein wichtiger Gradmesser für Mike Tullberg

Gegen Uerdingen, das war für Tullberg mit dem Kilometer-Tracker rasch zu erfassen, sei der 20-Jährige in der ersten Hälfte am meisten gelaufen, so sein Trainer. „Das hat mich schon etwas überrascht“, zeigt aber exakt die Arbeitshaltung, die der Däne fordert.

„Immer dann, wenn wir bisher in der Liga mehr gelaufen und gesprintet sind als der Gegner, haben wir gewonnen“, erklärt Tullberg. Waren die Seinen weniger unterwegs, reichte es höchstens für eine Punkteteilung.

Ergo soll sein Team in den verbleibenden Pflichtterminen mehr laufen und den Highspeed erhöhen. „Für das Spiel, das ich mir wünsche, ist das notwendig“, bekräftigt Dortmunds Coach. Temporeich, aggressiv – so wünscht es sich Tullberg. Unabhängig davon, ob er final ein 3-5-2-System als Spielmuster vorgibt oder die altbewährten Anordnungen an die Taktiktafel pinnt.

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