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Herbert Bockhorn vom BVB II schnupperte schon mehrfach am großen Fußball. Die Realität heißt aber erst einmal SC Wiedenbrück – wie schon einmal vor vier Jahren.

Dortmund

, 16.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Partie zwischen dem SC Wiedenbrück und der U23 von Borussia Dortmund ist im September 2015 keine mit Erinnerungswert. Der BVB von Trainer David Wagner gewinnt damals mit 3:1, doch für einen Wiedenbrücker beginnt mit der Niederlage ein neuer Lebensabschnitt. Herbert Bockhorn wird zwar in der 81. Minute ausgewechselt, unterschreibt jedoch wenige Wochen später in Dortmund einen Vertrag: „Wir haben nach einem schnellen Spieler für die Außenbahn gesucht“, sagt BVB-II-Manager Ingo Preuß ein paar Jahre später, „und recht schnell gesehen, dass er ein Pfeil ist.“

Verdammt nah dran am großen Fußball

Der Pfeil ist vier Jahre später immer noch da, was ungewöhnlich für einen Spieler einer Nachwuchsmannschaft ist, aber vor allem daran liegt, dass Herbert Bockhorn in diesem Sommer verdammt nah dran am großen Fußball war: „Ich hab die USA-Reise mitgemacht und Testspiele für die Profis“, sagt der 24-Jährige und berichtet von positiven Rückmeldungen von Lucien Favre. Doch als die Bundesliga-Saison begann, rückte Bockhorn wieder in die zweite Mannschaft.

Das Gefühl kennt er schon. In Bremen schnupperte er bereits als 16-Jähriger Profiluft, trainierte mit Marko Arnautovic und Marko Marin unter Thomas Schaaf, seine Trainer in der U17, Viktor Skripnik und Florian Kohfeldt – heute Chef-Trainer der Werder-Profis –, glaubten an ihn. Doch als der Bus zu den Bundesligaspielen abfuhr, da war er nie dabei: „Ich hatte schon etwas Hoffnung, ein Thema für die erste Mannschaft zu sein“, sagt Bockhorn heute, „dazu kam es leider nie. Aber es war auf jeden Fall eine geile Erfahrung.“

Mama glaubt an ihn

Seit der U12 spielte er im Schatten des Weserstadions für Grün-Weiß, seine Mutter, die ihn schon in Kiel für den Fußball begeisterte, fuhr ihn nach dem Umzug nach Delmenhorst zum Training. „Sie war die Erste, die an mich geglaubt hat und tut das immer noch“, sagt Bockhorn. Das Problem ist, dass Alexander Nouri, sein neuer Trainer bei der U23, das nicht tut. Bockhorn sucht sich nach einem enttäuschenden Jahr einen neuen Verein und ist in Wiedenbrück erstmals auf sich alleine gestellt: „Das war für meine Mama aber schlimmer als für mich“, lacht er.

Beim Regionalligisten darf er endlich wieder „Herbie“ sein, die Außenbahn entlangflitzen, flanken, spielen. Denn seinen Traum vom Profifußball hat er nie ad acta gelegt: „Natürlich träumt man als kleiner Junge immer viel. Aber als ich elf, zwölf oder noch jünger war, da war das für mich selbstverständlich, dass ich Fußball spiele und später irgendwann auch sicher in den großen Stadien spielen werde. Aber je älter man wird, desto schlauer wird man auch“, schmunzelt Bockhorn.

Ingo Preuß traut ihm die 2. Liga zu

Deshalb ging er nach Wiedenbrück – um wieder auf sich aufmerksam zu machen. Dass es so schnell gehen würde, war natürlich nicht abzusehen, aber als das Angebot vom BVB kommt, muss Bockhorn nicht lange überlegen: „Ich habe relativ früh unterschrieben.“

Ingo Preuß traut Bockhorn heute mindestens die 2. Liga zu, damals muss er allerdings zusehen, wie der Pfeil, den er verpflichtet hat, vor allem die Bank in der Roten Erde plattsitzt. Erst in der vergangenen Saison unter Jan Siewert wird er unumstrittener Stammspieler: „Herbert braucht einen Trainer, der an ihn glaubt und ein Umfeld, das zu ihm passt, dann kann es hoch gehen“, sagt Preuß.

Aus dem schlaksigen Flitzer wurde ein Modellathlet

Bockhorn ist in dieser Zeit viel im Kraftraum, auch heute noch ist er täglich dort anzutreffen: „Es ist für mich schon wichtig, körperlich auf einem sehr guten Niveau zu sein“, sagt er. Kleinere Verletzungen warfen ihn in dieser Saison manchmal aus der Bahn, auch im Winter war er zwischenzeitlich verletzt, ist allerdings pünktlich zum Rückrundenstart fit. Ohnehin ist aus dem schlaksigen Flitzer längst ein Modellathlet geworden, zeigt das allerdings abseits des Platzes ungern. Während viele seiner Mitspieler sich im sozialen Netzwerk Instagram präsentieren, sagt Bockhorn: „Es ist nicht so meins.“

Auch sonst ist er bodenständig geblieben und realistischer geworden: „Ich gebe alles und es ist ein Riesentraum im Signal-Iduna-Park aufzulaufen, aber man kann es nicht planen. Deshalb muss man für andere Dinge offen sein.“ In den nächsten Monaten wird er also mal wieder versuchen, den großen BVB auf sich aufmerksam zu machen. Wie damals, 2015.

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